Kirchenpädagogik aktuell Infobrief September 2019

Kirchenpädagogik aktuell Infobrief September 2019

„Modern(e): Umbrüche in Kunst und Architektur“ so das Motto des „Tags des offenen Denkmals“ 2019.
Umbrüche brechen mit tradierten Vorstellungsweisen, Techniken, Erklärungsmodellen und in jedem Umbruch steckt etwas Neues, Revolutionäres, Fortschrittliches – und etwas Modernes. Auf eine besondere Weise scheint mir folgendes Zitat zu Kirchenräumen als Orten des Andersseins, Umbruchs /Umkehrens und Fortschreitens zu passen: „Die Grammatik von Andersorten lässt sich nutzen, um die unvermeidliche Relativierung der Person-Gott-Beziehung als Energiereservoir für die Veränderung im Selbstbezug einzusetzen. Wer auf Gott trifft, steht an einem Andersort, der das eigene Leben in einer Weise umkehren lässt, wie es bis daher weder zu erwarten noch zu erfahren war.“ (Hans-Joachim Sander, RUKurier 2/2019, S. 10).

Redaktionsschluss für Mitteilungen und Informationen der nächsten Ausgabe (bitte notieren und gegebenenfalls Informationen an mich senden): Freitag 25.10.2019 (erscheint November 2019)
 
(1)    Ein Blick durchs Land …


„FLUCH & SEGEN. KIRCHEN DER MODERNE“ ist eine Ausstellung in St. Gertrud (Krefelder Straße 57, 50670 Köln) tituliert, die das M:AI = Museum für Architektur und Ingenieurskunst vom NRW 9.9. bis 10.11.2019 als erste Station einer Wanderausstellung zeigt. Sie befasst sich mit der Bedeutung des Kirchenbaus, insbesondere dem der Moderne, und den aktuellen Herausforderungen im Umgang mit diesen Gebäuden. Die Ausstellung will die gebaute und theologische Komplexität dieser Bauten aufschlüsseln, ihre Wirkung und Strahlkraft im Stadtgefüge verdeutlichen und vor diesem Hintergrund neue Nutzungsmöglichkeiten aufzeigen. Näheres unter: mai-nrw.de/ausstellungen-und-projekte/fluchundsegen/. Ein Booklet ist downloadbar. 

Ergänzend zur Ausstellung fördern StadtBau-Kultur NRW, die Architektenkammer NRW und die Ingenieurkammer-Bau NRW unter Mitwirkung der (Erz-)Bistümer und der Landeskirchen einen Wettbewerb, der Gemeinden bei den Herausforderungen des Umgangs mit ihrem Kirchengebäude unterstützt. Die Website „Zukunft-Kirchen-Räume“ stellt Informationen zu Prozessen der Umnutzung bereit.

Wander-Ausstellung: ‚Zusammenspiel. Kunst im sakralen Raum‘. Die Deutsche Gesellschaft für christliche Kunst (DG) initiierte in Kooperation mit dem Verein Ausstellungshaus für christliche Kunst (VAH) eine Wanderausstellung, die einen Überblick über die vielfältigen jüngsten Auftragswerke aus evangelischen und katholischen Gemeinden deutschlandweit widerspiegelt: Duisburg: 2.9. bis 12.10.2019, Kulturkirche Liebfrauen Duisburg

(2)    Mitgeteilt …

Zu einer „Entdeckungsreise Kirchenraum. Kirchenraumerkundung im Rahmen der Erstkommunionvorbereitung für Kinder und Erstkommunioneltern“ laden Thomas Höhn und Astrid Seichter am Samstag, 28. September 2019 (10:00 bis 17:00 Uhr) ins Pfarrheim St. Josef (Hain), Bamberg, ein. Es geht darum, den Kirchenraum der örtlichen Pfarrkirche mit Hilfe der Kirchenraumpädagogik  als „Heimat“ zu entdecken. Der Studientag stellt ein Methodenrepertoire vor. Veranstaltet in Kooperation des Fachbereichs Gemeindekatechese und der Abteilung Liturgische Bildung im Erzbischöflichen Ordinariat Bamberg.

Die Evangelische Kirche in Baden hat ein kleines Video (knapp 4 min) veröffentlicht, in dem gezeigt wird, wie Kinder eine Kirche entdecken und zu Kirchenführern ausgebildet werden: news.rpi-virtuell.de/2019/07/09/kirchenraeume-durch-kinder-entdecken/.


GESUCHT WIRD … Kinderkirchenführer, Kinderdomführer, Kindermünsterführer es gibt eine Reihe von Namen dafür, dass Kinder ihren Kirchenraum anderen Menschen näher bringen wollen. Sie haben den Raum selbst erkundet und erforscht und sind dabei von KirchenpädagogInnen angeleitet worden. Diese Projektform gab es bisher mindestens ein Dutzend Mal. Nicht über jede dieser Kinderkirchenführer-Ausbildungen findet sich eine öffentlich leicht zugängliche Darstellung. Daher kann man davon ausgehen, dass es noch mehr gibt. Ein kleiner Kreis von Anleiterinnen und Anleitern will sich digital zu diesem Thema vernetzen. Sie arbeiten in Bad Doberan, Eutin, Marburg, Wittenberg und Wolfsburg-Ehmen. Auch wenn jede lokale Situation anders ist, finden sich genügend Gemeinsamkeiten, um über eigene Erfahrungen ins Gespräch zu kommen und Tipps und Tricks auszutauschen. Sie gehören auch zum Kreis derer, die Kinder auf diesem Weg begleiten oder sie kennen jemanden, die / der … ? Dann sind Sie gesucht als MitstreiterInnen. Bitte melden Sie sich bei Andreas Hecht (Hecht-Eutin [at] web.de) und lassen sie ihm evtl. einen Hinweis zukommen lassen, bei wem er nachforschen kann. DANKE!

Die Bedeutung des Kirchenbaus im Berlin der Kaiserzeit. Symposion zum fachlichen Austausch: Dienstag, den 01. Oktober 2019, Heilig-Kreuz-Kirche (Zossener Straße 65 10961 Berlin). Eine Veranstaltung des Kirchenkreisverbandes Berlin Mitte-Nord. Umfangreiche Bauaufgaben an den zwischen 1871 und 1914 erbauten Berliner Kirchen stehen in den kommenden Jahren an und es sollen denkmalverträgliche Sanierungskonzepte entwickelt werden, die sich mit dem Bautypus der kaiserzeitlichen Berliner Stadtkirchen auseinandersetzen. Die Veranstaltung bietet die Möglichkeit zum Erfahrungs- und Fachaustausch und lädt Architekten, Fachplaner, Restauratoren, Handwerker, Gemeindevertreter und Pfarrer, Kirchenvertreter, Vertreter der Denkmalschutzbehörden sowie alle Interessierten ein.

„Kirchen sind mehr als Raum“ : Ein Ausbildungsgang für Kirchenführerinnen und Kirchenführer 2020/2021: Der Ausbildungsgang richtet sich an Gastgeberinnen und Gastgeber in Kirchenräumen, an angehende und erfahrene Kirchenführerinnen und Kirchenführer. - Mit seinem nach (Kunst-)Epochen geordneten Curriculum bietet der Kurs einen fundierten Einblick in Entstehung und Entwicklung christlicher Kunst und Sakralarchitektur. Theologische Vorstellungen sowie Zeugnisse liturgischer Praxis, wie sie sich in nahezu allen kirchlichen Räumen und Ausstattungsgegenständen widerspiegeln, werden in ihrem historischen Zusammenhang erschlossen und heutiger Glaubens- und Lebenserfahrung reflektiert. Im Rahmen der sieben Kursmodule erfolgt eine Einführung in die Kirchenpädagogik, Methoden werden vorgestellt und praxisnah erprobt. Der Kurs gibt Anregung und Gelegenheit, Aufgaben und Rollenverständnis zu reflektieren.
Termine:
Modul 1 (19. März 2020) –  Dresden (Rollenverständnis und Leitbild)
Modul 2 (27.-29. April 2020) –  Kloster Wechselburg (Von Rom zu Romanik. Geschichte, Kunst und Theologie / Ansätze, Typen und Dimensionen von Kirchenerschließungen / Heilige Räume / Erfahrungswege im Kirchenraum)
Modul 3 (13.-15. Juli 2020) –  Meißen (Licht und Erleuchtung. Glaube und Architektur im Zeitalter der Gotik / Phasen und Zielgruppen von Kirchenführungen / Kirchenpädagogische Methoden zur Erschließung von Sakralräumen)
Modul 4 (8.-11. Oktober 2020) –  Krakau / Breslau (Renaissance und Barock. Von der Wiederentdeckung des Menschen zum Abglanz göttlicher Wirklichkeit)
Modul 5 (12. November 2020) –  Bautzen (Didaktische und methodische Grundfragen der Kirchenpädagogik / Praxisübungen / Liturgie und liturgische Ausstattungsgegenstände, Vasa sacra)
Modul 6 (8. Dezember 2020) –  Dresden (Rhetorik und Präsentation / Überlegungen zum Selbstverständnis und zur Ausprägung eines individuellen Stils / Die Orgel / Das Geläut)
Modul 7 (10.-12. März 2021) – Berlin (Vom Klassizismus zur Neuzeit. Rückgriff auf das Alte – Vorgriff auf das Neue / Examensvorbereitung)
Examenseinheit(en). noch unterminiert.
Beginn: am ersten Tag spätnachmittags (außer Modul 4)
Teilnahmegebühr: 375 € sowie Kosten für Anfahrten, Verpflegung und Übernachtung.
Gefördert von der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsen.
Veranstalter: Stiftung Frauenkirche Dresden, Volkshochschule Dresden e. V., Dreikönigskirche – Haus der Kirche.
Anmeldung über Stiftung Frauenkirche Dresden (Dr. Anja Häse, Georg-Treu-Platz 3, 01067 Dresden, Telefon:     +49 (351) 656 06 540; ahaese@frauenkirche-dresden.de ).

(3)    Aufgelesen …

Kleinert, Marcus (2019): Smartphone statt Arbeitsblatt : die App "Actionbound" als gelungene Möglichkeit, mit digitalen Medien die analoge Welt zu erkunden. In: Praxis Gemeinde-pädagogik 72 (2), S. 20–21.

Neumann, Felix (2018): Kirche im Detail: Instawalks in Kirchen und Klöstern. In: Katechetische Blätter 143 (4), S. 303–307.

Rumpff, Arlett (2019): Multimediale Kirche. In: Praxis Ge-meindepädagogik 72 (2), S. 12.

entwurf. Konzepte, Ideen und Materialien für den Religi-onsunterricht 2019, Heft 2: Kirche(n) entdecken, Hannover : Friedrich Verlag 2019, 65 S. ISSN 0343 6519

Ein furioses Titelbild (die brennende Pariser Kathedrale) führt zum Thema Kirche hin und Michael Landgrafs Einleitung (Kir-che in bunter Vielfalt entdecken) weckt das Interesse, über das Haus aus Steinen und aus Menschen nachzudenken. Den the-ologischen Grundlagenartikel dazu bietet Paul Metzger (Kir-che. Eine Bestandsaufnahme), gefolgt von der sehr guten Zu-sammenfassung der didaktischen Überlegungen zur Kirchen-pädagogik aus der Feder Hartmut Rupps (Kirche und Kirchen-pädagogik). Damaris Knapp stellt ein Ausstellungsprojekt (3-4 Klasse) vor, mit dem Kinder nicht nur mit Gottesvorstellungen in Begegnung kommen, sondern ihre eigenen Vorstellungen kreativ umsetzen und in einer Ausstellung zeigen („Gott in der Kirche und ‚Gott in meinem Kopf‘). Ulrike Schölch beschreibt ein interessantes Beispiel der Ausbildung von Kindern zu Kin-der-Kirchen-Führern („… und das hier ist die Segensdusche“; GS und Sek I, 3–6). Mit 17 Modulen zwar umfangreich, aber sie zeigt zugleich, dass diverse Kompetenzen gefördert wer-den. Umnutzung oder Nicht-mehr-Nutzung von Kirchenräu-men sollen auch schon für SchülerInnen zum Thema werden, wie der Entwurf (Sek II) von Christian van Randenborgh zeigt (Eine Kirche abgeben oder aufgeben?). Weitere Artikel greifen Themen wie „Basiswissen aus der Kirchengeschichte“ (Harmjan Dam), die Begegnung mit dem diakonischen Wirken in Stuttgart (Teresa Nieser u. Andreas Reinert) und „Wie Ju-gendliche Kirche und ihre tragenden Elemente neu entdecken können“ (Ralf Vogel, Matthias Rumm, Frieder Spaeth; für Sek I + II, 10–13) auf. Das Heft hat Materialbeilagen wie die Akti-onskarten zum Beitrag von Knapp, ein Arbeitsheft: „Gottes-häuser entdecken – Synagoge, Kirche, Moschee“ (Katharina Goldman: Synagoge; Hartmut Rupp: Kirchenraum; Zehra Isi-khan-Vieriu: Moschee) sowie diverse Arbeitsblätter zu den Unterrichtsbausteinen. Bücher und AV-Medien zum Thema „Kirche(n) entdecken“ werden rezensiert im Abschluss des Heftes.

Hubertus Halbfas, Die Zukunft unserer Kirchengebäude. Problemlage und Lösungswege, Ostfildern : Patmos 2019. 247 S.  Paperback ISBN: 978-3-8436-1112-1. 22 €.

Hubertus Halbfas (zuletzt Professor für Religionspädagogik an der PH Reutlingen) ist ein Querdenker. Das macht die Lektüre seiner Bücher spannend - im wahrsten Sinne des Wortes: ich lese sie gerne und dabei spannt sich innerlich das Denken auf. Auch bei diesem Buch; nach der letzten Seite lege ich es mit ambivalenten Gefühlen zurück. Vier große Abschnitte bietet es: einen Abriss der Sakral-/Kirchenbaugeschichte / eine Situa-tionsanalye, was Kirchen leerer werden läßt / Alternativen zu Abriss und falscher Umnutzung und ein Plädoyer, Kirchen-räume als Räume für alle zu betrachten. Im Neolithikum be-ginnt er die Sakralbaugeschichte und führt über ägyptische, griechische und römische Tempel zur Entstehung christlicher Räume und Kirchen, um dann in kurzen Skizzen die bauge-schichtlichen Epochen bis zur Moderne anzureißen. Hier und hätte ich mir hier weniger emotionale Bewertungen (etwa über den Barock) gewünscht, da ein wichtiger Punkt im Um-gang mit Kirchenräumen für mich darin besteht, die Intentio-nen der Epoche zu verstehen und zu respektieren; erst dann frage ich nach konstruktiver Weiterführung, die die Vergan-genheit nicht einfach negiert. Halbfas betont die Bedeutung der Raumatmosphären, entfaltet sie aber leider zu wenig in ihrer spirituellen Bedeutung. Der zweite Schwerpunkt zeigt Halbfas kritisches Interesse an der hierarchischen Kir-che(nleitung); für das Thema der Kirchennutzung erscheinet mir die Zahlenfülle wenig auszutragen. Relevant hingegen ist die Hinführung zum Thema „sakral oder profan“, das als fal-sche Alternative aufgezeigt wird. Das dritte und vierte Kapitel bieten mir die interessantesten Abschnitte. Halbfas unter-streicht die Bedeutung des Kirchenraums als Ort religiöser Praxis; dieser sei aber auch als Raum für Kultur wie Besinnung zu denken. Es sei notwendig, Kirchenräume als öffentliche Räume zu verstehen und sie mit allen Menschen zu teilen. Damit Kirchen Ausdrucksort von Identität und Orientierung sein können, sieht Halbfas es für erforderlich an, die Räume entsprechend zu gestalten (Restaurierung / Renovation). Ob Raumklärung oder Gestaltung von Ordnung (bes. für die Li-turgie) oder das Sichtbarmachen der Bestimmung des Rau-mes: Halbfas illustriert dies an jüngeren Beispielen (Hildes-heim, Lippoldsberg) und bringt am Beispiel der Bestuhlung von Kirchenräumen eine besondere Akzentuierung. Beipflich-ten kann ich Halbfas darin, dass ökonomische Nützlichkeits-erwägungen nicht ausschlaggebend sein sollten über den Er-halt von Kirchen; die Bereitschaft zur Entwicklung kreativer Ideen braucht Offenheit für Neues, auch um Kirche(nräume) für alle da sein lassen zu können. Unter den Gestaltungsbei-spielen greift Halbfas auch das Thema Kirchenführung auf, al-lerdings nur eine historisch-genetische Kirchenführung, wäh-rend er den kirchenpädagogischen Ansatz nicht erwähnt. Das Beispiel der mystagogischen Kirchenführung betrachtet der Vf. zu eng als Liturgiekatechese betrachtet. Angebote, den Kir-chenraum als Raum der Stille, als Ort des politischen Nachtge-betes oder als Begegnungsort mit modernen Kunst zu nutzen sind sinnvoll, könnten aber um innovativere Ideen (Beispiele gibt es in den benelux-Staaten z.B.) bereichert werden. Zu-stimmen möchte ich darin, dass die „Füllung“ der Kirchenge-bäude nicht allein eine Frage von Nutzung und Ästhetik ist, sondern auch eine der Anstrengung zur (Wieder-)Annäherung der (praktischen) Theologie an die Welt der Menschen von heute braucht. Dann werden Kirchenbauten auch Orte der Identität, der Erinnerung und der Prägung des Ortsbildes sein bzw. bleiben können.


RUKurier Zeitschrift für den Religionsunterricht in der Diö-zese Würzburg, Ausgabe 54, Heft 2/2019: Heilige Orte, Würzburg : Bischöfliches Ordinariat 2019. 94 S. – Kontakt: www.rpi-wuerzburg.de

Theorie, Praxis, Medien, Schulpastoral und Informationen versammeln die vom RPI in Würzburg herausgegebenen RU-Kurier-Heft.Das aktuelle Heft widmet sich schwerpunktmäßig dem Thema „Heilige Orte“,was auch Jahresthema des Schulre-ferates der Diözese Würzburg ist. Der katholische Liturgiewis-senschaftler an der Uni Würzburg Martin Stuflesser eröffnet das Heft mit einem Blick auf die Herausforderungen der litur-gischen Räume an eine zeitgemäße Liturgie , und schlägt dabei einen geschichtlichen Bogen von den Anfängen bis zur Litur-giereform, um so die spannungsvolle Situation zwischen Denkmal und Lebensraum aufzuzeigen, in der Kirchenräume belebt werden. Im Abschluss seines Beitrages verschweigt er nicht, dass es auch ein Abschiednehmen geben kann (Ab-riss/Umnutzung) und selbst diese noch der rituellen Form bedürfen, damit Menschen hoffnungsvoll neue Räume für ih-ren Glauben erwarten können. Hans Joachim Sander, Dogma-tikprofessor in Salzburg, weist in seinem Beitrag darauf hin, warum der Glaube an Gott neben der Zeitlichkeit auch nicht ohne den Blick auf die Räumlichkeit, in der sich der Mensch bewegt, auskommt. Gottesbegegnung ist nie utopisch, son-dern sie verlange eine Bezugnahme des Menschen zu Kultur und Gesellschaft, zu Politik und Wirtschaft und so sei auch die Religionsausformung geschichtlich wie räumlich geprägt. Es ereigne sich Gottesbegegnung in AndersOrten (Heterotopien), wo der Mensch den Sinnfragen nicht ausweichen kann und zugleich Perspektiven gewinnt, das eigene Leben neu / anders zu gestalten. Der Beitrag von Sr. Ankenbauer OSU denkt über Schule als heiligen Ort nach, „an dem Menschen Gott erfahren können, an dem sie zu sich selbst finden und Heilserfahrung machen“ (S. 11). Katharina Kindermann skizziert Idee und Zielsetzung der Kirchenraumpädagogik und hebt als Leitlinien die Verlangsamung, Leiblichkeit und Individualität sowie die Multidimensionalität des Raumes hervor. Als Impulse stellt sie eine Reihe von Methoden vor.  Stark praxisorientiert ist der Beitrag von Barbara Mack, die mit interessantem Praxismate-rial (Arbeitsblätter und Bild-/Text-Brillen!) anhand von Kir-chenbaustilen (Romanik, Gotik, Barock, Moderne) mit Schüle-rInnen eine Zeitreise unternimmt und sich dabei von den Leit-fragen, was Kirchen den Menschen ihrer Zeit sagen wollten und wie das in den Bauwerken zum Ausdruck kommt, be-stimmen lässt. Genannt sei im Kontext unseres Fokus noch ein Entwurf, sich dem Missionar Kilian anzunähern und einen Transfer auf die eigene Sendung (mission) zu leisten. Zwar ist die Schule bei diesen Materialien im Fokus, aber auch für die allgemeine Kirchenpädagogik anregend.


Gotteszelt und Großskulptur: Kirchenbau der Nachkriegsmoderne in Baden-Württemberg, mit Beiträgen von  Bernd Gehrke, Folkhard Cremer, Jörg Widmaier, Melanie Mertens, Sabine Kraume-Probst und Traugott Schächtele, hrsg. vom Landesamt für Denkmalpflege in Zusammenarbeit mit der Ev. Landeskirche Baden, Ev. Landeskirche in Württemberg, Erzdiözese Freiburg, Diözese Rottenburg-Stuttgart,  (=Arbeitsheft; 38),  Ostfildern : Patmos-Verlag 2019. - 248 S., zahlr. Abb. - ISBN: 978-3-7995-1394-4. 30,00 €

Im letzten Infobrief habe ich auf die Wanderausstellung „ZWÖLF Kirchenbauten“ hingewiesen, die bis Mitte 2020 an unterschiedlichen Stationen in Baden-Württemberg Halt macht und auf den Kirchenbau der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg hinweist. Man kann diese gut aufgemachte Ausstellung auch ohne den Katalog besuchen, aber nachhaltiger wird es sein, im Katalog sich vor zu informieren oder darin nachzulesen. Denn der sehr gut gestaltete Band (Druckbild, Bilder, Skizzen) bietet einleitend aus katholischer (B. Gehrke) und evangelischer (Tr. Schächtele) Sicht den Blick auf die liturgiekonzeptionellen Voraussetzungen dieses Bauens, die im 20. Jahrhundert den Wandel ermöglich haben . Im zweiten Teil führt Melanie Mertens in sechs Abschnitten in die Baugeschichte des Kirchbaus ein, wobei die Anlage der Erschließung des Thema eindrücklich zeigt, wie sich ein noch konfessionell stärker geprägtes Bauen seit den 60er Jahren zu einer Architektur entwickelt, die von bestimmten gemeinsam verfolgten Grundgedanken ausgeht (z.B. Würfel u Quader, Massierung u. Plastizität, Kegel und Zelt, Muscheln und Schnecken). Die Autorin strukturiert und typisiert somit auch diese Baugeschichte und das sehr gute Wechselspiel zwischen Erläuterung und Illustration macht dieses (wie den ganzen Katalog) zu einer Art Handbuch des Kirchbaus nach dem II. Weltkrieg im Südwesten. Dabei fließen immer wieder Bezüge zu Bauten in anderen (Bundes-)Ländern ein, was die Vernetztheit dieser Architekturepoche für Kirchen deutlich macht. Der kurze Abschnitt über Profanierungstendenzen im Kirchenbau leitet über zum Kirchenbau in „nachsakraler“ Zeit, womit insbesondere die Gemeindezentren zur Sprache und ins Bild gebracht werden. Zusammenfassend ordnet die Vfin. Ihre Erarbeitung in Entwicklungslinien und Markierungspunkte ein. Der zweite Teil des Buches nimmt den Katalog zu den zwölf exemplarischen Kirchen auf (Übersicht: www.denkmalpflege-bw.de/index.php, in denen die einzelnen Kirchen illustriert und dokumentier werden. M.E. ist der Band für KirchenführerInnen in Baden-Württemberg ein must-have, weil er, auch wegen vieler Hinweise auf weiterführende Literatur, zur Erschließung modernen Kirchenbaus in Baden-Württemberg Basiswissen in einem wirklichen Arbeitsheft zusammengetragen hat. 

Mathias Köhler, Wandelbare Heilsgeschichte. Hans Schüchlins Hochaltar in der Pfarrkirche St. Maria Magdalena zu Tiefenbronn, Neulingen : J. S. Klotz Verlagshaus, 2019. 88 S., durchgängig illustriert. – ISBN 9783946231301. 24,90 €.


Vielleicht denken die meisten beim Namen Tiefenbronn an den Magdalenenaltar von Lucas Moser. Aber dieser Kirchenraum und seine Ausstattung, besonders der Hochaltar, sollten keineswegs hinter diesem Ausstattungselement zurücktreten. Das tut, mit Engagement und Liebe, der Verfasser Mathias Köhler, der nicht das erste Mal zu Tiefenbronn schreibt. Der Band zeigt ihn nicht nur als versierten Kenner der Materie. Es ist eine historisch/ kunsthistorisch angelegte Arbeit. Anderes scheint man vielleicht nicht zu erwarten. Doch mich hat bei der Lektüre des Buches beeindruckt, wie das Buch aufgebaut ist: es geht von der Wahrnehmung in der Gegenwart aus, stellt aus genauen Beobachtungen Fragen (z.B. warum die Bedeutsamkeit der Kirche in der Vergangenheit nicht angemessen gesehen wurde), bewegt sich durch den Kirchenraum auf den Schüchlin/Multscher-Altar, lädt zur Entdeckung ein und steckt damit zum Fragen an, die wiederum vom Altar über den Kirchenraum ins Land hinein führen und schließlich wieder in einer kritischen Auseinandersetzung mit der Art der Erhaltung eines Kunstwerkes zur heutigen und künftigen Herausforderung führt. Die Lektüre führt die Augen über das Werk. So lehrt er gleichzeitig eine Achtsamkeit, die das Besondere des Werkes wahrnehmen läßt. Bemerkenswert, weil selten thematisiert, ist sein Augenmerk darauf, nicht nur den Altar, bzw. das Retabel für sich zu nehmen, sondern es wirklich bewusst als Teil des Kirchenraumes, des Raumgefüges zu sehen und zu entdecken, was das bedeutet (z. B. für den Lichteinfall). Und was ebenso gefällt an diesem Buch: auch die manchmal „unansehnlichen“ Teile, das Fragmentarische und von der Geschichte gezeichnete Werk wird ebenfalls gewürdigt. – Das Buch erscheint in einem Verlag, der sich der regionalen Kunst widmet. Und er tut dies mit viel Engagement in der Buchgestaltung: das Druckbild, das eine wunderbare Lesbarkeit garantiert und zuweilen auch an Umrisse eines Altares erinnert; die Illustrationen des Beschriebenen bringen fotografisch genau das zum Ausdruck, was gesehen werden soll. Der Band zeigt mir, wie wichtig historisch und kunsthistorisches Wissen ist, um mit Kunst auch kirchenpädagogisch umzugehen, weil eine solche Aufdeckung zum Fragen und Weiterentdecken anregt.