Kirchenpädagogik aktuell - Newsletter des Bundesverbandes Kirchenpädagogik e.V.

Kirchenpädagogik aktuell Infobrief November 2017
 
Sehr geehrte Damen und Herrn, Liebe Mitglieder des Bundesverbandes,

Grauer Himmel, Nässe, eine unangenehme Kälte, die Tageskürze stark spürend: das ist die Zeit des Novembers. Noch ist es Herbst. Aber solche Tage machen es leicht, sich in das eigene Gehäuse zurück zu ziehen. Eigenartig wirken in dieser gebrochenen Lichtatmosphäre Kirchenräume: bergend, eine besondere Stille schenkend, Haltepunkt fürs Nachdenken   über die vergangene Zeit … und zugleich wie ein Wartehäuschen auf das Kommende. Genießen Sie diese Tage bei Tee oder Kaffee zuhause … und lassen Sie sich hin und wieder von dieser eigenartigen Atmosphäre der Kirchenräume auf eine kleine Zeit berühren.
Mit freundlichen Grüßen verbleibe ich
Ihr
Christoph Schmitt
 
Redaktionsschluss für Mitteilungen und Informationen der nächsten Ausgabe (bitte notieren und gegebenenfalls Informationen an mich senden): Donnerstag, 21.12.2017 (erscheint im Januar 2018)
 
(1)    Ein Blick durchs Land …

Kirchen erzählen vom Glauben. Ausbildung zum Kirchenführer/ zur Kirchenführerin startet: Die Region Nahe/Hunsrück und Trier begibt sich ab November auf einen ein 15-monatigen Ausbildungsweg für ehrenamtliche Kirchenführerinnen und Kirchenführer. Mit einem Schnuppertag am 18. November (10 bis 17 Uhr, Bad Sobernheim) beginnt der Ausbildungskurs. Darin begegnen die Teilnehmer_innen bau- und kunstgeschichtlichen ebenso wie theologischen Themen und sie werden lernen, wie Menschen Zugänge zur spirituellen, historischen und sozialen Bedeutung von Kirchenräumen vermittelt werden können. Die ganztägigen Seminare finden samstags an wechselnden Orten in der Region statt. Ein ganzes Wochenende wird in Trier stattfinden. Was in der Theorie grundgelegt wird, wird durch entsprechende Praxiseinheiten konkretisiert und bereitet so auf die Durchführung eigener Kirchenführungen vor. Träger der Ausbildung ist das Evangelische Erwachsenenbildungswerk Rheinland-Süd e. V. „Ob Dom oder Dorfkirche, Kirchen sind für viele Menschen ein wichtiger Bezugspunkt im Ort. Gut gemachte Führungen können die Bedeutung der Kirchengebäude für die örtliche Geschichte und Kultur, aber auch für Sinn- und Glaubensfragen vermitteln.“ Unabhängig von der Konfessionszugehörigkeit kann jeder an der Ausbildung teilnehmen, der ein persönliches oder berufliches Interesse am Thema hat. Die Ausbildung entspricht den Richtlinien des Bundesverbandes Kirchenpädagogik und schließt mit einem anerkannten Zertifikat ab. Nähere Informationen gibt die Website www.eeb-sued.de.

Frau Brigitte Jenker regt an bzw. bittet um Rückmeldung, ob es im Bereich des Bundesverbandes Modelle, beständige Angebote oder exemplarische Veranstaltungen gibt und gab, die aus gemeinsamen Führungen durch eine evangelische und katholische Kirche führten. Welche Erfahrungen mit der Didaktik gibt es dazu? Wie sieht ein Zeitspektrum dafür aus und welche Erfahrungen haben Kirchenpädagog_innen damit gemacht? Gab es besonders im Reformationsgedenkjahr solche Angebote?
Dazu von Seiten der Redaktion ein Hinweis: im Sammelband Stefan Möhler (Hg.) - Der Trennung gedenken – das Verbindende feiern. Werkbuch zum Reformationsjahr für katholische Gemeinden und in der Ökumene, Ostfildern 2016 (ISBN: 978-3-7966-1712-6), finden sich Anregungen (Inhalt findet sich unter d-nb.info/1100188010/04) – u.a. ein Beitrag »Wo ist eure Bleibe?« - »Kommt und seht!«. Ökumenische Wortgottesfeier an Glaubensorten des Kirchenraums. Der Band bietet eine Fülle liturgischer Anregungen, Predigten zu reformatorischen Kernthemen, zum Verständnis von Reformation, für liturgische Feiern im Reformationsjahr sowie eine ökumenische Liturgiewerkstatt. Kirchenpädagoginnen werden aus dem Band sicher auch Gewinn ziehen.

Sabine Straßburg weist hin auf: Otto Bartning (1883-1959) Architekt einer sozialen Moderne. Ausstellung vom 19.11.2017 bis 18.03.2018 im Museum Künstlerkolonie Darmstadt : Otto Bartning hat die Kultur des Bauens im 20. Jahrhundert maßgeblich beeinflusst. Ab 1918 entwarf er als Mitglied im Arbeitsrat für Kunst Konzepte einer Studienreform, auf die sich Walter Gropius bei der Gründung des Bauhauses in Weimar stützte. Bartnings berühmter expressionistischer Entwurf der Sternkirche von 1922 sowie die 1928 ausgeführte Stahlkirche revolutionierten den evangelischen Kirchenbau. Nach 1945 forcierte Bartning einen schlichten und am menschlichen Maß orientierten Wiederaufbau in Deutschland. Zugleich lieferte Bartning wichtige Impulse für die Nachkriegsentwicklung in Darmstadt, wo er seit 1951 lebte und wirkte. Mit seinen Schriften, seinem einzigartigen Notkirchenprojekt, den Siedlungsbauten und Krankenhäusern trug er bedeutend bei zur Förderung einer sozialen Moderne bei.

(2)    Mitgeteilt …

Studientag Kirchenführer 2017 (10.11.2017, 17-21 Uhr; Bamberg Bistumshaus St. Otto): „Ein feste Burg ist unser Herr“ – Kirchenbau seit der Reformation - Das Ringen um Glaubensinhalte in der Reformation wirkte sich auch auf den Kirchenbau aus. Die Reformation übernahm Vorhandenes und stellte überlieferte Traditionen in Frage. Besonders die Innenausstattung und die liturgische Ausrichtung des Raums wurden prägnant anders. Der Studientag lenkt den Blick auf die Wege des Kirchenbaus aus katholischer und aus evangelischer Sicht. Referenten sind Dr. Meinrad von Engelberg (Akademischer Rat am Fachbereich Architektur der TU Darmstadt) und Prof. Dr. Klaus Raschzok (Lehrstuhl für Praktische Theologie an der Augustana-Hochschule in Neuendettelsau). - Der Eintritt ist frei. Um Spenden wird freundlich gebeten.


Studienfahrtreihe „Blickfenster Religion“: 12.11.2017 (9 bis 17 Uhr): „Blickfenster JUDENTUM“ – die Studienfahrt führt nach Würzburg und zielt das Zentrum “Shalom Europa“ als bedeutendes jüdisches Kultur- und Begegnungszentrum an. Der Vormittag beginnt mit einer Führung durch das Museum und gibt eine inhaltliche Einführung in „das Judentum“ (Geschichte, Gebräuche, Leben in Deutschland). Dem koscheren Mittagessen folgt am Nachmittag eine Führung in der Synagoge und das Kennenlernen der Liturgie des jüdischen Glaubens. Dabei wird auch auf das Raumkonzept der Synagoge besondere Aufmerksamkeit erhalten. - Reiseleitung: Anna Stößel (Kunsthistorikerin, Theologin); Kosten: 69,00 € ((inkl. koscheres Mittagessen). Zu dieser Veranstaltung erscheint eine separate Ausschreibung beim Diözesan‐ Erwachsenenbildungswerk im Erzbistum Bamberg (erwachsenenbildung@erzbistum-bamberg.de).

Studienfahrt: Augsburg – auf den Spuren Martin Luthers und der Reformation (18.11.2017, 7:30 bis21 Uhr): Der Augsburger Reichs- und Religionsfrieden (1555) beendete (vorläufig) die mit dem Reformationszeitalter entstandenen Spannungen und bot erstmals Bedingungen für eine friedliche und dauerhafte Koexistenz. An historischen Stätten informiert die Exkursion über den Weg von der Augsburger Konfession bis zum Reichsfrieden. Dabei werden auch Wegspuren Martin Luthers und der Reformation in Augsburg beschritten (St. Anna-Kirche; Doppelkirchen St. Ulrich und Afra, Moritzkirche). Die Studienfahrt findet statt in Kooperation mit der Abt. Liturgische Bildung im Erzbischöflichen Ordinariat Bamberg. Kosten: 59,- € - Anmeldung und Information bei Diözesan-Erwachsenenbildungswerk im Erzbistum Bamberg, 0951 502-2310, Fax: -2319, erwachsenenbildung@erzbistum-bamberg.de. Reiseleitung: Christian Kainzbauer-Wütig, und Dr. Hans-Joachim Ignatzi. Näheres s. www.keb-erzbistum-bamberg.de.


Kirchenführerausbildung - Basiskurs 2018: Die ökumenische Kirchenführerausbildung in Württemberg bietet einen neuen Basiskurs an. Dieser findet vom 18. bis 21.02.2018 im Stift Urach (Teil 1) und vom 30.09. bis 03.10.2018 in Ellwangen (Teil 2) statt. Der Basiskurs findet in zwei Teilen statt, die jedoch nur gemeinsam >>gebucht werden können. Anmeldeschluss: 19.12.2017. Es wird ein Teilnehmerbeitrag erhoben (Informationen bei Michaela Krapf, 0711 45804 9414, michaela.krapf@elk-wue.de). Weiterführende Aufbaumodule des modularen Kurses können schon jetzt gebucht werden unter: https://www.missionarische-dienste.de/veranstaltungen/.


(3)    Aufgelesen …

Hermann-Josef Frisch, Dem Unendlichen begegnen. Gelebter Glaube in den Religionen der Welt, Ostfildern : Patmos 2017. - 216 S. durchgehend farbig bebildert. ISBN: 978-3-8436-0942-5. 22 €.
Der Autor, Theologie und Sinologie studiert und war als Priester in Gemeinden des Erzbistums Köln tätig legt ein Buch vor, in dem er die Konvergenzen der unterschiedlichen Religionen in den Blick nimmt. Nach dem 2014 erschienenen Band Der Glaube der Weltreligionen geht es dem Buch darum, "die Weise, wie die Menschen ihre Erfahrungen mit dem Unendlichen in konkrete Handlungsweisen, Rituale, Symbole und Ausdruckweisen umsetzen, in Bauten und Baukunst umsetzen". Es ist eine eher an der Praxis denn an den dogmatischen Inhalten orientierte Darstellung und lädt ein, im "Welthaus der Religionen" andere Zimmernachbar_innen und ihre 'Einrichtungsgegenstände' kennen zu lernen und Ähnlichkeiten zu entdecken. Einem Abschnitt 'Religionen', der der Frage wie Religion mit Grundfragen des Menschseins verbunden ist werden in einem ersten Großkapitel erlebbare Formen vorgestellt (z. B. Gebet, Stille, Gottesdienst, Rituale, Pilgern, Askese, Segen). Das zweite Großkapitel greift Symbole und Zeichen auf, die in den Religionen bedeutungsvoll sind, sei es nun das Licht, Sonne, Mond, Feuer, der Kosmos und Himmelsleiter wie Weltenberg oder Tür, Weg und Labyrinth, Wein und Brot, Zahlen oder auch Gaben und Opfer, um nur einige herauszugreifen. An den Beispielen der Symbole wird die Annäherung zwischen Religionen vielleicht am greifbarsten, da sie die Tiefenschicht menschlicher Existenz berühren und zur religiösen Sprache gehören. Und zugleich erfordern sie zur rechten Deutung ein besonderes Wissen und Sensibilität. Ein kürzeres Themenfeld blickt auf heilige Orte und Bauten (Quellen, Flüsse, Wege, Berge, Gebäude, den Himmel und die Hölle). Ein eigenes Themenfeld widmet sich Gattungen 'heiliger Personen' als da sind z.B. Religionsstifter, Propheten, Heilige, Personen eines geistlichen Standes, Weise, Heiler, Geistwesen u.a.; die jeweiligen Abschnitte skizzieren dabei das Charakteristische. Das letzte Themenfeld widmet sich biographischen Punkten, die als Lebenswenden und Feste religiös geprägt werden und in denen Religion ihre stabilisierende und sinnstiftende Aufgabe erfüllen (Geburt, Pubertät, Ehe, Sexualität, Krankheit, Verantwortung, Sterben und Tod; Feste im Jahreslauf). Das Buch bietet den Leser_innen zunächst, sensibel zu werden und sich eine Erstinformation zu verschaffen. Es verzichtet auf Anmerkungen und (vielleicht leider) auf weiterführende Literatur. Sein starker Beitrag besteht für mich darin, der Religion als Lebensform des Menschseins trotz aller notwendigen Differenzierung im Blick auf alle Religionen ein positives Votum auszusprechen. In einer religionspluriformeren Welt ein hilfreiches Werkzeug.

Frederik Elwert, Martin Radermacher, Jens Schlamelcher (Hg.), Handbuch Evangelikalismus, Bielefeld : transscript-Verlag 2017. - 452 S. - ISBN 978-3-8376-3201-9. 39,99 €

Der Transscript-Verlag hat seine religionswissenschaftliche Sparte um einen wichtigen Band ergänzt. Zu den am schnellsten wachsenden religiösen Bewegungen weltweit gehören die Evangelikalen. Mit dem Begriff werden im alltäglichen Umgang eine ganze Bandbreite christlicher Gruppierungen und Bewegungen benannt, die es verdienen, differenzierte heran zu gehen. Mit dem vorliegenden Handbuch erhalten allgemein wie fachlich interessierte Leser_innen einen Leitfaden an die Hand. Als erstes deutschsprachiges Handbuch zeigt es sowohl historische Entwicklungen im deutschen, europäischen sowie bes. im amerikanischen, afrikanischen wie asiatischen Kontext auf. Dabei werden geographische Besonderheiten erkennbar, die - beispielsweise auch für das Verstehen amerikanischer Politik - nicht nur religionsorientiert, sondern auch sozial und politisch bedeutsam sind. Das Buch ist so gestaltet, dass die Beiträge der einzelnen religionswissenschaftlichen Autoren gut ineinandergreifen; das trägt zur Lektüre positiv bei. Dass das Phänomen nicht erschöpfend behandelt werden kann zeigen die jedem Abschnitt beigefügten Literaturhinweise. Leser_innen erhalten mit dem Handbuch einen eindrücklichen Begriff dessen, was sich hinter dem Begriff Evangelikalismus verbirgt. Es ist ein wichtiger Beitrag zur Begriffsklärung und dient auch dem Abbau von Vorurteilen, die verhindern können, die notwendige kritisch Betrachtung auch im Dialog zu führen. Dass dazu die religionswissenschaftliche Zugangsweise Wichtiges leisten kann bezeugen die Beiträge. Einführenden Kapiteln zu Begriff und Forschungsstand folgen von führenden Expert_innen Darstellungen der Geschichte und der globalen Ausbreitung evangelikaler Gruppen. Systematisch werden in weiteren Kapiteln Lehre und Praxis dieser christlichen Glaubensformen dargestellt (so bes. zu den Themen Gender, Alltagsfrömmigkeit. Besonders aufschlussreich waren für mich die Lektüre der Sozialformen und in welcher Weise Verflechtungen mit gesellschaftlichen Funktionsbereichen (etwa Wirtschaft, Politik, auch Wissenschaft, Kultur) beleuchtet werden (lesenswert die Beiträge zu Ev. und populärkultureller Musik oder ihre Positionierung in der Postmoderne). Gerade wo es um das Thema Gottesdienst geht, der eine besondere Bedeutung hat, stellt sich auch die Frage nach den Räumen, in denen dies geschieht -  Räume, die bestimmte religiöse Stimmungen und Atmosphären brauchen, aber nicht notwendigerweise die klassische Kirchenarchitektur brauchen. Letztere Sicht liest sich nur zwischen den Zeilen, aber auch darin sehe ich einen Anstoß einer kirchenpädagogischen Zugangsweise.

CICERONE – Mitteilungsblatt des Bundesverbandes der Gästeführer in Deutschland e.V.
In Ausgabe 1/2017 finden sich neben Beschreibungen von Beispielen von Führungen auch ein Bericht zum Zweiten Deutschen Gästeführertag in Erfurt. Lesenswert für Kirchenpädagogen sind der Tagungsbericht „Mein Gott, Dein Gott – Gästeführung im religiösen Spannungsfeld“ ebenso wie die vier knappen Zusammenfassungen der Fachreferate "Kirchen und Tourismus: Vier Fachreferate am DGFT". Pfarrer Jan van Campenhausen sprach über „Zurück zu den Wurzeln – spiritueller Tourismus  weltweit zum Reformationsjubiläum 2017“, der Trierer Historiker Prof. Dr. Wolfgang Schmid lenkte auf den "Spirituellen Tourismus zwischen Frömmigkeit und Kommerz – das Beispiel der Wallfahrten“, der Geschäftsführende pädagogische Leiter der evangelischen Erwachsenenbildung Thomas Ritschel stellte „Gästeführungen im religiösen Kontext – Beispiel Lutherfinder“ vor und Harald Schlüter vom Domforum Köln diskutierte die Lage der „Kirchenführungen zwischen Sakralraum und Touristenmanagement“.

Andreas Müller, Kirchenbau als Symbol. Zur Grundlegung der Religions- und Liturgiedidaktik des christlichen Kirchenraums, (=THEO; 105), Sankt Ottilien: EOS 2017. 672 S. 1 Farb-Abb. ISBN 978-3-83067860-1. – 49,94 €
Als Gymnasiallehrer für katholische Religion und Deutsch kam Andreas Müller nach seiner Berufsphase zur Motivation, der Frage nachzugehen, in welcher Weise der Kirchenraum/-bau für die Religionspädagogik als Symbol-Komplex noch präziser erschlossen werden kann. Seine eigene an Hubertus Halbfas geschulte Orientierung an der Symboldidaktik verbindet er mit der Frage, wie religionspädagogische Erschließungen auf die Situation von Menschen auszurichten sind, die, nach Feststellen des iconic und spatial turn, den Glauben stärker über eine ästhetische Herangehensweise zu verantworten suchen. Nach der Lektüre steht fest, dass die vom Kirchenbau ausgehende Fragestellung nicht im Horizont einer Disziplin ausreichend betrachtet werden kann, sondern wie vom Vf. getan in interdisziplinärer Weise behandelt werden muss und dabei auch die Theologie als Fächerkanon selbst überschreiten muss auf Kultur- und Religionswissenschaften wie Philosophie hin.
Nach einem knappen Literaturdurchgang, in dem die Beziehung zwischen Symbol und Kirchenbau skizziert wird nimmt das zweite Kapitel die wissenschaftstheoretische Reflexion der Arbeit vor. Von der Sache her plädiert Vf. für einen phänomenologischen Zugang. Liturgiewissenschaft bzw. Religionspädagogik haben auf je eigene Weise das Thema Symbol bewusst aufgenommen und für die Vermittlung des Glaubensinhaltes erschlossen. Im Kontext der Religionspädagogik sind es besonders Halbfas (kath.) und Biehl (evgl.), die Müller als Referenz dienen und damit die Kirchenpädagogik in ihrer ökumenischen Dimension bestätigt; darin ist sie für eine symboldidaktische Erschließung offen. Auch wenn Vf. immer wieder von Kirchenraumpädagogik spricht, so doch nicht in einem exklusiv katholisch geprägten Sinne; das zeigt die Skizzierung der innerprotestantischen Frage um das Symbol. Neben der Liturgiewissenschaft braucht es auch Religionswissenschaft wie Kulturwissenschaften, um die mit dem spatial turn in den Blick zunehmende Frage nach der Räumlichkeit (als Matrix für Beziehungen) thematisieren zu können. Dies ermöglicht, die Begrifflichkeit der Sakralität kommunizierbar zu machen. Ein Unterkapitel nimmt die Kunst in die wissenschaftstheoretische Perspektive hinein, denn sie hat Theorie und Poiesis der ästhetischen Wahrnehmung im Blick (was für die Frage der Symbolisierung des Kirchenbaus von Relevanz ist). Die Reflexionen münden in ein kommunikatives Modell zur Erschließung des Kirchenraums als Symbol. Es wird begleitet vom Vier-Faktoren-Modell: der ‚Produzent‘ (das individuelle wie kollektive Subjekt) ‚erfährt‘ die Bedeutungsseite (die ‚Objekt‘-Seite wird semantisch erschlossen) und ‚nimmt‘ die Ausdrucksseite ‚wahr‘ (ästhetisch geprägte Form-Seite);  so setzt die Ausdruckseite und die Bedeutungsseite sich in gegenseitige Beziehung als ‚deuten‘ bzw. ,ausdrücken‘ – und das Ganze eingebettet in die Pragmatik als dem aktuellen Verstehensrahmen. Kapitel III dient der Klärung der Felder ‚Raum‘, ‚Symbol‘ und ‚Sakralität‘. Aus der Betrachtung raumtheoretischer Ansätze und Klärung des Symbolbegriffs werden die Merkmale der Symbolisierung gewonnen, mit denen anthropologisch lebensweltliche Grunderfahrungen (Haus und Raumelemente), biblische Erfahrungen (Haus Gottes, Tempel, Zelt Gottes, Sinai, Christus) und kirchen- und stilgeschichtliche Ausprägungen (von der frühen Kirche bis zur Moderne) wie auch die Sakralität eines Raumes auf ihre Symbolhaftigkeit geprüft werden. Mit Blick auf die Frage der Entwicklung einer Didaktik des Kirchenraums als Symbol und später auch bei der Frage nach der Anwendung der Korrelationsdidaktik legt dieses Kapitel das Fundament. Bemerkt werden darf, dass der Aspekt des protestantischen Kirchenraumes sehr erhellend für die Anwendung der Kirchenpädagogik bzw. für eine konfessionell unterschiedliche Zielgruppe beleuchtet wird. Die Rolle der Liturgie und ihrer Ausübung wird im Unterkapitel zu den theologischen Ansätzen der Symbolik des Kirchenbaus deutlich (Schöpfung, Inkarnationsgedanke, Heiligung der Gegenwart (Sakramente) und Vollendung in der Zukunft). Das Unsichtbare sichtbar werden lassen, dem Glauben Erfahrbarkeit geben und verorten, aber auch offen halten für Neues kann man dies verkürzt benennen. Deutlich wird, dass diese Symbolisierung der menschlichen Begrenztheit geschuldet ist, sich aber der inkarnatorischen Dimension legitimiert.
Im vierten Kapitel setzt Vf. mit dem Kirchenraum als Symbolgröße neue Akzente durch eine symboldidaktische Perspektive. Das Subjekt soll den ästhetischen Äußerungsprozess, dem es im Kirchenraum/-bau begegnet quasi von sich aus, vom innen zum außen folgen, um zu verstehen, mehr noch um sich mit dem ‚Gegenstand‘ auseinanderzusetzen und ihn zu eigen zu machen (Wissen, Verstehen, Performanz im liturgischen Feiern). Es ist eine stufenweise Annäherung, die vom gelebten Raum zum sakralen Raum zum christlich geformten Raum sich entwickelt. Besonders erwähnenswert ist das Kapitel über die didaktische Elementarisierung und die Frage der zugehörigen religiösen Entwicklungsstufen, da der Vf. auf die Entwicklungsstufen des Erwachsenseins und des Alters eingeht.

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Redaktion: Christoph Schmitt (E-Mail: kirchenpaedagogik-news@gmx.de)
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