Der Newsletter des Bundesverbandes Kirchenpädagogik e.V. wird an Mitglieder des Bundesverbandes Kirchenpädagogik e.V. per eMail verschickt.

Kirchenpädagogik aktuell
Infobrief
Juli 2017

Sehr geehrte Damen und Herrn, 
Liebe Mitglieder des Bundesverbandes,

vor wenigen Wochen fand ich im Hirsauer Kloster einen Walnusssetzling, der zwischen den Steinen des alten Klosters seinen Platz gefunden hat. Für mich trägt er mit Blick auf ein eigenes kirchenpädagogisches Projekt etwas Symbolisches in sich: man darf den Mut haben, an ungewohnten Orten, da wo es schwieriger als anderswo erscheint, etwas zum Wachsen zu bringen. Vielleicht ernte ich nicht die Früchte – auch für einen Walnussbaum muss man ziemlich alt werden – aber andere haben damit neue Chancen. Das verspreche ich mir auch von der Mitgliederversammlung in Augsburg, wo ich mich freue, viele von Ihnen zu sehen.

Mit freundlichen Grüßen verbleibe ich

Ihr
Christoph Schmitt

 

Redaktionsschluss für Mitteilungen und Informationen der nächsten Ausgabe (bitte notieren und gegebenenfalls Informationen an mich senden): Donnerstag, 25.08.2017 (erscheint im September 2017)

 

1.    Ein Blick durchs Land

In eigener Sache: Wenn sich die Mitglieder des Bundesverbandes im September (21./23.09.2017) in Augsburg treffen, dann wird ein wichtiger Punkt der Tagesordnung die Neuwahl des Vorstandes sein. Die Wahlordnung sieht vor, dass man sich auch erst während der Mitgliederversammlung als Kandidatin oder Kandidat vorstellen kann – aber sicher ist es gut zu wissen, dass es doch auch Menschen aus dem Verband gibt, die sich das schon früh überlegt haben. Nicht mehr kandidieren werden vom bisherigen Vorstand Dr. Anja Häse (Dresden), Gisela Donath (Berlin) und Ulrike Duffing (Hannover) – der angemessene Dank wird in Augsburg gesagt werden.

Satzung sieht vor, dass sich der Vorstand aus fünf Personen zusammensetzt:
aus der Vorsitzenden oder dem Vorsitzenden
zwei stellvertretenden Vorsitzenden
der Schriftführerin oder dem Schriftführer
der Schatzmeisterin oder dem Schatzmeister
.
Zum Wahlverfahren:

Wählbar ist jedes ordentliche Mitglied; bei juristischen Personen ist die benannte Vertreterin oder der Vertreter als natürliche Person wählbar. Eine Wiederwahl ist zulässig. Für ein ausgeschiedenes Vorstandsmitglied wird für den Rest der Amtsdauer ein neues Vorstandsmitglied von der nächsten Mitgliederversammlung nachgewählt.
Zur Durchführung der Wahl bestimmt die Mitgliederversammlung eine Wahlleiterin oder einen Wahlleiter (eine Person, die nicht selbst für den Vorstand kandidiert). Die Mitglieder bestimmen auch, nach welchen Grundsätzen die Wahl durch zu führen ist (z.B. Geheime oder offene Wahl).

Hier in alphabetischer Abfolge die Personen, die schon jetzt ihre Bereitschaft erklären:

Holger Dörnemann, Köln: 49 J., verheiratet, zwei Kinder, kath., Religions-pädagoge an der Ludwig-Maximilians-Universität München (mein Spielbein), Leiter des Bereichs Katechese und Sakramentenpastoral im Erzbistum Köln (mein neues Standbein seit 2016). Im Jahr 2011 bin ich auf der Mitgliederversammlung in Stuttgart zum ersten Mal zum Vorsitzenden des Bundesverbands Kirchenpädagogik e.V. gewählt und im Jahr 2014 mit dem gesamten Vorstandsteam in Rastede für eine weitere Amtzeit bestätigt worden. Gerne möchte ich angesichts des nunmehr an einigen Stellen neu zu besetzenden Vorstands und nach Klärung der Voraussetzungen für die Geschäftsstellenarbeit im Rahmen meines Sekretariates noch einmal für das Amt des Vorsitzenden kandidieren. Erfahrungen einzubringen, gute Ideen zu befördern und zu vernetzen und die Arbeit des ökumenischen Bundesverbandes Kirchenpädagogik e.V. - rückgebunden an die EKD und DBK, die Schirmherren und natürlich im Verbund mit dem Vorstandsteam und der Mitgliederversammlung - weiterzuentwickeln: zu all dem spüre ich noch einmal die Energie und Lust, um mich noch einmal für eine weitere Amtszeit zur Wahl zu stellen.

Dr. Ina Germes-Dohmen: Seit 2011 bin ich durch die Mitgliederversammlung in das Redaktionsteams der Zeitschrift berufen, eine Arbeit, die mir immer Freude gemacht hat. Unsere Treffen waren kreativ, unkompliziert und die unterschiedlichen Kompetenzen im Team waren sehr befruchtend, was der Zeitschrift, wie ich glaube, anzumerken ist. Als Historikerin und Germanistin bin ich freiberuflich als Autorin und Herausgeberin historischer Sachbücher und als Lektorin tätig, wozu auch redaktionelles Arbeiten und die Zusammenarbeit mit Verlagen und Druckereien gehört. 2006 bis 2015 war ich Mitarbeiterin der Domschatzkammer in Essen und in dieser Zeit u.a. auch für die Kirchenpädagogik am Essener Dom verantwortlich. Während dieser Zeit entwickelte und leitete ich für das Bistum Essen eine Kirchenführerausbildung (Ausbildungsumfang >80 Stunden). Sie führte ehrenamtliche Interessierte an Kirchenführungen und an kirchenpädagogische Konzepte heran. Kirchenpädagogisch arbeiten konnte ich in der eigenen Gemeinde und Pfarre, etwa in der Kinder- und Jugendkatechese oder bei Erwachsenenführungen. Da die bisherige Leiterin des Redaktionsteams, Gisela Donath nicht mehr kandidieren wird – im Redaktionsteam haben wir wie viele im Verband das sehr bedauert – haben mich meine Mitredakteur*innen ermutigt, für einen der beiden Stellvertreter*innenposten im Vorstand zu kandidieren und zwar mit der Option der Übernahme der Redaktionsleitung. Dadurch wird die Vernetzung zwischen Redaktion und Vorstand wie bisher gesichert. Ein besonderes Anliegen ist es mir, mich durch die Zusammenarbeit im Redaktionsteam und im Vorstand dafür einsetzen zu können, dass Kirchenpädagogik immer mehr Menschen erreicht, sei es im direkten Erkunden und Erfahren eines Kirchenraums, sei es als Vermittler kirchenpädagogischer Konzepte. Dafür bitte die Mitgliederversammlung um ihr Vertrauen.

Mein Name ist Andreas Hecht und ich wohne und arbeite in der Nähe der Schleswig-Holsteinischen Ostseeküste in Eutin. In meinem Beruf als evangelischer Diakon für Kinder- und Jugendarbeit habe ich auch das Vergnügen, kirchenpädagogische Ansätze und Projekte direkt in der Arbeit mit meinen Zielgruppen durchführen zu können. Einige sehr schöne und interessante Kirchen bietet die Region, auch wenn touristisch besonders attraktive Kirchen eher in kleinerer Zahl zu finden sind. Daher überschneidet sich meine kirchenpädagogische Arbeit mit der klassischen Gemeindepädagogik. Seit mehreren Jahren konnte ich die Jahrestagungen genießen und da meine familiäre Situation (beide Söhne gehen langsam aus dem Haus) sich entspannt, sehe ich jetzt die Zeit gekommen, Impulse und Erfahrungen zurück und weiter zu geben und mich für den Verband einzusetzen zu können. Ich kandidiere für eines der Stellvertretenden-Ämter.

Doris Wimmer-Hempfling, Kassel: ich bin seit dem Jahr 2000 im Bundesverband Kirchenpädagogik und erhielt für meine Arbeit vor Ort viel Unterstützung und zahlreiche Anregungen, um Kirchenerkundungen und Kirchenführer-Ausbildung zu gestalten. Deshalb möchte ich jetzt für den Vorstand kandidieren und bewerbe mich bevorzugt auf die Nachfolge als Verantwortliche für die regionalen Ansprechpersonen, was bislang Ulrike Duffing wahrgenommen hat. [Anm. der Redaktion: Doris Wimmer-Hempfling hat das online Register der Zeitschrift erstellt].

Vera Ostermayer, Nürnberg: 61 Jahre, verheiratet, zwei erwachsene Kinder. In meinem Berufsleben war ich Gemeindepfarrerin, Mitarbeiterin am Lehrstuhl Religionspädagogik in Bayreuth, Touristenpfarrerin, habe in der Beratung offener Kirchen in Bayern gearbeitet und dann wieder als Gemeindepfarrerin. Seit sechs Jahren bin ich Schatzmeisterin des Bundesverbandes. Das ist schon eine ganz schön lange Zeit. Da ich nun – etwas vorzeitig – meine Aufgaben als Gemeindepfarrerin beendet habe und mein Leben sich sehr verändert, kann ich mir auch gut vorstellen, das Amt abzugeben. Es wäre schön, wenn Jüngere sich an der Vorstandsarbeit beteiligen. Auf jeden Fall wünsche ich mir, dass bis zur nächsten Wahl 2020 eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger gefunden wird und ich keine Schatzmeisterin für alle Ewigkeit werde.

2.    Mitgeteilt …

Die Otto-Bartning-Arbeitsgemeinschaft Kirchenbau lädt zur Sommerakademie „Sakralräume und Erinnerungskultur Menschen näherbringen“ ein, die vom 12 bis 16. Juli in Litauen stattfindet. Das Angebot richtet sich an Menschen, die Sakralräume einer breiteren Öffentlichkeit erschließen möchte. Das Angebot der OBAK wird in Kooperation mit der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Litauen durchgeführt und vom Erasmus+-Programm gefördert. Die Veranstaltung verfolgt das Ziel einer Stärkung inhaltlicher wie methodisch-didaktischer Kompetenzen und vermittelt konkrete Anregungen für die Praxis. Konferenzsprache wird Deutsch sein. Zum Programm gehören u.a.: Spiritualität als Performance - Ästhetik und Kommunikation im Sakralraum (Pfr Hans-Jürgen Kutzner); Raumwahrnehmung und Raumerschließung in Kirchen in Vilnius und Kaunas; Sakralräume, Kirchenpädagogik und Digitales Lernen (Tobias Klann/Immo Wiffig); Sakralräume als ,Ander-Orte" (Heterotopien); Weltkrieg und Nachkriegszeit in Litauen - Konkurrenz der Erinnerungskulturen, mit Exkursion zur Gedenkstätte Paneriai (Prof DL Alvydas Nikžentaitis). Informationen finden sich unter www.otto-bartning.de/erinnerungsorte/flyer-sommerakademie2017.pdf, die Anmeldung über obak@gmx.de oder ++49151 22284656.

Eine INFOVERANSTALTUNG FÜR MULTIPLIKATOREN findet am Sonntag, 17. September 2017 in Berlin statt, in der die Ergebnisse des EU-Projekts (Programm Erasmus+) „Sakralräume als Europäische Erinnerungsorte“ vorgestellt werden. Dabei kommen u.a. als Schwerpunkte zur Sprache die methodischen Aspekte der Kirchenführerausbildungen, das Digitale Lernen in der Kirchenpädagogik und das Thema „Kirche/Kirchenbau und Nationalsozialismus“ als exemplarisches Lernmodul für Kirchenführerausbildungen. Die Veranstaltung will nicht nur die Arbeitsergebnisse einem breiteren Kreis zugänglich machen, sondern die Veranstalter, die Otto-Bartning-AG-Kirchenbau will auch mit Interessenten für eine künftige Zusammenarbeit zu Angeboten im Feld der Kirchenpädagogik und Erinnerungskultur ins Gespräch kommen. Tagungsort ist die Martin-Luther-Gedächtniskirche in Berlin-Mariendorf, Beginn voraussichtlich gegen 11 Uhr, Ende gegen 16 Uhr. Eine formlose Anmeldung per E-Mail obak@gmx.de ist erforderlich (unter dieser Adresse gibt es auch weitere Informationen).

KinderKathedrale2017: wir entdecken. wir machen. wir sind“ in der St. Lamberti Kirche Hildesheim. Zwischen dem 16. September und 4. November 2017: Die St. Lamberti Kirche in Hildesheim nimmt zum Reformationsjubiläum Kinder in den Blick! Martin Luther setzte mit Katechismus, Bibelübersetzung und täglichen Ritualen wie etwa dem Abendsegen Maßstäbe, wie die Botschaft des liebenden Gottes zu den Menschen gebracht werden kann. Und 500 Jahre später – wie geht’s da? Den eigenen Möglichkeiten nachgehen kann man unter dem Merkzeichen der „Lutherrose“, die durch sieben Wochen leitet. Dazu wird eine Palette von Angeboten aufgeschlagen, so zum einen mit dem Erlebnisraum Kirche: in familienfreundlichen Gottesdiensten sonntags, täglichen Abendgebete während der Woche, kirchenpädagogischen Führungen und an Erlebnisstationen für Kindergartengruppen, Schulklassen, Konfirmanden- und KiGogruppen. Zum anderen wird es auch Fachtage geben für Lehrer*innen, Erzieher*innen, Kigo-Leute und Erzählende. Akzente werden durch Musik gesetzt: Musik zur Marktzeit, Konzerte und ein Luther-Musical der Evangelischen GS Waldschule Eichelkamp, Wolfsburg. Ein spannendes Programm wird für Kinder in den Ferien angeboten mit KinderKirchenTag, mit der Kirchenmusikschule, einer Kirchenwerkstatt, einer KinderKirchenNacht, einem Bauprojekt mit LEGO®Steinen, einem Fest der Sinne, dem Maus-Türöffnertag, mit Figurentheater, offenem Atelier u.v.m. Die KinderKathedrale versteht sich als Ort für Kinder und Ort des Diskurses um Kinder. Dazu tragen bei Michaeliskloster, die Universität und das Netzwerk „Evangelische Bildungslandschaften“ in Begegnungs- und Diskussionsforen und im Spiegeln der wissenschaftlichen Position. Die Zusammenarbeit mit Familienbildungsstätte führt dazu, dass das Küchengespräch in die KinderKathedrale2017 „verlegt“ wird. Die Initiatoren hoffen, mit Martin Luther einzustimmen: „Kinder sind die feinsten Spielvögel. Die reden und tun alles einfältig von Herzen und natürlich. Wie feine Gedanken haben doch die Kinder! Sehen Leben und Tod, Himmel und Erde ohn' allen Zweifel an.“ - Aktuelle Informationen und Termine finden sich online unter www.kinderkathedrale.de. Das Projekt wird getragen vom Kirchenkreis Hildesheim-Sarstedt, der Kirchengemeinde St. Lamberti, „Kinder im Zentrum“, dem Michaeliskloster Hildesheim und vielen weiteren Partner*innen. Die Projektleitung hat Susanne Paetzold, Diakonin – Kirchenpädagogin, Hildesheim.

3.    Aufgelesen …

Jahrbuch des Vereins für christliche Kunst in München, 27. Jahrgang, hrsg. von Ludwig Mödl, Lindenberg : Verlag Josef Fink 2016. 263 S., 125 Abb. - ISBN 978-3-95976-002-7. 29,90 Euro.

An dieser Stelle möchte ich auf das Jahrbuch des Vereins für christliche Kunst in München aufmerksam machen, da es in seinem ersten Teil den Schwerpunkt auf die Taufe und Tauforte setzt und damit eine gute Ergänzung zum Schwerpunkt der Bundesverbandszeitschrift des Jahres 2016 darstellt. Eröffnet wird der Jahresband durch zwei Beiträge konfessioneller Liturgiewissenschaftler, nämlich Winfried Haunerland und Klaus Raschzok, die die liturgiewissenschaftliche Basisinformation bieten, aber auch die heute bedeutsamen Blicke auf die Taufe (was Taufe ist, was da gefeiert wird und in welchen architektonischen wie pastoralen Zusammenhängen sie gefeiert wird bzw. werden könnte. Es folgen Beiträge aus den Perspektiven der Kunstgeschichte und der Restaurierungswerkstätten, so etwa Hans Rohrmanns Beitrag zu Beispielen früher Taufsteine und Weihwasserbecken aus dem Raum des Erzbistums München/Freising, der auch die liturgiehistorischen Informationen zum Verstehen mitliefert. Dem stellt Alexander Heisig einen Beitrag zur Seite, der eine Auswahl zeitgenössischer Tauforte im Erzbistum, ihre Herkunft (Wiederverwendung alter Taufsteine, neugestaltete Taufsteine), die Gestaltung und Positionierung vorstellt und zeigt, dass die Vielfalt keineswegs ein Nachteil ist bei der Frage, in welchem Stile getauft werden soll. Claudia Gerhold wie Ulrike Merz stellen Ergebnisse von Restaurierungen vor, erstere den wunderbaren Taufsteindeckel in Bad Reichenhalls Zeno-Kirche aus dem 16. Jahrh., letztere ein spätbarockes Gemälde aus Ruprechtsberg mit der Darstellung der Taufe des Herzogs Theodo II. durch Bischof Rupert. Weitere Beiträge greifen auf: „Heiltümer und Heiltumskammern in Ebersberg, Tegernsee und Moosburg“ (Monika Schwarzenberger-Wurster), „Die spätromanischen Wandmalereien im ehemaligen Chor der Pfarrkirche St. Andreas in Oberpframmern bei München“ (Gerald Dobler), „Spätgotische Ulmer Bildwerke im Chiemgau“ (Hans Ramisch), „Ein Aquarell zur südlichen Stichkappe der Ludwigskirche in München“. Interessante Kirchenbaugeschichten bieten die Beiträge „St. Barbara in München“ über die Filialkirche und einstige Garnisonskirche der katholischen Stadtpfarrei St. Benno in München (Martina Außermeier) und Denis A. Chevalley Aufsatz über „Die katholische Pfarrkirche St. Andreas im Münchner Schlachthofviertel“, da sie nachverfolgen, wie die Zukunft dieser Bauten sich entwickeln lässt. Peter B. Steiner stellt Andreas Horlitz Kunstwerk „Memorial St. Benno“ (München, 2015) vor, ein Totengedenken in einem Nischenraum der Stadtpfarrkirche St. Benno in München. Es handelt sich um eine Glasarbeit aus 18 dunklen Glastafeln (6 m hoch) und mit Platinkreisen (angeordnet nach einem Genom) bedruckt, in der sich Beobachter*innen spiegelnd betrachten können (ähnlich dem Tor zur Ewigkeit in der Pfarrkirche Pax Christi in Krefeld). Ludwig Mödl gibt Einblick in den „Abschiedsraum im Deutschen Herzzentrum München“. Den Band schließen Künstlerporträts ab (Thomas Richter: Barbara Butz; Benita Meißner: „Empfangshalle“ des Künstlerduos Corbinian Böhm und Michael Gruber; Monika Römisch: Hubertus Reichert; Monika Fahn: Sabine Straub).

Zwischen-Raum Gottesdienst. Beiträge zu einer multiperspektivischen Liturgiewissenschaft, herausgegeben von Kim de Wildt, Benedikt Kranemann, Andreas Odenthal, (=Praktische Theologie heute; 144), Stuttgart : Kohlhammer 2016. 335 S. 1. Farbtafel. ISBN 978-3-17-031125-1. 65 Euro.

Kolleg*innen, Freunde und Schüler des Bonner Liturgiewissenschaftlers haben in dieser Festschrift für zum 65. Geburtstag in 22 Beiträgen liturgiewissenschaftliche Perspektiven zusammengetragen, die das Werk des Geehrten markieren. Neben den „Geschichtliche[n] Perspektiven“ (ein Blick auf den Ostersonntag und seiner Widerspiegelung in der Predigt/Homilie in der frühen Kirche: Harald Buchinger; ein Kurztrip in den barockzeitlichen Gottesdienst des Bonner Hofes des Erzbischofs Joseph Clemens: Jürgen Bärsch; das Priesterbild im Spiegel von Primizpredigten: Stefan Böntert; Teresa Berger zeigt in ihrer Bestandsaufnahme von „Liturgiegeschichte und Gendergeschichte“ das noch immer große Desiderat, die Bedeutung der Geschichte gottesdienstlichen Lebens gerade auch im Blick der Geschlechterdifferenz zu betrachten) treten die „Anthropologische Perspektiven“ (Peter Ebenbauer öffnet die Augen dafür, was es heißt, konkrete, auf communio zielende Formen von Liturgie auch in ihren sozialen Wirkungen zu betrachten; Winfried Haunerland unterstreicht die Öffentlichkeit des Gottesdienstes weil hier Begegnung von Welt und Kirche geschieht und macht zugleich mit Blick auf das Selbstverständnis von Kirchesein aufmerksam, dass nicht einfach alles allen offen stehen könne, sondern der Anspruch von Gottesdienst als Ritendiakonie eine differenzierte Einladung zur Teilnahme brauche; Michael Meyer-Blanck lenkt den Blick auf die Bedeutung von Liturgie und Politik und analysiert dabei das mit dem Namen F. Steffensky verbundene Politische Nachtgebet der 1970er Jahre in Bonn; Benedikt Kranemann zeigt an Beispielen aus dem 19. Jahrh., dass liturgische Bildungsbücher Laien schon vor der Liturgischen Bewegung ernstnahmen und dass dabei schon die leibhafte Dimension der Ästhetik einer Liturgie zur Sprache kam). In den „Theologische[n] Anfragen“ zeigt Martin Klöckener exemplarisch am Osterfestkreis und Allerheiligen, welche eschatologische Prägung die Liturgie hat, die dadurch auch das Leben der Glaubenden bestimmt; Clemens Leonhard zeigt auf, dass die metaphorische Verwendung des Begriffs des Gemeinsamen/Allgemeinen Priestertums aller Getauften problematisch sei, da es zur Verschwommenheit von Begrifflichkeit führe, die aber ihre eigene Macht habe; sehr begrüßenswert ist der Beitrag von Birgit Jeggle-Merz, die zentrale Punkte (Gottes Wort, Präsenz Christi im Wort, Sakramentalität) einer Theologie der Wort-Gottes-Feier zusammenführt und daher darin eine wichtige Chance für die Kirche sieht, „solche verändernden und mit dem Heil Gottes involvierenden Erfahrungen zu machen“(S. 166). Für Kirchenpädagog*innen besonders lesenswert ist Stephan Wahles Beitrag „Von heiligen Orten und Räumen der Stille“, in denen er der Frage nach dem Sakralen des Sakralraums nachgeht und für die gegenwärtig besonders gesuchten Räume der Stille, feststellt, dass sie architektonisch an Sakralräumen orientiert sein wollen, ohne sakral sein zu wollen. Könne „ästhetisch vermittelte Transzendenzerfahrung in der spirituellen Selbsterfahrung von Ruhe, Geborgenheit und Erhabenheit aufgehen“, ohne dass „eine Ausrichtung auf ein Anderes wie auch die Begegnung mi anderen hinzukommen“ müsse, fragt er (S. 179). Die Beiträge von Hans-Jürgen Feulner und Friedrich Lurz lenken den Blick auf die Ökumene und Reinhold Boschki beleuchtet die Schlüsselbedeutung des neuen Blicks auf das Judentum für die Kirche seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil, die in der Liturgie ihren Niederschlag finden muss. Für Kirchenpädagog*innen von besonderem Interesse sein dürften die „Kunstgeschichtliche[n] Perspektiven“, die mit einem Beitrag von Hiltrud Kier eröffnet werden, in dem sie mit Blick auf Kölner Kirchen die Veränderungspotentiale der Konzilien und der Liturgischen Bewegung skizziert und dabei den Fokus besonders auf die Gestaltung der Altäre richtet, die schon immer mehr Aufmerksamkeit auf sich zogen als vergleichsweise der Ort der Verkündigung der Schrift, die Ambonen. Guido Schlimbach greift als Beispiel des Dialogs von Kunst und Kirche die Kunst-Station St. Peter in Köln auf, in der Pater Mennekes das Konzept der Sakralität der Leere mit Künstlern zu gestalten suchte. Der leergeräumte Raum sollte so als befreiender Raum erfahrbar werden und Schlimbach spricht daher von der Sakralität der Aussparung, durch die die Abwesenheit Christi akzeptiert werden könne; an drei Beschreibungen von Installationen in St. Peter wird dies illustriert. Zur Liturgie gehören auch die „Kirchenmusikalische[n] Perspektiven“ mit Beiträgen von Wolfgang Bretschneider und Matthias Schneider. Schließlich lenken Andreas Odenthal mit sieben Thesen zu einer praktisch-theologischen Liturgiewissenschaft (Stichworte u.a. Lebenswirklichkeit, Erfahrungstradition, Differenz-Erfahrung, Pascha-Mysterium, Freiraum für Rituelles, Interdisziplinarität), Paul Post mit einer Übersicht über Liturgiewissenschaft und Ritual Studies und Kim de Wildt den Blick auf die „Liturgiewissenschaft im Umbruch“. Kim de Wildt’s Beitrag „Der Sakralraum. Baustein einer religiös-komparativ-empirischen Liturgiewissenschaft“ beschließt den zum insgesamt sehr zum Nachdenken anregenden Band mit einem Plädoyer, das die Einschätzung des Sakralraumes als zweitrangig für die Identitätsentwicklung des Menschen überwinden will und „Glaubenslehre und Materialität des Glaubens nicht unnötig gegeneinander auszuspielen“ sind (S. 317). Der konkrete Raum biete die „Möglichkeit, Identität zu gewinnen und zu festigen“ (S. 318), nicht nur religiöse Identität. De Wildt spricht sich gegen eine Dichotomie von sakral und profan aus, um die Sakralräume verschiedener Religionen und Konfessionen vergleichbar zu halten durch Wahrnehmung von gemeinsamen Merkmalen in einer ‚Familie‘ – und zeigt zugleich, dass der Raum „aufgrund der immer subjektiven Bedeutungszuschreibung und des relationalen Verhältnisses von Objekt – Subjekt, kaum objektiv fassbar“ ist (326). Diese Betrachtungen sind Hintergrund für die Entwicklung einer Sakralraumpädagogik, die darauf ausgerichtet ist, „all diejenigen Formen der Sakralraumerkundungen bzw. Sakralraumführungen“ zu fassen, „die in den Sakralräumen der verschiedenen Religionen und Konfessionen initiiert werden“ (S. 327). „Die multireligiöse komparative Herangehensweise transzendiert eine inner-christliche Perspektive und wird der empirischen Realität unserer heutigen Gesellschaft mehr gerecht“ und schafft die Möglichkeit, „Heranwachsende mit der eigenen, aber auch mit anderen religiösen Konfessionen und Traditionen bekannt zu machen“ (S.328).

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