Kirchenpädagogik aktuell : Infobrief Januar 2018 

Sehr geehrte Damen und Herrn, Liebe Mitglieder des Bundesverbandes,

herzlich grüße ich Sie zum neuen Jahr und wünsche Ihnen in allen Begegnungen und Erfahrungen den Segen Gottes. Zum Januar passend ein Gedicht mit Tür:

geht eine Tür auf / vermute ich einen Raum dahinter / vertraute Stimmen // ich gehe durch die Tür / und sehe nur Wände / höre wie die Tür hinter mir schließt // die Wände werden durchsichtig / ein Morgen wie jeder andere / weit und breit kein Bekannter // auch wenn mich hier keiner hält / ausgelöscht mein Verlangen / diesen Ort zu verlassen. (Zafer Şenocak) 

Mit freundlich Grüßen verbleibe ich Ihr Christoph Schmitt

(1) Ein Blick durchs Land … 

In eigener Sache: Erscheinungstermine der Infobriefe 2018 und ihr Redaktionsschluss für das Jahr 2018 sind:

Redaktionsschluss: 15.02.2018 – Versand: Anfang März 2018
Redaktionsschluss: 15.04.2018 - Versand: Anfang Mai 2018
Redaktionsschluss: 15.06.2018 - Versand: Anfang Juli 2018
Redaktionsschluss: 15.08.2018 - Versand: Anfang Sept. 2018
Redaktionsschluss: 15.10.2018 - Versand: Anfang Nov. 2018
Redaktionsschluss: 15.12.2018 - Versand: Anfang Jan. 2019

(2) Mitgeteilt … 

Ausbildung Kirchenführung in der Nordkirche 

Kirchen verstehen und zugänglich machen ...“: Veranstalter sind das Pädagogisch-Theologische Institut der Nordkirche und das Zentrum Kirchlicher Dienste im Kirchenkreis Mecklenburg. Informationstreffen: In Hamburg: 16. Januar 2018, 17.00 - 19.00 Uhr, Dorothee-Sölle-Haus, Königstr. 54, 22767 Hamburg (Anmeldung: inge.hansen@pti.nordkirche.de / Tel. 040-30620-1322). - In Rostock: 25. Januar 2018, 17.00 - 19.00 Uhr, Zentrum kirchlicher Dienste, Alter Markt 19, 18055 Rostock (Anmeldung: dr.maria.pulkenat@elkm.de / Tel. 0381-37798752).

Credo oder Was glaubst du eigentlich? 28. Februar 2018, 10.00 - 17.00 Uhr, Hauptkirche St. Jacobi (Jakobikirchhof 22, 20095 Hamburg): Was Sie immer schon mal zum Glaubensbekenntnis fragen wollten ... Notwendiger Bestandteil der Fortbildung von Kirchenführer*innen ist, sich mit theologischen Themen und mit dem eigenen Standpunkt in Sachen Religion und Christentum zu befassen. Der Studientag bietet die Möglichkeit, sich mit den alten Formulierungen des Glaubensbekenntnisses auseinandersetzen und zu fragen, wie sie mit unseren eigenen Überzeugungen abzugleichen sind. Im Kirchenraum wird anschließend beides aufgespürt: alte Bilder und eigene Vorstellungen. – Veranstalter: Pädagogisch-Theologisches Institut der Nordkirche; Leitung: Inge Hansen, Referentin: Heidrun Buitkamp. - Anmeldung bis 2.2.2018 über pti.nordkirche.de/veranstaltungen  

Was ist eine Kirchenführung und wie gelingt sie? 17.03.2018, 10.00 - 17.00 Uhr, St. Marien (Waase auf Ummanz, 18569 Ummanz): Einführung in Inhalte und Methoden einer Kirchenführung, besonders angesichts der Herausforderung, den zunehmend kirchenfernen Besucher*innen nicht nur Informationen über ihre Kirchen zu vermitteln, sondern auch die religiösen Inhalte zu übersetzen. Veranstalter:  Pädagogisch-Theologisches Institut der Nordkirche. Leitung: Pastor Joachim Gerber; Referentin: Inge Hansen. Anmeldung bis 28.2.2018 über pti.nordkirche.de/veranstaltungen  

Was ist daran heilig? 19. März 2018, 10.00 - 17.00 Uhr, Kirche zum Heiligen Kreuz (Rostock, August-Bebel-Straße 89): Studientag zum Thema „Kreuz“. Was verbinden wir mit diesem vielfältig erscheinenden Zeichen? Kann ein Hinrichtungswerkzeug heilig sein? Welche Erklärungen für dieses „Ärgernis“ gibt die moderne Theologie? Wie können wir heute von diesem Kreuz reden? Die Kirche des ehemaligen Klosters zum Heiligen Kreuz birgt neben zahlreichen Bildern zur Kreuzigung einen angeblich echten Splitter vom „heiligen“ Kreuz Jesu. Veranstalter: Pädagogisch-Theologisches Institut der Nordkirche. Leitung: Eva Stattaus, Dr. Maria Pulkenat. Anmeldung bis 9.3.2018 über ti.nordkirche.de/veranstaltungen.

Die Sprache der Romanik verstehen lernen. Fachtag Kirchenpädagogik. Exemplarisch wird über die Stiftskirche in Kaufungen erschlossen, was eine Stiftskirche ist, was Kennzeichen und Grunddaten des romanischen Baustils sind und warum später nicht mehr im selben Stil gebaut wurde? Das Erkunden der Stiftskirche ist verbunden mit dem Erlernen kirchenpädagogischer Ansätze, Zugänge und Methoden kennen; sie werden erprobt und reflektiert. - Termin: Samstag, 20. Januar 2018, 10:00 bis 16:00 Uhr, Mitmachhaus im Museum (Schulstraße 33, Stiftskirche Kaufungen, Zur Schönen Aussicht 2, 34260 Kaufungen). Leitung: Regina Ibanek, Doris Wimmer-Hempfling. Anmeldeschluss: 20.12.2017 (10.01.2018). - Anmeldung: schriftlich an Referat Erwachsenenbildung, Wilhelmshöher Allee 330, 34131 Kassel oder erwachsenenbildung@ekkw.de.

KIRCHEN.SPIEL.RAUM - Impulse der Theaterpädagogik für die Kirchenpädagogik. 9.2.2018, 9:00 - 17:00 Uhr,  Backnang.  Mit theaterpädagogischen Methoden kann man Räume auf eine unübliche Art kennenlernen und Teilnehmern näherbringen. Nebenbei wird auch das Gruppengefühl verändert und gestärkt. Eigenes Spiel lässt Kirchen auf ungewohnte Weise erleben und schafft einen anderen – veränderten Blick. Geeignet für Menschen mit und ohne Theatererfahrung, aber mit Lust zum Ausprobieren! Leitung/Referenten: Nicole Huber, Christoph Schmitt. Anmeldung und Information: Missionarische Dienste der Evangelischen Landeskirche in Württemberg (Grüninger Str. 25, 70599 Stuttgart, Tel. 0711 45804 9414) über info@kirche-raum-paedagogik.de (Infos unter www.kirchenpaedagogik-wuerttemberg.de)

(3) Aufgelesen …

Hartmut Rupp (Hrsg.), Handbuch der Kirchenpädagogik. Band 2: Baustile wahrnehmen - Zielgruppen beachten - Methoden anwenden, Stuttgart: Calwer Verlag 2017. Mit digitalem Zusatzmaterial. 248 Seiten und viele Abb. –ISBN 978-3-7668-4417-0. € 29,95. (Kombi-Paket: Handbuch der Kirchenpädagogik Band 1 und 2 zusammen für 50 €, Ersparnis rd. 10 €). 

Platzbedingt konnte in der Zeitschrift nur eine kurze Besprechung erfolgen, aber der Bedeutung des Buches soll hier eine etwas ausführlichere Würdigung folgen: Der erste Band erschien 2006, nun folgt Band 2, der im Aufbau der einzelnen Kapitel dem vertrauten Schema Wahrnehmen, Erklären, Deuten und Erschließen folgt. Damit setzt R. eine wichtige Herangehensweise der Kirchenerkundung auch in seinem Buch um. Die meisten Beiträge stammen aus der Feder des Herausgebers. Kirchenpädagogik hat seit Bd. 1 an Bedeutung und Aufnahme gewonnen und so gibt „Kirchenpädagogik als kulturgeschichtliches Phänomen“ eine angemessene Skizze dieser Entwicklung der Kirchenpädagogik mit Blick auf die didaktische wie philosophische Grundlage wider. Thesenartig benennt R. daher die neue Herausforderung durch die visuelle Kommunikation bzw. neue Medien (dazu bietet das Buch von M. Beissel und O. Weidermann ein Kapitel „Kirchenpädagogik und Digitalisierung“), die Milieuorientierung und den Nutzungswandel von Kirchen.  In acht Kapiteln umreißt das Handbuch die Baustile von der Antike bis zum modernen Kirchenbau. Gute Aufnahmen und Skizzen unterstützen hilfreich die Lektüre. Besonders die Abschnitte „Erschließen“ öffnen den Lesenden den Blick für eine praktische Vermittlung an bestimmte Zielgruppen. Ein weiterer Kapitelblock skizziert die Besonderheiten evangelischen und katholischen Kirchenbaus. Vorbildlich wird hier das Lernen aus der differenzierten Wahrnehmung angeregt. Es schließen sich an Kapitel über den Einfluss der Liturgie auf die Raumgestaltung und ihre theologische Aussagekraft. Akzentuiert wird das Thema Klang und Raum aufgenommen. Begrüßenswert ist der Blick auf spezielle religiöse Räume wie Kloster, Synagoge, Moschee und Friedhof, denn sie haben den Bereich der Kirchenpädagogik inzwischen erweitert. Drei Kapitel wenden sich dem Thema Kirchenpädagogik und Jugendliche/Schule zu, davon eines mit Blick auf Konfirmanden, das andere auf den Religionsunterricht. Kurze Reflexionen lenken dabei auch den Blick auf unterschiedliche Ansätze, die der psychologischen Entwicklung der Jugendlichen entsprechen und elementare Lebensfragen aufgreifen. Barbara Grom zeigt in ihrem didaktischen Planungsweg für kirchenpädagogische Veranstaltungen auf, was beachtet werden muss. „Geistliche Orte im Kirchenraum“ lenkt den Blick auf bestimmte Stationen im Kirchenraum (Fortführung aus Bd. 1). Das Buch schließt mit einer 11 Seiten Methoden für die verschiedenen Phasen der Erkundung, dem Abbildungsverzeichnis, einem Glossar, Ortregister und Autorenverzeichnis. - Ich habe den neuen Band mit Freude und Interesse durchgelesen. Anregungen und Impulse verspricht der Band, wie man es von einem Handbuch erwarten darf. Es ist erfreulich, dass auch die konfessionelle Sicht zum Tragen kommt, auch wenn ich mir gewünscht hätte, dass bei einigen (wenigen) Passagen die katholischen Spezifika vielleicht von ein/em/er katholischen Fachkollegen/in begleitet worden wären, um Akzentuierungen zu setzen. Nichtsdestotrotz: das Buch gehört zum Standardrepertoire jeder/s Kirchenpädagoginnen.  

 

Anna Boroffka, Die ‚Länge Christi‘ in der Malerei. Codizifierung von Authentizität im intermedialen Diskurs, (Vestigia Bibliae; 35/36), Bern u.a. : Peter Lang 2017. – 466 S., 46 Abb. in SW, 14 Abb. farb. - ISBN 978-3-0343-2130-3. 104,95 €

Anna Boroffka, Mitarbeiterin am Fachbereich Kulturwissen-schaften / Kunstgeschichtliches Seminar der Universität Hamburg legt hier eine wunderbar lesbare wissenschaftliche Publikation vor. Zunächst erscheint das Thema etwas befremdend, wenn vom Bildmotiv der ‚Länge Christi‘ gesprochen wird. Doch die Lektüre erschließt, dass es hier nicht nur um eine eigenartige ikonografische Idee geht, sondern der Ausführung des Themas eine zutiefst theologische Problematik zugrunde liegt: die österliche Leere / Leerstelle des Grabes, die dazu führt, nachzusinnen, wie die erfahrene Leibhaftigkeit des vorösterlichen Jesus Christus nach Ostern die Bedeutung des Auferstandenen unterstreicht. Nach Darstellung des Forschungsstandes, der ihre Arbeit als Desiderat erkennen lässt, führt die Autorin die Lesenden dazu durch die Geschichte des Christusbildes, besonders der Christusbildnisse, die der Tradition nach nicht von Menschenhand entstanden sein sollen (z.B. Kamuliana-Bild, Mandylion, Vera Icon/Veronikabild und die Christusbildnisse der Pilatusporträt-, Lentulusporträt und Lukasikonentradtion). Präzise skizziert die Verfasserin die Traditionen und zugleich gelingt es ihr, die Lesenden nicht in Details zu verlieren. Im dritten Kapitel erschließt sie anhand unterschiedlicher Facetten des Themas, wie der Körper Christi (seine Füße, Abdrücke, Körperspuren) für die Gläubigen eine Bedeutung haben, die bis ins 19. Jahrhundert hineinreicht: Dabei spielt der Bezug zum Grab in Jerusalem eine besondere Bedeutung, da ja die Körpermaße nur indirekt über das leere Grab oder Reliquien erschlossen werden können. Eingebettet sei dieses ‚heilige Vermessen‘ in eine schöpfungstheologische Vorstellung von Maß und Ordnung, die auch mit den Harmonien der Zahlen in Zusammenhang steht; ja, man sehe sogar in der Körpergröße (‚Länge‘) das Wesen eines Menschen ab-lesbar – so manche Traditionen, die nicht nur im Christentum anerkannt sind. Mit dem 4. Kapitel eröffnet Verf.in den Blick auf die Verbreitung der ‚Länge Christi‘ im Westen (über den Osten/Byzanz) wobei sie dies anhand der Betrachtung unterschiedlicher Medien (Stoff, Papier, Leinwand, Stein) illustriert: von transportablen Miniaturmaßen, die man entsprechend vervielfachend zur Länge Christi entfalten konnte über Manuskripte bis hin zu den lebens(‚über‘)großen Gemälden, die sie schließlich nach den mallorquinisch/spanischen und den nordalpinen Darstellungen (z.B. Schwäbisch Gmünd, Krakau, Füssen, Oberwesel; ergänzt um die entsprechenden Körperlängenbilder Mariens) vorstellt und in Vergleich setzt. Dabei wird deutlich, dass manches Bild nicht mehr direkt mit dieser Thematik verbunden ist, weil häufig die notwendigen Beschriftungen nicht vorhanden sind. Das 9. Kapitel greift dann noch auf die Bedeutung der Leichnams Darstellungen Christi im Kontext der Länge Christi zurück (u.a. an Holbeins Darstellung des toten Christus’ im Grabe und an dem Wittenberger Bild bzw. an einem Bild aus Markdorf). Auch dem Santa Sidone (Turiner Grabtuch) erhält eine angemessene Betrachtung. – „Aus Sehnsucht der Gläubigen nach Nähe zum Körper des Erlösers werden die irdischen Spuren Christi gesucht und gefunden, vermessen, transportabel gemacht, aufbewahrt, vervielfältigt und verteilt“ (S. 371) beschreibt die Verf.in den Grund dieser Werke, die über ein Jahrtausend in der Ost- wie in der Westkirche Einzug auch in die kirchliche Kunst genommen haben. Die entstandenen metrischen Reliquien verehren im Maß des irdischen Leibes Christi dessen Wirkkraft, die für die Glaubenden eine körperreliquienartige Aura hat und das ersetzen, was durch das leere Grab nicht da ist und dem Glaubenden die Frage nach dem WO und der potentiellen Beziehungsmöglichkeit aufzwingt. Das „Längenmaß ist kein autonomes Phänomen, sondern Mittel zum Zweck: Seine Funktion ist es, den ‚wahren‘ irdischen Körper Christi [der nach tradierter Weise als Ort des Heiles Gottes in der Welt verstanden wird] zu transportieren“ und als „metrische Reliquie [bleibt sie] dem Geist der Körper- und Kontaktreliquien [Bezugspunkt: das Grab Christi, z.T. auch das Kreuz] verhaftet“ (S. 372). Entscheidend ist, dass sich das „Körpermaß … durch den Verweis auf den Ursprung erst legitimieren [muss], um zum vermeintlichen Transportmittel des irdischen Leibes Christi zu werden“ (S. 372). Diese Darstellungen sind im Sinne eines Verständnisses, dass das Dargestellte wirklich dadurch vertreten werden kann, hoch bedeutsam. Den Band rundet ein Katalog der diskutierten Gemälde und ein Anhang mit Textzeugnissen (bis ins 20. Jahrhdt.) zur ‚Länge Christi‘ ab. Das Literaturverzeichnis und der Bildnachweis helfen bei der weiteren Vertiefung in die Materie. – Das bislang wenig beachtete Thema wird durch das Buch höchst interessant dargestellt und sensibilisiert auch dafür, nach den spirituellen / theologischen Hintergründen zu fragen, wie Menschen nicht nur in der biblischen Reflexion mit einem zentralen Datum des Osterglaubens umgehen: der Leere des Grabes. 

 

Albert Gerhards, Kim de Wildt (Hrsg.), Wandel und Wertschätzung. Synergien für die Zukunft von Kirchenräumen. (=Bild-Raum-Feier. Studien zur Kirche und Kunst; 17), Regensburg : Verlag Schnell&Steiner 2017. 360 S., 57 s/w Illustrationen. – ISBN 978-3-7954-3145-7. – 49,95 €.

Der Sammelband führt die Beiträge eines Kolloquiums aus dem Jahr 2016 zusammen, das die Frage nach einem sachgerechten Umgang mit Sakralräumen angesichts der Debatte um Nutzung und Umnutzung behandelte. Nach einer Einführung durch A. Gerhardts zeigen 6 Beiträge konkrete Erfahrungen auf, wie Kirchenräume über den liturgischen Gebrauch hinaus nutzbar gemacht werden können, wie sie vielfältig genutzt werden und welche Prozesse es dazu braucht. Landeskirchliche wie diözesane Projekt kommen zur Sprache und auch die Perspektive der Dt. Stiftung Denkmalschutz wird befragt. Für den deutschen Kontext sehr aufschlussreich sind die beiden Beiträge zu Nutzungen und Umnutzungen von Kirchen in Italien (Autorenteam) und den Niederlanden (Post), die die Schärfe der Problematik aufzeigen; der Beitrag Paul Posts zeigt mit der Idee der „offenen Sakralität“ aber auch einen gangbaren Weg, der kirchliche wie Interessen der Gesellschaft Rechnung tragen kann.  Drei weitere Beiträge zeigen, dass die Frage der Nutzung von Kirchen eine nicht nur kirchlich-theologische, sondern gesellschaftliche Auseinandersetzung (bes. Architektur, Stadtplanung) betrifft und deren Nutzungsänderung auch im Blick auf den öffentlichen Charakter hin behutsam erfolgen muss. Angewandt wird die Thematik auch auf Erfahrungen von Synagogen (Nutzung nach der Shoah) und Moscheen (Neunutzung profaner Bauten zum religiösen Gebrauch). Für mich besonders interessant waren die Beiträge von Seip, Plum und Bergmann, die aus philosophischer bzw. theologischer Perspektive darüber nachdenken: a) was geschieht durch die Kirchenprofanierung und wie kann dieser Prozess positiv Impulse zum Andersdenken generieren; b) warum muss über den Kirchenraum auch in systematisch-theologischer Weise nachgedacht werden (so wie es der Dogmatiker Alex Stock mit seiner Ästhetischen Dogmatik tat), wodurch auch die Kirchengebäude mit ihrer Materialität zu Sprach-Formen für die Vokabel Gott beitragen. Schließlich wird der Kirchenort als sakraler Ort als ein kritisch fungierender Ort bedacht (c).  Dabei geht es darum, an die Leiden vorheriger Generationen zu erinnern, eine christliche Kontrastgesellschaft wie zur Einheit der Gesellschaft aufzurufen, ökologischer Ort einer kosmischen Beheimatung zu sein und ein Ort emphatischer Praxis zu werden für, mit und bei dem Fremden. S. Bergmann zeigt diese Dimensionen an konkreten Beispielen auf. Der Band schließt mit drei Aufsätzen zu Zukunftsperspektiven: J. Stückelberger plädiert dafür, dass die Kirchen als Teil der Sakraltopographie von Städten sich als öffentlich wahrnehmbar auch mit ihren Gebäuden als öffentlichen Orten verantworten (auch durch nichtkirchliche Mitnutzung, als Orte interreligiösen Dialogs, durch diakonische Nutzung). N. Stockhoff und St. Wahle reflektieren aus liturgiewissenschaftlicher Sicht den Stellenwert von Sakralräumen in einer ausdifferenzieren Moderne. Diese entdeckt in den Kirchen Orte des Rückzuges und Stille – was aber für die Autoren die Frage nach der angemessenen Gestaltung des Kirchenraums und der darin gefeierten Liturgie aufwirft. Kim de Wildt beschließt den Band mit dem Beitrag „Raum für Religion“, und zeigt, wie sich die religiöse Pluralität der Gesellschaft widerspiegelt in religionspädagogischen Perspektiven auf den Religionsunterricht und in einer Typologie unterschiedlicher Sakralräume (Räume der Stille als Beispiele für mono-, multi-, interreligiös, interkonfessionell und Freiraum). Sie weist keinem Modell allein eine Zukunft zu, sondern sieht eine Zukunftsfähigkeit darin, dass sie Teil eines gesellschaftlichen Verhandlungsprozesses sind. – Warum empfehle ich dieses Buch im kirchenpädagogischen Kontext? Weil ich vom Selbstverständnis der Kirchenpädagogik her sehe, dass sie im Prozess des Suchens nach (neuen) Nutzungen der Kirchenräume Sinne und Sinn für die Kirchenräume erschließen kann. Aus dieser Sicht nimmt Kirchenpädagogik an der Verantwortung vor der Zukunft der Kirchenbauten und ihrer Bedeutung teil.

 

Heribert Blum, Gottes Dienst an uns. Eine Einführung in die Liturgie. Stuttgart : Kohlhammer 2017. 209 S. – ISBN 978-3-17-033359-8. – 22 €.

Kirchenpädagogische Vermittlung des Kirchenraums schließt selbstverständlich auch ein, über den Gegenstand der Feier des Gottesdienstes Wissen zu vermitteln. Heribert Blum ist kein akademischer Theologe, sondern hat sich aus langjähriger Erfahrung in ehrenamtlichen liturgischen Diensten bei katholischen Gottesdiensten ein Wissen angeeignet, das er in diesem Buch anderen mitteilt. Es ist ein Sachbuch, das seinem Anspruch, in wesentliche katholische Liturgieformen einzuführen (Grundverständnis, Eucharistie, Wort-Gottes-Feier, Tagzeitliturgie und Andachtsformen) wirklich gerecht wird und dabei den Charme hat, dass er die Dinge so formuliert, wie sie ein Laie zu verstehen vermag, ohne dass es zu holzschnittartig würde. Und dabei hat der Verfasser auch den Blick auf solche Fragen, die bekanntermaßen immer wieder bei Kirchenerkundungen zur Liturgie gestellt werden. Selbst an ein so heikles Thema wie das der Realpräsenz wagt er sich heran und hilft Menschen ohne Fachstudium, die Sache verständlicher zu machen. Am ausführlichsten ist der Teil zur Eucharistiefeier, der auch den Kirchenraum und seine Nutzung am stärksten geprägt hat. Einen Akzent setzt er auch mit einer Ausarbeitung zum Triduum (Gründonnerstag, Karfreitag, Ostern). Das Buch weiß sich der Sache der katholischen Liturgie verpflichtet und es trägt auch einen sehr persönlichen Charakter in manchen Kommentierungen, die sich ein Fachwissenschaftler beim Schreiben vielleicht verkneifen oder differenzierter darstellen würde. Aber auch das darf seinen Platz haben, weil spürbar wird, dass hier ein Mensch sich für eine Liturgie engagiert hat und andere mehr als nur informieren will. Insgesamt habe ich das Buch, das entschieden die Liturgie des Vatikanischen Konzils vertritt, mit viel Lust gelesen und empfehle es gerne meinen Teilnehmer_innen in den Liturgiekursen.