Der Newsletter des Bundesverbandes Kirchenpädagogik e.V. wird an Mitglieder des Bundesverbandes Kirchenpädagogik e.V. per eMail verschickt.
Kirchenpädagogik aktuell
Infobrief
September 2017

Sehr geehrte Damen und Herrn, 
Liebe Mitglieder des Bundesverbandes,

eine theologische Dissertation (s. Besprechungen) lag in den Ferienwochen auf dem Lektürestapel und darin fand ich folgendes bemerkenswertes Zitat: „Immer aber ist das Kirchengebäude eine öffentlich wahrnehmbare, räumlich-architektonisch artikulierte Aufforderung an jeden Einzelnen, sich selbst innerhalb des eigenen Lebenskontextes zu positionieren und im Ineinander von sinnlicher, emotionaler und geistig-reflexiver Verfasstheit den eigenen Standpunkt in der Gegenwart jeweils neu zu suchen, zu finden und zu markieren“ (Schindehütte, S. 155). Ein Satz, der unserer Aufgabe als Kirchenpädagoginnen und -pädagogen Impulse geben kann, Besuchern unserer Kirchenräume dabei zu helfen.

Mit freundlichen Grüßen verbleibe ich Ihr Christoph Schmitt    Redaktionsschluss für Mitteilungen und Informationen der nächsten Ausgabe (bitte notieren und gegebenenfalls Informationen an mich senden): Donnerstag, 26.10.2017 (erscheint im November 2017)

(1)       Ein Blick durchs Land …

·         Zeig mir was Du glaubst. Religiöse Vielfalt in Charlottenburg und Wilmersdorf heißt eine Ausstellung in der Villa Oppenheim Berlin (20. Mai - 5. November 2017). In Charlottenburg-Wilmersdorf bestehen heute mehr als 70 Gemeinden und Glaubensgemeinschaften mit Menschen aus über 100 Ländern mit verschiedenen kulturellen und religiösen Wurzeln. Die Vielfalt der Glaubensrichtungen und deren Sakralbauten prägen das Bild, vom expressionistischen Backsteinbau über die älteste erhaltene Moschee Deutschlands bis hin zu buddhistischen Zentren. Sie sind Gegenstand der Ausstellung.

·         Die Ausstellung „Die Zisterzienser. Das Europa der Klöster“ ist zu Gast im LVR Landesmuseum Bonn (Juni 2017 bis 28. Januar 2018). 650 Klöster haben Zisterzienser in 150 Jahren im Rheinland, in der Eifel und im Westerwald errichtet, darunter 5 Abteien, die zu den frühesten Gründungen außerhalb Frankreichs gehören. Die Ausstellung erzählt mit Exponaten aus ganz Europa die Erfolgsgeschichte. www.landesmuseum-bonn.lvr.de

·         Von Luther, Kolumbus und den Folgen. Welt im Wandel 1500–1600 erzählt im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg (13. Juli – 12. November 2017) eine Ausstellung. Die Ideen und Entdeckungen von Martin Luther (1483-1546), Christoph Kolumbus (um 1451-1506) und Nikolaus Kopernikus (1473-1543) haben die bis dahin bekannte Welt zu Beginn des 16. Jahrhunderts durcheinandergebracht. Die „Entdeckung“ eines neuen Erdteils, die Reformation der Kirche und die Vorstellung eines heliozentrischen Weltbilds stellten grundlegende Vorstellungen in Frage. Die Exponate veranschaulichen das dramatische Nebeneinander von Aufbruchstimmung und Endzeitangst, von Wissensdurst und Neugier-Verbot.

·         www.museum-der-1000-orte.de: Das „Museum der 1000 Orte“ präsentiert Kunst am Bau, die in den letzten 70 Jahren für Bauten des Bundes in Deutschland und auf deutschen Auslandsliegenschaften geschaffen wurde. Auch baubezogene Kunst der DDR ist vertreten, sofern sie für ehemals wichtige staatliche Institutionen entstanden ist oder für Bauten, die heute von Bundesinstitutionen genutzt werden. Die Onlinepräsentation „Museum der 1000 Orte“ ist ein Projekt des Bundesbauministeriums und des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung im Rahmen der Forschungsinitiative Zukunft Bau.

·         Unter dem Motto „Ich zeig’ dir meine Kirche“ steht der Kurhessische Medienpreis 2018. Zur Teilnahme aufgerufen seien bereits bestehende Gemeindegruppen oder noch zu bildende Projektgruppen. Deren Aufgabe ist es, die Besonderheiten des jeweiligen Kirchenraumes in einem kurzen Videoclip vorzustellen. Ende November 2017 und Ende Januar 2018 wird ein dreitägiger Workshop zur Filmproduktion angeboten. Einsendeschluss für den zwei- bis dreiminütigen Videoclip, der zusammen mit fünf aussagekräftigen Fotos eingereicht werden soll, ist der 1. Juli 2018. www.kirchen-paedagogik.de

·         St. Viktor in Schwerte und seine Kunstwerke. 6. Kolloquium der Reihe „ars ecclesia: Kunst vor Ort“ (23.09.2017). St. Viktor in Schwerte bewahrt eine beachtliche Anzahl von qualitätvollen Kunstwerken. Die Kirche im späten Mittelalter für den katholischen Gebrauch geschaffen und seit der Reformation in evangelischer Nutzung beherbergt vor- wie nachreformatorische Ausstattungsstücke. Das Kolloquium will exemplarische Werke in ihrem Nutzungszusammenhang verstehen und neue Erkenntnisse zur Diskussion stellen.

(2)       Mitgeteilt …

·         Zur Abschlussveranstaltung des Projektes findet am Sonntag, 17. September 2017 in Berlin eine Veranstaltung statt, in der die Ergebnisse des EU-Projekts (Programm Erasmus+) „Sakralräume als Europäische Erinnerungsorte“ vorgestellt werden und die Projektleiter das Fachgespräch mit Interessierten suchen. Ziel des Projekts war die Entwicklung von Bildungsressourcen, die z.B. bei der Ausbildung von Kirchenführern/innen eingesetzt bzw. im Rahmen der Kirchenpädagogik eingesetzt werden können. Im Rahmen der Veranstaltung können Interessierte die im Projekt entwickelten Lernmaterialien kennen lernen und Impulse für andere Bereiche der Bildungsarbeit gewinnen. Projektmitglieder schildern ihre konkreten Erfahrungen mit dem Potential des EU-Projekts und möchten dazu beitragen, weitere Projekte anzugehen. U.a wird als ein Ergebnis des Projekts das Thema „Kirche / Kirchenbau und Nationalsozialismus“ vorgestellt. Tagungsort ist die Martin-Luther-Gedächtniskirche in Berlin-Mariendorf, Beginn voraussichtlich gegen 11 Uhr (bitte bei Interesse unter der Mailadresse nachfragen), Ende gegen 16 Uhr. Eine formlose Anmeldung per E-Mail obak@gmx.de ist erforderlich (unter dieser Adresse gibt es auch weitere Informationen).

·         Kirchenraum evangelisch – katholisch. Drei Kirchen stehen im Fokus der Erkundung: die evangelische Martinskirche, die evangelische Christuskirche und die katholische St. Josephs-Kirche – alles Kirchen in Sindelfingen. Sie zu erleben, die konfessionellen Prägungen und das Gemeinsame wahrzunehmen, dazu laden am 30.09.2017 Eberhard Alber (Kirchenführer), Susanne Easterbrook (Kirchenführerin) und Petra Waschner M.A., Referentin der Evangelischen Erwachsenenbildung im Kirchenbezirk Böblingen ein. Die Erkundungen sind je auf eine Stunde angelegt (11:30 Uhr Martinskirche und St. Joseph, Stiftstraße; 14 Uhr St. Joseph und Christuskirche, Liebenzeller Str. 44; 15:30 Christuskirche und St. Joseph, Vordere Halde 21).

·         Es war einmal … Geschichten erzählen in Kirchen. Unter Anleitung der Rhetoriktrainerin Marit Fiedler kommen Teilnehmer/innen am 7.10.2017 (9:30 bis 17 Uhr) ins Erzählen über die Kirche von Kölzow, die voller Geschichten steckt, seien es die Fabelwesen am mittelalterlichen Gewölbe mit Prinzessin und Rittern oder aus alten Zeugnissen des Pfarrarchivs. Der Workshop regt an, Gäste die eigene Kirche durch spannende Erzählung näher zu bringen. Veranstalter ist der Bereich Erwachsenenbildung im Zentrum Kirchlicher Dienste, Leitung Dr. Maria Pulkenat; Anmeldung und Information: verwaltung-zentrum@elkm.de oder 0381-7798752.

·         „Ein feste Burg ist unser Gott -  Kirchenbau seit der Reformation“ ist der Studienabend für Kirchenführer und Interessierte tituliert, der am 10.11.2017 (16:30 bis 21 Uhr) im Bistumshaus St. Otto (Bamberg) stattfindet. Das Ringen um die Glaubensinhalte der Reformation nahm auch auf den Kirchenbau Einfluss. Die Reformation stellte die überlieferten Traditionen in Frage. Wenn auch die äußere Bauform der ersten protestantischen Kirchen vertraut blieb, zeigte die Innenausstattung und die liturgische Ausrichtung des Raums fortan deutliche Unterschiede. Referenten sind Dr. phil. Meinrad von Engelberg (Akademischer Rat am Fachbereich Architektur der TU Darmstadt) zu „Katholischer Kirchenbau seit der Reformation“ und Prof. Dr. Klaus Raschzok (Lehrstuhl für praktische Theologie, Augustana-Hochschule, Neuendettelsau) zu „Evangelischer Kirchenbau von der Reformation bis heute“. Die genaue Ausschreibung unter www.keb-erzbistum-bamberg.de.

·         Studienfahrt „Augsburg – auf den Spuren Martin Luthers und der Reformation“ (18.11.2017, 7:30 – 21 Uhr). Referenten Dr. Hans-Joachim Ignatzi, Abteilungsleiter Liturgische Bildung, Christian Kainbauer-Wütig, Abteilungsleiter Erwachsenenbildung. Anmeldung und Information: erwachsenenbildung@erzbistum-bamberg.de, www.keb-erzbistum-bamberg.de.

·         Kirchen erzählen vom Glauben. Ausbildung zur/zum Kirchenführerin / Kirchenführer: Das Evangelische Erwachsenenbildungswerk Rheinland-Süd bietet einen Zertifikatskurs für die Ausbildung zur Kirchenführung an. Der Kurs beginnt mit einem „Schnuppertag“ am 18.11.2017, die weiteren Ausbildungstage finden jeweils samstags von 10 bis 17 Uhr an wechselnden Orten in der Region Nahe/Hunsrück sowie an einem Wochenende in Trier statt. Der Kurs umfasst 120 Unterrichtsstunden und endet im Januar 2019. Für die Teilnahme wird ein Beitrag erhoben (bitte erfragen). - Ausführliche Informationen zu den Kursinhalten, Terminen und Orten erteilt Christa Joppien M. A., Bildungsreferentin im Ev. Erwachsenenbildungswerk Rheinland-Süd e. V., Herzog-Reichard-Straße 30, 55469 Simmern, 06761 / 970341, Email: cjoppien@eeb-sued.de.

·         Öffentlichkeitsarbeit für meine Kirche: Geöffnete Kirchentüre, Führungen, Mittagsgebete, Kirchenmusik und viele andere Aktivitäten rund um die Kirche suchen ihre Besucher/innen und Teilnehmer/innen. Die Ideenwerkstatt am 21.11.2017 (13 bis 18:30 Uhr) wird konkret am Beispiel der Bützower Stiftskirche (Gemeindehaus Bützow, Kirchenstraße 4) Zugänge und Ideenreichtum der Öffentlichkeitsarbeit vermitteln. Veranstalter ist Erwachsenenbildung und Gemeindedienst im Zentrum Kirchlicher Dienste, die Leitung haben Kersten J. Koepcke, Dr. Maria Pulkenat. Ein Teilnahmebeitrag wird erhoben. Anmeldung und Information: verwaltung-zentrum@elkm.de  0381-7798752.

·         Kirchenführerausbildung - Basiskurs 2018: Die ökumenische Kirchenführerausbildung in Württemberg bietet einen neuen Basiskurs an. Dieser findet vom 18. bis 21.02.2018 im Stift Urach (Teil 1) und vom 30.09. bis 03.10.2018 in Ellwangen (Teil 2) statt. Der Basiskurs findet in zwei Teilen statt, die jedoch nur gemeinsam >>gebucht werden können. Anmeldeschluss: 19.12.2017. Es wird ein Teilnehmerbeitrag erhoben (Informationen bei Michaela Krapf, 0711 45804 9414, michaela.krapf@elk-wue.de). Weiterführende Aufbaumodule des modularen Kurses können schon jetzt gebucht werden unter: www.missionarische-dienste.de/veranstaltungen/.

(3)       Aufgelesen …

Die Zisterzienser. Konzeptionen klösterlichen Lebens, hrsg. durch Staatl. Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Regensburg : Schnell&Steiner 2016. - 142 farb. Illustrationen. 328 S. - ISBN: 978-3-7954-3194-5. (Link zum Inhaltsverzeichnis) – 24,95 €.

Das Buch ist die Zusammenfassung einer Tagung im einstigen Zisterzienserkloster Schöntal im Jahr 2013 und versammelt Beiträge von 18 internationalen Forschern und Forscherinnen verschiedenster Disziplinen (Kirchengeschichte, Geschichtswissenschaft, Kunst- und Musikwissenschaft, Wirtschafts- und Literaturwissenschaft). Auch wenn es eine gewisse Akzentuierung auf die baden-württembergischen Klosterstandorte gibt, so bieten die Beiträge auch Einblicke in generelle Themen des ordo cisterciensis und Ausblicke etwa nach Chorin und Lehnin. Aus den Beiträgen seien nur einige dem Rez. aufgefallenen Perspektiven genannt: So führt Georg Kalckert hin zu einem Grundbaustein der Zisterzienser, nämlich der Idee der Einheit und Ganzheit, die alles Tun und Denken bestimmen sollte und ihren Grund in der Menschwerdung Gottes findet. Diese Idee sollte das Kloster wie auch die Gesellschaft bestimmen und brauchte als ultimatives Tätigkeitsprinzip die Liebe. – Wolfgang Buchmüller OCist geht auch der Frage nach dem wahren Glück nach, das in mystischer Weise durch Gottes- und Nächstenliebe gefunden wird; die Spiritualität der Zisterzienser sei aber nicht abgehoben, sondern im (harten) klösterlichen Leben verankert, das sich an der Erlösungstat Christi orientiert. Klosterleben solle die Grunderfahrung des unverdienten Beschenktseins fördern. – Ein auf der mittelalterlichen Herzensmystik fußendes Gemälde als Ausdruck von Tugend interpretiert Elisabeth Krebs. – Bibliotheken gehören zu Klöstern, aber wie waren zisterziensische Bibliotheken geprägt? Dem geht Joachim Werz in der Analyse der Schöntale Abteibibliothek nach, die in der Säkularisierung ins Tübinger Wilhelmstift kam und eine deutliche konfessionelle Prägung aufzeigt. Weitere Beiträge blicken historisch auf das Schöntaler Kloster am Ende des 30jährigen Krieges F. Kleinhagenbrock) bzw. nach Maulbronn und die Folgen des Restitutionsediktes für ein reformiertes Kloster (M. Ehlers), sodann untersucht B. Greiner die klösterlichen Jurisdiktionsrechte Schöntals zwischen den Ansprüchen Mainz und Würzburgs. Musikgeschichtlich eröffnet J. Mayr einen Blick in die barocke Orgelgeschichte süddeutscher Zisterzen und St. Morent analysiert Fragmente liturgischer Traditionen. P. Alkuin Schachenmayr OCist lenkt den Blick auf die eigentümliche Situation von Wallfahrtsorten an Zisterzienserkirchen und ihre Umstände. Mit besonderem Interesse hat Rez. dann die kunstgeschichtlichen Beiträge über die barocke Ausgestaltung von Zisterzienserabteien gelesen, die dem idealen Ansatz der Nüchternheit scheinbar widersprechen und dann doch wiederum Wege gefunden hat, sie in der Bewahrung der mittelalterlichen Strukturen nicht zu vergessen (bes. am Beispiel von Kloster Ebrach). P. Bruni N. Hannöver OCist gibt schließlich Einblick in die Spiritualität der Zisterzienser, die sich in Lebens- und Baustil widerspiegelt und durch Christus- wie Marienmystik eigene Prägungen haben – knapp, aber gehaltvoll und inspirierend! Eine Konkretion dieser Spiritualität in der Gestaltung des Kirchenraums als Ort des Oratoriums und des Sanktuariums und des beidseitigen Verhältnisses zeichnet M. Thome – für mich ein Muss, um in der geschichtlichen Entwicklung zisterziensischen Kirchenbauten ein wichtiges Grundprinzip des liturgischen Tuns verfolgen zu können. – P. Justinus C. Pech OCist macht auf ein interessantes Merkmal aus der Benediktsregel aufmerksam, nämlich Klosterprodukte günstiger zu veräußern – und fragt nach der ökonomischen Bewertung dieser Regel bzw. nach den Folgen einer Umsetzung: Spiritualität, die hart an der Realität sein muss.

An den Beispielen Lehnin und Chorin wird von J. Rüffer die Entwicklung des Denkmalschutzes im 19. Jahrhundert skizziert – ein Beitrag, der auch für heutige Zeiten immer noch politische Impulse hat. - Der von Joachim Werz hervorragend redigierte und mit sehr guten Abbildungen versehene Band ist gerade für Kirchenpädagogen empfehlenswert, die sich der Aufgabe stellen, ein früheres (Zisterzienser)-Kloster als Raum der Erschließung von Kultur, Spiritualität und Leben von Mönchen den Menschen nahe zu bringen. Es zeigt den Perspektivenreichtum auf, den solche Orte eines besonders geprägten Christentums haben.

Katrin Schindehütte, Der Kirchenraum als Topos der Dogmatik, (=Dogmatik der Moderne; 19), Tübingen : Mohr Siebeck 2017. – 208 S. – ISBN 978-3-16-154958-8. – 64 €.

Wer bei der Bundesverbandstagung vor fünf Jahren in Magdeburg den Vortrag von Pfarrer Tobias Woydack zum Thema Räumlichkeit Gottes gehört und miterlebt hat, der kommt von der Thematik ‚Raum‘ nicht mehr los. Für die Kirchenpädagogik gehört es zum festen Bestandteil, den Raum zu erfahren und diese Erfahrung zu bedenken. Nun hat Katrin Schindehütte, Pfarrerin an der Markus-Kirche in Marburg-Marbach und Mitglied im der Theologischen Kammer der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, ihre vom Fachbereich Evangelische Theologie der Philipps-Universität Marburg angenommene Dissertation vorgelegt: eine Arbeit in der systematischen Theologie, die bestimmt wird durch die Frage: was sucht der Mensch im Kirchenraum? Die Verfasserin hebt selbst hervor, eine dezidiert protestantisch ausgerichtete Ausarbeitung des Themas vorgelegt zu haben, da sie ja um die unterschiedlichen Wertungen des Kirchenraums im Protestantismus weiß: zwischenvölliger Bedeutungslosigkeit, der Zurechnung zu den Adiaphora im lutherischen Sinn und einer Neuentdeckung bei einzelnen evangelischen Theologen, die auch den Begriff des Sakralraumes nicht scheuen. Angesichts einer durch Umnutzungen und potentiellen Abrissen bedrohten Kirchenbausituation geht sie der Grundfrage nach, was der Kirchenraum/-bau an theologischen Grundfragen beantworten kann. In guter Tradition geht sie von der Wahrnehmung des Gebäudes und des Raumes über die biblische Sichtweise auf den sakralen Raum zur reformatorischen Perspektive über. Dor behandelt sie Luthers vielzitierte Äußerung aus der Kirchenpostille 1522 und aus der Predigt zur Einweihung der Torgauer Schlosskapelle von 1544 auf und befragt, ob die Wirkungsgeschichte der Sätze die rhetorisch-kunstvolle Weise ihrer Formulierung immer ganz nachvollzogen hat; Schindehütte sieht darin nämlich einen Impuls über das nachzudenken, was als selbstverständlich erscheint. Da ihre Arbeit den Anspruch an sich stellt, die Frage, was Menschen im Kirchenraum suchen, für heute zu beantworten, nimmt sie Klaus Raschzoks Spurenmodell, Horst Schwebels These von der theologischen Irrelevanz des Raumes und Patrick Fries Deutung des Kirchenraumes als Heterotopos in den Blick. Angesichts dieser divergierenden Positionen führt sie den Leser zur Frage, wie „es gelingen [kann], die mit Luther angezeigte Hinwendung zum Raum jenseits der Kirche als kritische Anfrage an den Kirchenraum heute“ zu stellen, wobei sie die vermehrten geöffneten Kirchen und vielleicht auch die kirchenpädagogischen Aktivitäten im protestantischen Kontext im Hintergrund sieht.             Schindehütte sieht für ihre systematische Arbeit die Notwendigkeit, auf die Betrachtung des Raumes als solchen zurück zu greifen, um verstehen zu können, was das Räumliche des Kirchenraumes für theologische Aussagen an Relevanz hat. Das zweite Kapitel ist daher nicht theologisch, sondern an der philosophischen Raumdiskussion orientiert. Ausgehend von Platon und Aristoteles und dann in der Neuzeit weiterführend mit Descartes, Newton, Leibniz zu Kant und schließlich Einstein zeigt sie die Entwicklung auf, die die Raumvorstellungen der Menschen bestimmt haben. Dabei ist für sie wichtig, dass zwar in dieser Entwicklung der Raumbegriff letztlich stärker von seiner Relationalität und seinem Subjekt her gedacht wird, dabei aber nie die Bedeutung des absoluten Raumes in seiner Beziehung auf den relativen Raum verloren ging. Dies macht es ihr möglich, eine eigene Raumdefinition zu beschreiben, die für das Verständnis des Kirchenraumes gebraucht wird: sie nennt den Raum eine Positionierungsaufgabe. Unter anderem bedeutet das, dass sich darin der Mensch von seiner sinnlichen, emotionalen und reflexiven Verfasstheit her verorte; dass sich mit dem Raum der Mensch als Individuum aktiv konstituiert und dass der Raum den Menschen über den Menschen hinausweist; des Weiteren erlebt sich der Mensch im Raum als Positionierter und gewinnt in diesem Zuge einen Grad an Gewissheit. Ihre These vom Positionierenden Raum diskutiert sie im Vergleich mit Ulrich Barths Beobachtung, dass Religion und ästhetische Erfahrungen große Bezüge untereinander haben: genannt werden hier der Sinnerfüllungscharakter, der Unterbrechungscharakter, der Widerfahrnischarakter und der Transzendierungscharakter in der Ästhetik, die aber Kennzeichen einer religiösen Dimension sind und in der Religion potenziert auftreten.

Schindehütte kann daraus folgern, dass „ein umfassendes Verständnis des Raumes sich sowohl durch eine explizit ästhetische Seite als auch durch genuin religiöse Züge auszeichnet. Wer vom Raum redet, spricht damit zugleich von Ästhetik und von Religion“ (s. S. 139). Das vierte Kapitel wendet schließlich die These vom Positionierenden Raum auf den Kirchenraum. „Am Phänomen des Raumes zeichnet sich … eine allgemein-anthropologische Verortungsaufgabe ab, die sich nicht auf bestimmte Konkrete Räume begrenzen lässt und die zugleich immer in Relation zur religiösen Dimension des Raumes verstanden werden will. Der Kirchenraum unterscheidet sich in dieser dualen Grundkonzeption, die auch die seinige ist, also generell nicht von anderen konkreten Räumen, worin sich u.a. der protestantische Ansatz der vorliegenden Untersuchung widerspiegelt“ (S. 141). Für das Kirchengebäude heißt das u.a., dass es als „öffentliches Zeichen der Transzendenz … Zeugnis ab[legt] über das ‚Dass‘ unserer Positioniertheit vor Gott. … es spricht – als verdichtetes Symbol des menschlich-räumlichen Konstituierungsprozesses – das Individuum auf seiner eigenen Ebene räumlicher Existenz direkt an: sei als Zusage oder als Zumutung“ (S. 148). „Dass es unsere Kirchengebäude gibt, ist vor dem erläuterten Hintergrund des Modells vom ‚Positionierenden Raum‘ also nicht nur ein öffentliches Symbol der Transzendenz, sondern ebenso ein innertheologischer Ort, wo Gott dem Menschen tatsächlich – wie auch immer – begegnen könnte“ (S. 155). Schließlich wendet sie ihren Ansatz auch auf die Prinzipalstücke des evangelischen Kirchenraumes überzeugend, wo sie besonders im Gottesdienst die Positionierungsaufgabe des Menschen inspirieren und Symbole erfahrbarer menschlicher Positioniertheit vor Gott konstatieren.

In einem gut konzipierten Kirchenraum sieht die Verfasserin für das Individuum die Möglichkeit, sich „mit seinem je unverwechselbaren Lebenskontext und all dessen Facetten, mit seinen ganz eigenen Polaritäten und Ambivalenzen und den damit eng verknüpften Bewegungen“ (S. 180) einzutragen – „als ein Dasein zwischen Suche und Orientierung, Freiheit und Zwang, Liebe und Hass, Leistung und Entlastung, Freud und Leid, Schuld und Vergebung, Ungewissheit und Gewissheit“ (S. 180), d.h. dieser Raum kann der komplexen Standortbestimmung eines Lebens dienen. Als religiös geprägter Ort bietet er dies verdichtet an.

Für mich ist das Buch ein wichtiger, theologisch fundierter Beitrag, die Frage nach dem Raum und warum Menschen in den Kirchenraum gehen zu stellen und dabei nicht nur die relevanten säkularen Perspektiven aufzunehmen und zu reflektieren, sondern auch theologisch begründbar das zu betreiben, was Kirchenpädagogik will – gewiss wird dabei diese Perspektive des Buches manchen methodischen Schritt dann nochmals selbstkritischer anschauen, bevor man ihn anwendet.

Kirchenpädagogik aktuell - Newsletter des Bundesverbandes Kirchenpädagogik e.V.
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