Kirchenpädagogik aktuell Infobrief Mai 2019

Redaktionsschluss für Mitteilungen und Informationen der nächsten Ausgabe (bitte notieren und gegebenenfalls Informationen an mich senden): Samstag 15.06.2019 (erscheint Juli 2019)
 
(1)    Ein Blick durchs Land …


AKTUELL - Zukunftswerkstatt Kirchenpädagogik: Zur Zukunftswerkstatt - im letzten Infobrief angekündigt - trafen sich am 9. Mai 2019 in Hannover 17 Verbandsmitglieder und auch Bischof Ralf Meister als Schirmherr war dabei. Heinz Behrends moderierte den Tag, der unter der Fragestellung stand „Wie sieht die Arbeit des Bundesverbandes Kirchenpädagogik im Jahr 2030 aus?“. Die Teilnehmenden konnten ihre Erwartungen und Ideen reich entwickeln. Ein Rückblick zeigte, dass sich die Struktur des Verbandes in den zurückliegenden gut 20 Jahren schon sehr verändert und auf die Herausforderungen angepasst hat. Und das erwarten sie auch für die Zukunft! Neue Bedürfnisse auf Seiten der Kirchenbesucher entstehen durch eine geringere kirchliche Bindung und eine veränderte religiöse Bildung. Das stellt neue Anforderungen an die Ausbildung und die Professionalisierung der Arbeit und wird die Inhalte unserer Angebote verändern. In Arbeitsgruppen dachten die Teilnehmenden nach über die erforderliche Verbandsstruktur, über das Verhältnis zwischen ehrenamtlichen und hauptberuflichen Mitgliedern und schließlich auch, welche neuen und bestehende Inhalte gefragt sein werden. Die Ergebnisse werden ausführlich in der nächsten Zeitschrift dargestellt werden, finden aber auch schon in Berlin einen ersten Widerhall.

LAST CALL for Papers: Liebe Mitglieder, die Zeitschrift veröffentlicht gerne Praxisbeispiele, mit denen Sie Menschen für den Kirchenraum und seine Inhalte begeistern konnten. Ein Schwerpunkt der kommenden Zeitschrift ist das Thema Kreuz – und wenn Sie etwas haben: schreiben Sie uns einen kurzen Beitrag. Danke. Zusendungen an: germes-dohmen@bvkirchenpaedagogik.de. 

Kirchentag in Dortmund mit Präsenz des Bundesverbandes: Dank einer Anzahl von Frauen und Männern des Bundesverbandes kann Wolfgang Schneider nun ganz beruhigt an die weitere Planung des Standes des Bundesverbandes gehen. Der Stand auf Kirchen- und Katholikentagen ist immer eine wichtige öffentlichkeitswirksame Aktion. Und deshalb braucht es immer zwei oder besser drei Engagierte, die einige Zeit da sind und zwischen 10:30 und 18:30 Uhr das Gespräch suchen und über die Kirchenpädagogik informieren. Und wer zwischen dem 20. und 22. Juni auf dem Kirchentag ist, der darf natürlich gerne vorbeischauen und zwar: Markt der Möglichkeiten in den Dortmunder Westfalenhallen, Halle 7 mit der Standnummer L16 (direkt neben dem Übergang zur Halle 4). Auch wenn man/frau sich nicht eingetragen hat aber da ist, dann sind die KirchenpädagogInnen gerne eingeladen, selbst mit anderen ins Gespräch zu kommen. Neben dem Standangebot finden sich auch zwei Workshops: Do 20.06., 16:00–17:30 „Kirchen erzählen vom Glauben. Wir lernen, sie zu verstehen“ mit Elke Sunder in der Melanchthon-Kirche (Melanchthonstr. 6) und Fr 21.06., 11:00–12:30 der Workshop „Steine, Glas und Beton erzählen - Familien entdecken die Kirche“ mit Heinz-Willi Kehren und Wolfgang Schneider (ebenfalls in der Melanchthon-Kirche).

(2)    Mitgeteilt …

4 Tage Kirchenpädagogik im pastoralen Handlungsfeld: Sakralästhetik und die Kommunikation des (Kirchen-)Raumes. Die Fortbildung des Instituts für Fort- und Weiterbildung in Kooperation mit dem Bundesverband findet im barocken Kloster Obermarchtal, heute Zentrum der kirchlichen Lehrerfortbildung an der Schwäbischen Barockstraße, statt. Inge Hansen (Hamburg) und Holger Dörnemann (Limburg) werden mit Christoph Schmitt an diesen Tagen Themen der Kirchenpädagogik aufgreifen und in der Praxis umsetzen: Sakral-ästhetische Erfahrung des Kirchenraums erlebbar und vermittelbar machen. Raumatmosphären als Bedeutungsträger und Vermittlungsmedien in der Glaubenskommunikation entdecken. Bau-, Kunstgeschichte, Ikonografie in der pastoralen Erschließung des Kirchenraums einsetzen. Die Botschaft(en) des Kirchenraums als Potentiale und Schwellen für die Glaubenskommunikation entdecken. Verbunden ist damit eine Werkstatt zur Entwicklung eines Entwurfs einer eigenen zielgruppenspezifischen Kirchenerkundung. Da es ein Pilotprojekt ist, haben Teilnehmende nur Tagungskosten (einschl. Übernachtung mit oberschwäbischer Vollpension) von 100 € zahlen. Eine Anmeldung ist noch bis Ende Mai möglich unter: institut-fwb.de/kursdetail/kurs/kirchenpaedagogik-im-pastoralen-handlungsfeld-752.

Maria von Fransecky berichtet von einem Projekt mit einer Berliner Schule, der Architektin Ariane Flucke und der Religionslehrerin H. Brandt in der kleinsten Dorfkirche Berlins in Alt-Schmargendorf. Das Schulprojekt an der Carl-Orff-Schule wurde gefördert durch das Förderprogramm „denkmal.grundschule“ der Berliner Senatsverwaltung. Historische Ortspläne und Fotos machten den Vergleich mit Früher sichtbar, das Baumaterial Feldstein durfte ebenso entdeckt werden die der Kirchenumfang ermessen wurde. Die Architektin leitete die Skizzierung ausgewählter Objekte mit professionellem Zeichenmaterial an. Und schließlich galt es noch das Lichtwunder der farbigen Glasfenster zu erstaunen. Die Projektwoche vermittelte den SchülerInnen Wissen über christliche Zeichen, Symbole, Farbe und Licht und ebenso über die Sakramente Taufe und Abendmahl. Muslimische Schüler erzählten über ihre Religion, nichtgläubige Schüler konnten Fragen stellen und Kritik einbringen. (Vgl.: Maria von Fransecky, Dem Himmel nah. In: Himmel&Erde. Gemeindezeitung für den Wilmersdorfer Süden, 15. Jahrgang, März 2019, Nr. 2, S. 12.)

19. Jahrestreffen der Kirchenpädagogik der Nordkirche am 15.06.2019, 10:30 – 16:30 in Schwerin: KirchenführerInnen und KirchenhüterInnen der Nordkirche treffen sich in Schwerin, um sich über Entwicklungen und nachahmenswerten Projekte auszutauschen. Der Schweriner Dom bietet schließlich Raum, um der Frage nach „Kirche und Macht – wer hat das Sagen im Haus?“ nachzugehen. Veranstalter sind das Pädagogisch-theologische Institut der Nordkirche/Zentrum Kirchlicher Dienste in Mecklenburg. Anmeldung und Information unter: verwaltung-zentrum@elkm.de.

Vom 14. Juni bis zum 7. August wird in der Hauptkirche St. Katharinen die 27. Schüler-Kunst-Ausstellung stattfinden. Dieses Jahr heißt das Thema "Heimat". Nie zuvor war die Beteiligung von schulischer Seite so groß wie bei diesem en vogue-Thema: 21 Lerngruppen aller Klassenstufen aus verschiedenen Hamburger Schulen arbeiten zur Zeit im Rahmen des Kunst- und/oder Religionsunterrichtes an Exponaten, in denen sie ihrer Vorstellung von "Heimat" Ausdruck verleihen. Die Eröffnung mit Musik, Tanz und Lesungen unter Beteiligung möglichst vieler Schüler*innen findet am Freitag 14. Juni um 11 Uhr in der Kirche statt.  Herzliche Einladung! Koordination: Inge Hansen und Team, St. Katharinen, Hamburg

Projekt „Kirchenführung digital“: die Idee ist, dass Menschen unterwegs leicht abrufbare Informationen und Impulse erhalten können, wenn sie Kirchenräume besuchen. Das Diözesan-Erwachsenenbildungswerk unterstützt in Zusammenarbeit mit der Hauptabteilung „Kunst und Kultur“ im Erzbistum Bamberg Gemeinden, die eine Internetdarstellung ihrer Kirche zeitgemäßer gestalten wollen. Die Gemeinde stellt das Team, die Diözese fördert bis zu 7.500,-€ und mit der Vermittlung von Experten. Informationen und Anträge: Diözesan-Erwachsenenbildungswerk im Erzbistum Bamberg (Domstraße 5, 96049 Bamberg).

Workshop mit Stadtexkursion in Berlin: "Sphäre und Raum – Entdecken der Atmosphäre im Sakralraum" (14.-16.6.2019): Weiterbildung im Bereich Kirchenpädagogik, offen für alle Interessierte – mit dem Ziel, das Potential der Nutzung von Sakralräumen zu erweitern. Was sich mit "Atmosphäre" umschreiben lässt, ist entscheidend für die Raumqualität. Über eine Sensibilisierung der Wahrnehmung und dem Erkennen von Zusammenhängen zwischen Raum und Aktion im Raum soll im Dialog ein reflektiertes Verständnis für die Vermittlung sowie Gestaltung von Sakralräumen und Gottesdienst gestärkt werden. Voranmeldung erforderlich, ab sofort unter: www.otto-bartning.de/angebote/sphaere_und_raum.pdf.

Studienfahrt: „Unbekannte Bekannte: Klöster in Mittelfranken“ (Samstag, 29. Juni 2019, 08:00 bis  20:00 Uhr). Unter der Reiseleitung von Dr. Holger Kempkens (Kunsthistoriker, Leiter des Diözesanmuseums Bamberg) führt eine Tagesstudienreise nach Mittelfranken. Besucht werden das ehemalige Zisterzienserkloster Heilsbronn, die Stiftskirche St. Gumbertus und die Stadtkirche St. Johannis in Ansbach sowie in Virnsberg die ehemalige Deutschordensburg und das berühmte „Heilige Grab“. Informationen und Anmeldung: Diözesan-Erwachsenenbildungswerk im Erzbistum Bamberg (Domstraße 5, 96049 Bamberg).

Ausbildung zur Kirchenführerin/zum Kirchenführer 2020/2021: Das Diözesan-Erwachsenenbildungswerk im Erzbistum Bamberg lädt kunstinteressierte Pfarreimitglieder und Interessierte zur Ausbildung zu KirchenführerInnen ein. Ausbildungsinhalte sind u.a. Kirchen-, Liturgie- und Frömmigkeitsgeschichte, Kunstgeschichte und Architektur, Kirchenpädagogik, Didaktik und Methodik von Kirchenführungen mit Praxisteilen, Rhetorik, Gruppendynamik und Rollenverständnis als KirchenführerIn, Glauben, Glaubenspraxis und Theologie. Die Ausbildung wird in drei Bausteinen mit Präsensphasen und Wahlmodulen durchgeführt (einzeln buchbar). Ab 120 Unterrichtsstunden und mit Hausarbeit, begleitete Führung und Kolloquium erhalten Absolventen das Zertifikat „Ausgebildete/r Kirchenführer/in nach den Zielen und Standards des Bundesverbandes Kirchenpädagogik e.V.“. Informationen bei Kath. Erwachsenenbildung im Erzbistum Bamberg e.V. (Domstr. 5 in Bamberg); eine Informationsveranstaltung findet am 10.12.2019 von 18:00 – 19:30 Uhr im Konferenzraum der KEB in Bamberg statt.

„Erlebnisraum Kirche“. Über 100 Gästeführer aus Deutsch-land, Österreich und der Schweiz tauchten ein in die Welt der Kirchenraumpädagogik am 6. April in Konstanz. Ausgangs-punkt war, dass es Besuchern wie Guides an Wissen fehlen kann, Kirchenräume zu verstehen und zu lesen. Einladende waren die Initiatoren aus Touristikern und Kirchenvertretern „Kirchen Klöster Weltkultur in der Vierländerregion Boden-see“. Dieser Zusammenschluss regionaler Tourismusorganisa-tionen der Bodenseeregion und der je zwei Landeskirchen und Bistümer in Baden-Württemberg  will Tourismus und Spi-ritualität enger verbinden und die Bedeutung der Bodensee-region in Geschichte und Gegenwart herausstellen. Hartmut Rupp gab eine Einführung in die Kirchenpädagogik und reflek-tierte die Verbindung von Kirchen(raum)pädagogik und Tou-rismus. Christoph Schmitt, Referent für liturgische Dienste im Bistum Rottenburg-Stuttgart, lenkte den Blick auf die Dimen-sionen der Wahrnehmung und der Besucherführung durch den Kirchenbau, der auch ein liturgisch genutzter Raum ist. Einen Zugang anderer Art eröffnete Nicole Huber, Kirchen- und Theaterpädagogin und Clownin, mit ihrer Einführung in das Raumerleben mittels Theaterpädagogik. Nachmittags ga-ben Workshops praktische Einblicke in die Kirchenraumer-kundung (Kirchenführung für Familien, theaterpädagogischen Elementen, Passanten, Muslime, Verwendung von Instagram) in den Kirchen der Altkatholischen Gemeinde, der katholi-schen Altstadtpfarreien und der Dominikanerinnen des Klos-ters Zoffingen.

Interessante Veranstaltungen und Ausstellungshinweise bietet wieder der Newsletter 121 (Mai/Juni) des Institut für Kirch-bau und kirchliche Kunst der Gegenwart aus Marburg: kirchbauinstitut.de/newsletter/aktuellen-newsletter-ansehen/. 

(3)    Aufgelesen …

Zum Nachlesen ein Radiobeitrag im Rahmen des Bauhaus-Jubiläums: www.deutschlandfunk.de/100-jahre-bauhaus-kirchenarchitektur-form-follows-faith.2540.de.html.

 

Mantegna & Bellini. Meister der Renaissance, hrsg. von SMPK Berlin und National Gallery London. Ausstellungskatalog, München : Hirmer Verlag 2018. - 304 Seiten, 287 Farbabbildungen, Festeinband. ISBN 978-3-7774-3173-4.
Erstmals präsentierten die Staatlichen Museen zu Berlin gemeinsam mit dem British Museum und der National Gallery London Werke zweier Meister der Frührenaissance, zunächst in London, dann in Berlin. So umfassend wurde das Schaffen dieser beiden Künstler noch nie gezeigt und verglichen. „Der Besucher lernt sehen – und staunen“ jubelte der „Berliner Tagesspiegel“. Das Sehen und Staunen ist ein Anliegen der Kirchenpädagogik, vergleichendes Betrachten gehört zum Handwerkszeug. Wie in der Ausstellung, so lässt der Katalog in der Gegenüberstellung die Besonderheiten und Übereinstimmungen von Mantegna und Bellini erkennen. Sehr beeindruckend ist z. B. die „Darstellung Jesu im Tempel“ – auf den raschen Blick an ein Suchbild erinnernd – erschließt sich beim näheren Betrachten in der Wiedergabe der beteiligten Personen und deren Mimik und Gestik die individuelle Akzentuierung des Geschehens. Beide Maler benutzten zuweilen gegenseitig ihre Skizzen, kopierten voneinander oder erweiterten die Szenerie. Die bewährte Interpretationsmethode: von den erkennbaren Einzelheiten zur geistlichen Bedeutung des Dargestellten schließlich eine Beziehung zwischen Bild und Betrachter herzustellen gelingt, da beide Künstler dieselben Themen jeweils in eine andere Umgebung stellen. „Christus in Gethsemane“ oder „Christi Höllenfahrt“ sind Motive, denen man in vielen Kirchen begegnet, deshalb empfehle ich den Band vor allem wegen seiner vergleichenden Methode, die zur Positionsbestimmung in kirchenpädagogisch intendierten Kirchenführungen anregt.     
Gisela Donath  

Citykirchen und Tourismus. Soziologisch-theologische Studien zwischen Berlin und Zürich, hrsg. von Hilke Rebenstorf, Christopher Zarnow, Anna Körs, Christoph Sigrist, Leipzig : Evangelische Verlagsanstalt 2018. - 248 Seiten mit zahlr. farb. Abb. - ISBN 978-3-374-05466-4.
Kathedralen, Dome, Münster in Nürnberg, Berlin, Dresden, Basel und anderen Städten ziehen noch immer Hunderttausende an. Was hier als Citykirchentourismus boomt wirft Fragen auf. Die empirisch angelegte Studie »Citykirchen und Tourismus« hat diese aufgenommen und legt ihre Ergebnisse mit dem Buch vor. Dabei ist die Studie so angelegt, dass eine systematisch-vergleichende Kombination statistische Fragebogen im Blick hat, die an zwölf Citykirchen, am Berliner Dom und am Großmünster in Zürich 2015 eingesetzt wurden, um ein differenziertes Bild der aktuellen Besucherschaft zu gewinnen. Einige Grundideen der Studie sind: „Kirchenbauten sind räumlich verkörperte Stadt-(Bau-)Geschichte“ (S. 14), die nicht nur prägend sind, sondern auch Schlüssel zum Verständnis anbieten. Es zeigt sich besucherbezogen eine Nutzungsverschiebung, die nicht mehr allein vom Gottesdienst her bestimmt ist. Damit stellt die „touristische Annäherung an Symbolbestände der christlichen Kultur womöglich einen ganz eigenen Zugang zu religiösen Themen dar“ (S. 16), der vielleicht eine eigne theologische Würdigung braucht. Es sind Orte der Begegnung von Kunst und religiöser Kultur, heiliger Ort, Ort bürgerlich-politischer Zivilreligion, des geschichtlichen Gedenkens und Erinnerns, des gottesdienstlichen Kultus und Ritus. Das Forschungsdesign fragt nach Herkunft und Motivation der Besucher, nach der Bedeutung des Kirchengebäudes und wie diese das Interesse der Besucher tangiert. In der Klärung der Begriffe Citykirche, Tourismus und Religiosität (Kap. 3) wird erkennbar, warum gerade Citykirchen interessant sind (sie stehen in einem ständigen Prozess von Veränderungen und sind am ehesten Orte „offener Schritte nach vorn“ – S. 21) und dass Touristen nicht einfach eine Negativschablone zu Religiösen ist (vielmehr spiegeln sie ins Säkulare transformierte religiöse Phänomene wider). Zwei Kapitel stellen das Ergebnis der Befragungen dar, davon das dritte Kapitel die Detailstudien in Zürich und Berlin. Kap. II nimmt den Standort der Citykirchen in den Blick (stadträumlich-geografisch, historisch, öffentlich-politisch) und erstellt ein Tableau der Nutzungs-/Besucherprofile. Kap. IV fasst die Ergebnisse zusammen und in Kap. V kommentieren Expertinnen aus praktischer Theologie und Soziologie die Studie mit der Perspektive, auf was hin die empirischen Ergebnisse fortgeführt werden sollten. – Mit Blick auf die Zukunftswerkstatt des Bundesverbandes Anfang Mai liest sich die Studie auch als ein potenzieller Leitfaden für die Frage, auf was hin sich kirchenpädagogisches Reflektieren und Handeln in der Zukunft ausrichten sollte. So fällt auf, dass gut ein Drittel Kirchenführungen, Informationen zur Bau- und Kulturgeschichte und Ansprechpersonen erwarten (was nicht unbedingt auf die Teilnahme schließen lässt). Erwartet wird auch – nicht nur von ausgeprägt religiös geprägten Menschen -, dass die christliche Botschaft vermittelt und Kirche ein Ort der Praxis ist (S. 83ff.). BesucherInnen von Citykirchen sind größtenteils mit Kirchenräumen vertraut, religiös orientiert oder geprägt. Doch lassen sich Citykirchen „nur begrenzt als kirchliche Profilierung bzw. Selbstsäkularisierung in dem Sinne deuten, dass das kirchliche Profil durch eine kirchen(raum)ferne Besucherschaft gewinnen bzw. verlieren würde“ (S. 89): das Publikum ist gut gebildet, hoch kulturell orientiert, älter und kirchennah. Damit bilden sie eine stabile Besucherschaft. Hervorgehoben wird, dass die Citykirche verstärkt durch interaktive Angebote ihre Wirkkraft erhalten müsse (S. 91), zugleich auch andere kirchliche Sozialformen brauche. Denn Kirchen(raum)ferne seien schwer erreichbar, ließen sich aber in Citykirchenkontext vom Format eher erreichen als anderswo: „Citykirchen sind … kein Widerspruch zur Säkularisierung, sondern Teil von ihr im Sinne eines umfassenden Differenzierungsprozesses und somit Ausdruck nicht nur gegenwärtiger Religiosität, sondern auch gesellschaftlicher Entwicklungen“ (S. 92). Die Abschnitte II4 und II5 lenken das besondere Augenmerk des Kirchenpädagogen auf sich, da sie die individuellen Bedarfe des Interesses der Besuchenden anschaut: z.B. die Verweildauer (mehrheitlich 10 bis 20/30 min, abhängig vom Profil der Kirche) und die Motivation (bes. ein historisches Interesse, die besondere Atmosphäre und Kirche als Ort der Ruhe). Wenn der Kirchenraum als Verkörperung der Erfahrung des Göttlichen und als Ermöglichungsraum zu dieser Erfahrung angesehen wird, dann zeigen sich bei den Verhaltensoptionen der Besuchenden besondere Akzente: selbstbestimmte Aneignung des Raums, Detailbetrachtung, interaktive Raumaneignung und faktenorientierter Zugang. Die Teilnahme an Kirchenführungen ist zwar weniger als Annäherungsform gefragt, dafür zeigt sich aber als für die Raumwahrnehmung als relevant: „Man lässt die Atmosphäre des Raumes auf sich wirken und sich von den eigenen Gefühlen durch den Raum leiten, unterhält sich nur begrenzt mit anderen über das eigene Erleben“ (S. 113). „In der Gesamtheit betrachtet empfinden die Besucher*innen die Kirchenräume als entspannend, beruhigend, Geborgenheit gebend“ (S. 114f.; es hängt dies aber von der Besucherschaft ab). In der Zusammenfassung wird hingewiesen, dass „das Interesse an Kirchen heute weniger ein Interesse an geistlicher Erfahrung als an Kontemplation im Allgemeinen ist“ (S. 128). Religiöse Sozialisation hilft, sich den Kirchenraum leichter anzueignen und dies trägt dazu bei, dass der Raum für Besuchende wirkmächtiger ist. – Meine Lektüre folgte dem Fokus, was die Studie für das kirchenpädagogische Handeln aussagt. Dabei ist zu beachten, dass die meisten kirchenpädagogische Aktivitäten nicht im Kontext von Citykirchenarbeit geschehen, sondern in ‚normalen‘ Kirchenräumen von Kirchengemeinden / Pfarreien. Somit ist nicht einfach eine 1:1 Übersetzung möglich, aber das Wissen, dass in Citykirchen in besonderer Weise sich die Transformation gesellschaftlicher Haltungen zur Religiosität / Kirche abbilden bildet doch eine Art Brennglas dafür, was auch in den Pfarreien / Kirchengemeinden sich tendenziell auswirkt. Die Lektüre öffnet den Blick für das, was Kirchenräume bei Besuchenden bewirken kann und entwickelt damit ein kritisches Befragen der eigenen kirchenpädagogischen Arbeit, ob wir uns mit dem begnügen, die zu erreichen, die „eh schon kommen“. Welche Sozialformen und interaktiven Angebote / Methoden braucht eine Kirchenpädagogik der Zukunft, die bei geringer werdender religiöser / kirchlicher Sozialisation Menschen noch erreichen kann? Und wie kann sich das kirchenpädagogische Anliegen von Seiten der potenziell Besuchenden her gestalten lassen? Diese Fragen zu schärfen, liefert das Buch einen guten Beitrag.

(3)    Aufgelesen …

Wolfgang Vogl, Meisterwerke der christlichen Kunst zu den Schriftlesungen der Sonntage undHochfeste. Lesejahr C, Regensburg : Pustet 2018. 680 S., durchgehend farbig bebildert, Lesebändchen. - ISBN 978-3-7917-2999-2. € Einführungspreis bis 31.12.2018: € 29,00 (danach: € 35,00).

Vor drei Jahren erschien der erste Band mit den Meisterwer-ken der christlichen Kunst zum Lesejahr A (Matthäus), nun schließt sich der Kreis mit dem Band zum Lesejahr C (Lukas). Der Aufbau folgt dem Lesejahr, beginnt also mit dem Advent und endet mit dem Christkönigfest. Außerdem werden auch Bibelstellen liturgischer Hochfeste außerhalb der Sonntage berücksichtigt. Wolfgang Vogl ist Professor für die Theologie des geistlichen Lebens an der Universität Augsburg und als Pfarrvikar in einer Pfarreiengemeinschaft aktiv. Mit Akribie hat er im Wesentlichen zu Evangelientexten, aber auch zu den alttestamentlichen wie neutestamentlichen Perikopen der Sonntagsleseordnung Kunstwerke ausgesucht – in der Mehr-heit Werke frühchristlicher Kunst wie alter Meister, aber auch Vertreter der beginnenden Moderne und der zeitgenössi-schen Kunst (z.B. Siger Köder) -, um durch deren Erschließung den biblischen Texten Akzente und Aspekte abzugewinnen, die in der Verkündigung spirituell wichtige Perspektiven auf-zuzeigen helfen. Der Vf. arbeitet in diesem wie den vorausge-gangenen Bänden mit einer sehr hilfreichen Struktur: mit der bibeltheologischen Einführung führt er an den ausgewählten Schrifttext heran, so dass Kernaussagen aus exegetischer Sicht deutlich werden. Dem schließt sich eine wissenschaftlich fun-dierte Bilderschließung an, die den/die Betrachter*in schritt-weise und damit mit der notwendigen Langsamkeit zum Bild-inhalt führt; zuweilen wird dabei das Kunstwerk in einem grö-ßeren Horizont erschlossen, so dass die Lektüre nicht nur das Wissen, sondern auch das Staunen mehrt. Die Ausführung sind keine so zu haltende Predigt, aber selbst wenn ein/e Pre-diger*in nicht über das Kunstwerk predigen wird, gewinnt er/sie in der Lektüre bzw. der Betrachtung sehr viele geistliche Impulse. Das Buch ist für mich damit auch ein Beitrag die ei-gene Aufmerksamkeit zu fördern, auch mit Blick auf den Text, der bildlich gesehen hilft, mit dem Leben in Bezug gesetzt zu werden. Wer durch Vogls Ausführungen angestachelt wurde, mehr wissen zu wollen, dem helfen seine Anmerkungen (575-651) und ein umfangreiches Literaturverzeichnis (653-679) sowie das Abkürzungsverzeichnis und der Bildnachweis. Die Bildwiedergabe ist gelungen, besonders bei den vielen ganz- oder halbseitigen Abbildungen. Wer den einen Band hat, wird sich auch – früher oder später – die anderen Bände zulegen:

Wolfgang Vogl, Meisterwerke der christlichen Kunst zu den Schriftlesungen der Sonntage und Hochfeste. Lesejahr A, 2., überarbeitete Auflage, Regensburg : Pustet 2018. - 576 S. durchgehend farbig bebildert. – ISBN 978-3-7917-2829-2. € 35,00.

Wolfgang Vogl, Meisterwerke der christlichen Kunst zu den Schriftlesungen der Sonntage und Hochfeste. Lesejahr B, Regensburg : Pustet 2017. - 608 S., durchgehend farbig bebildert. - ISBN 978-3-7917-2912-1. - € 35,00.

Stefanie Lieb, Himmelwärts. Geschichte des Kirchenbaus von der Spätantike bis heute, Berlin : Elsengold Verlag. 176. S. durchgehend illustriert. - ISBN-13: 9783944594965. – € 36,00.

In sechs großen Abschnitten und insgesamt 33 Kapiteln entfaltet die Autorin Stefanie Lieb (Privatdozentin für Kunstgeschichte an der Universität Köln und Studienleiterin für Kunst an der Katholischen Akademie Schwerte) die Anfänge des Bauens für die Gemeindeversammlung bis zu den Kirchenbauten des 21. Jahrhunderts. Den kompakt formulierten, gut lesbaren Texte merkt man ein fundiertes und zugleich auf gewinnende Vermittlung ausgerichtetes Wissen an. Die Verf.in beschreibt die jeweiligen Epochen durch Benennung der prägnanten Merkmale und sie gibt Einblick in die zugrundeliegenden geistigen Perspektiven, so beispielsweise für das frühe Christentum nennt sie auch explizit Baptisterien und Memorialbau, für die Romanik greift sie Klosterarchitektur, Kaiserdome und Bischofskirchen und das Grundprinzip romanischen Bauens bzw. den Kosmos der Bauskulptur auf. Analog greift der Abschnitt zur Gotik die Grundgedanken des Kathedralbaus auf, die Baulogistik, Konstruktionsbesonderheiten wie auch Symbolik des gotischen Kirchenbaus. Ein anderes Beispiel ist die Moderne, die die Verf. als Suchen nach einer Spiritualität beschreibt, in der die Theorien modernen Kirchenbaus (Bartning, Böhm, Schwarz, Le Corbusier) skizziert werden und ein Ausblick in den Kirchenbau des 21. Jhdt. Gewagt wird – mit der Bruder Klaus-Kapelle von Zumthor als letztem Bild, dem vor der Schlussbemerkung ein Blick in Potsdams Friedenskirche folgt.  Stefanie Lieb gelingt es außerdem, in kurzen Exkursen bemerkenswerte Themen (z.B. Salomonischer Tempel, Reliquienkult, St. Galler Klosterplan. Mittelalterliche Steinbearbeitung, Sainte Chapelle in Paris, Säulenordnungen, Zweites Vatikanisches Konzil und Kirchenbau usw.) und Personen (z. B. Villard de Honnecourt; Michelangelo, Viollet-le-Duc) aufzugreifen und somit auf wesentliche Aspekte zu verweisen. Das Buch zeigt Kontinuitäten und Fragestellungen auf. Und der Titel „Himmelwärts“ kann in all der Vielfalt ein Gemeinsames benennen. Ein nach den Kapiteln gegliedertes Literaturverzeichnis sowie ein Glossar runden den sehr gut bebilderten Band ab. Wer einem für Kirchenbauten interessierten Menschen – vielleicht auch sich selbst – ein sowohl schönes wie anregendes Geschenk machen will, der liegt mit diesem wirklich prachtvollen Buch sicher nicht falsch. Es dürfte auch zur Erstausstattung einer/s Kirchenpädagog*in sehr gut passen.

Ulrich Luz, Das Neue Testament - »Wer, Was, Wo« für Einsteiger. Unter Mitarbeit von Nicht-Theologinnen und Nicht-Theologen. In Kooperation mit dem TVZ - Theologischer Verlag Zürich, Ostfildern : Patmos 2018. 192 S., mit zahlreichen Abbildungen und Karten.  - ISBN 978-3-8436-1095-7. - € 19,00.

Dieses Buch empfehle ich, weil ich in der Arbeit in der Kir-chenpädagogik selbstverständlich immer wieder mit dem Neuen Testament in Kontakt komme. Und wie bringe ich dann mein Fachwissen gut verständlich an Menschen, die mir inte-ressiert zuhören (wollen)? Ulrich Luz ist emeritierter Professor für Neues Testament an der Evangelisch-Theologischen Fakul-tät der Universität Bern und hat gut ein Dutzend „normale“ Frauen und Männer, jüngere wie ältere, kirchennahe und kir-chenferne, Katholik*innen und Protestant*innen gewinnen können, mit ihm das Neue Testament zu lesen und kurze Dar-stellungen mit ihnen erarbeitet, die „leser-geprüft“ Nicht-Theolog*innen in verständlicher Sprache über Jesus, das frü-he Christentum und die Schriften des Neuen Testaments in-formieren. Das Buch gliedert sich in acht Teile, die man aller-dings nicht nacheinander lesen muss, sondern auch für sich mit Gewinn liest (und dann motiviert wird, weiteres zu erfah-ren). Das erste Kapitel stellt den geschichtlichen Rahmen dar (römische Besatzungszeit um die Zeitwende und frühes Juden-tum), das achte Kapitel fragt nach Entstehung und Bedeutung des Kanons des Neuen Testaments und das abschließende Ka-pitel ist eine persönliche Wahrnehmung, was es bedeutet, das Gotteswort in Menschenwort vermittelt wird. – Immer auf eineinhalb bis zwei Seiten wird ein Abschnitt der acht Kapitel (mit 73 Abschnitten) behandelt. Und es ist beeindruckend, was dort an wesentlichen Aussagen formuliert wird, die bei den Lesen Aufmerksamkeit und Verstehen fördern, etwa zum Thema Auferstehung/Auferweckung die hermeneutische Her-angehensweise, eine Lebenserfahrung, nämlich Lieben, zum Verstehen der Beschreibung heranzuziehen (S.54f.). Über-haupt finde ich das erste Kapitel zu Jesus einen zwar knappen, aber wirklich ermutigenden Angang, nach Jesus auf der Basis der neutestamentlichen Schriften zu fragen und ihn zu verste-hen zu suchen – ein bleibender Auftrag, der vor dem Wunsch-Jesus-Bild zu bewahren vermag.  Man kann die Text-abschnitte für sich lesen, wird aber immer wieder zur weite-ren Lektüre eingeladen durch Querverweise, so dass man ein-fach nicht aufhören möchte. Dem Kapitel über die Evangelien sind auch ein Abschnitt über Spruchevangelien und außerka-nonische Kindheitsevangelien eingefügt, was ich sinnvoll hal-te, da diese ja in der Geschichte ihre eigene Wirkung (bes. in der Ikonografie) entfaltet haben. Das Kapitel über die Paulus-briefe, zu dem Luz selbst bemerkt, es sei in der Knappheit der Darstellung nicht ohne weiteres ohne Bibellektüre lesbar, skiz-ziert die paulinische Biografie und stellt die einzelnen Paulus-briefe in der Abfolge ihres (vermuteten) Entstehens dar; die größeren Briefe werden dabei auch aufgeteilt in mehrere Ab-schnitte. Karten, tabellarische Übersichten zu Themen (z.B. historische wie literarische Probleme der Paulusbriefe oder der übrigen neutestamentlichen ‚Brief’-Literatur) und SW-Fotos geben den Lesenden weitere Hilfestellungen für das Herangehen an die neutestamentliche Literatur und ihre zeitli-che wie geografische Verortung. Mit einem Abkürzungsver-zeichnis endet das Buch, das für Einstieger*innen eine wirk-lich hilfreiche Orientierung bietet.

Die jüngste Ausgabe der Zeitschrift Ökumenische Rundschau (67. Jahrg., 2018, Heft 4), widmet sich dem Thema: „Kirchenräume in unterschiedlichen Kontexten“ und bietet folgende Beiträge:
o    Albert Gerhards, Kirchengebäude – eine ökumenische Herausforderung
o    Christoph Klein, Kirchenburgen in Siebenbürgen – be-drohtes Kulturerbe. Nutzungskonzepte zu ihrer Rettung und Erhaltung
o    Radu Constantin Miron, Kirchennutzung und Kirchenbau orthodoxer Gemeinden in Deutschland
o    Alexander Deeg, Geistlich und geistig – Kirche und Aula. Die Universitätskirche St. Pauli in Leipzig als Herausforde-rung und Chance
o    Stefan Orth, Gleitende Wände. Das ökumenische Kirchen-zentrum Maria Magdalena in Freiburg-Rieselfeld und sei-ne beiden Gemeinden
o    Burkard Severin, Die Antwort gab der Kirchenbau – von der Pfarrkirche St. Helena zum „Dialograum Kreuzung an Sankt Helena“
o    Tobias Fritsche, Jugend(kultur) im Kirchenraum   
o    Junge Ökumeniker*innen: Henrike Rabe, Außen Kirche ‒ innen Moschee: Multireligiöse Gastfreundschaft als Chan-ce im Umnutzungsprozess

Reinhard Lambert Auer, Geschichte des Kirchenbaus : zur Ent-wicklung ab dem 19. Jahrhundert bis morgen. In: Für Arbeit und Besinnung, 72 (2018), 13, S. 17-21

Reinhard Lambert Auer, Geschichte des Kirchenbaus : von der frühen Kirche bis zur Reformationszeit. In: Für Arbeit und Be-sinnung, 72 (2018), 12, S. 22-26

Felix Neumann; Tobias Wiegelmann, Kirche im Detail: Insta-walks in Kirchen und Klöstern. In: Katechetische Blätter, 143 (2018), 4, S. 303-307

Christian Rothe, Radebeuler Kinderkirchennacht. In: Praxis Gemeindepädagogik, 71 (2018), 3, S. 28