Der Newsletter des Bundesverbandes Kirchenpädagogik e.V. wird an Mitglieder des Bundesverbandes Kirchenpädagogik e.V. per eMail verschickt.

Kirchenpädagogik aktuell
Infobrief
Mai 2017


Sehr geehrte Damen und Herrn, 
Liebe Mitglieder des Bundesverbandes,

vor kurzem hatte ich die Möglichkeit, eine playing art-Aktion mitmachen zu dürfen. Aus Butterbrotrollen entstanden bestechende Interpretationen zur Frage: was ist für mich das Feiern von Gottesdienst? Ein Beispiel begleitet diesen Brief: farbig, verknotet …

Mit freundlichen Grüßen verbleibe ich
Ihr
Christoph Schmitt

Etwas
in sich
aufnehmen
vom Wesen des Lichts
von der Sprachlosigkeit
einer Blume
die alles sagt
vom Geheimnis des Wassers
das mehr weiß
als du
                                   Josef Hasl

Redaktionsschluss für Mitteilungen und Informationen der nächsten Ausgabe (bitte notieren und gegebenenfalls Informationen an mich senden): Donnerstag, 15.06.2017 (erscheint im Juli 2017)

(1)       Ein Blick durchs Land …

In eigener Sache, d.h. eine Sache der Mitglieder(versammlung)
in gut fünf Monaten (vom 21. bis 23. September 2017 in Augsburg) werden sich wieder viele bei der nächsten Mitgliederversammlung und der kirchenpädagogischen Jahrestagung in Augsburg sehen. Nicht nur die Reformationsstadt, die Themen der Jahrestagung- auch die Wahl eines Vorstandes für die nächsten drei Jahre sind reizvolle Anlässe, zusammen zu kommen.

Die Wahl des Vorstandes gehört zu den wichtigen Aufgaben einer Mitgliederversammlung. Die Satzung sieht vor, dass sich der Vorstand aus fünf Personen zusammensetzt
aus der Vorsitzenden oder dem Vorsitzenden     
zwei stellvertretenden Vorsitzenden        
der Schriftführerin oder dem Schriftführer         
der Schatzmeisterin oder dem Schatzmeister
.    

Zum Wahlverfahren:

Wählbar ist jedes ordentliche Mitglied; bei juristischen Personen ist die benannte Vertreterin oder der Vertreter als natürliche Person wählbar. Eine Wiederwahl ist zulässig. Für ein ausgeschiedenes Vorstandsmitglied wird für den Rest der Amtsdauer ein neues Vorstandsmitglied von der nächsten Mitgliederversammlung nachgewählt.            
Zur Durchführung der Wahl bestimmt die Mitgliederversammlung eine Wahlleiterin oder einen Wahlleiter (eine Person, die nicht selbst für den Vorstand kandidiert). Die Mitglieder bestimmen auch, nach welchen Grundsätzen die Wahl durch zu führen ist (z.B. Geheime oder offene Wahl).

Die Satzung schreibt, dass der Vorstand die Beschlüsse der Mitgliederversammlung umzusetzen hat. Dahinter steckt eine große Aufgabenfülle, von denen hier einige wesentliche Punkte benannt seien:      
Pflege der Kontakte zu den Schirmherren und Lobbyarbeit
Vernetzung mit Initiativen, die ähnliche Ziele verfolgen
Verwaltung der Finanzen (im Wesentlichen Mitgliedsbeiträge)
Verantwortung für die Herausgabe der Zeitschrift und Zusammenarbeit mit der Redaktion     
Interne Informationen für die Mitglieder und Öffentlichkeitsarbeit (z.B. Homepage)     
Organisation der Präsenz des Bundesverbandes bei wichtigen Veranstaltungen (z.B. Kirchentag, Katholikentag)
Vergabe des Zertifikates an Ausbildungseinrichtungen, die Mitglied im Bundesverband sind    
Organisation und Austausch zwischen den Ausbildungsverantwortlichen 
Weiterentwicklung der Kirchenpädagogik

Sie sind eingeladen andere oder sich selbst als Kandidatin oder Kandidat vorzuschlagen. Da ich gerne die Kandidierenden im Infobrief vor den Sommerferien vorstellen möchte, bitte ich (Christoph Schmitt) um eine Zusendung an mich bis 10. Juni 2017 (kirchenpaedagogik-news@gmx.de, postalisch an Christoph Schmitt, Gerhart-Hauptmann-Str. 15, 75365 Calw). Natürlich lässt unsere Satzung auch zu, dass man sich erst kurz vor der Jahrestagung/Mitgliederversammlung entscheidet.

Und wieder sind wir dabei beim Kirchentag 2017: Herzlich eingeladen sind alle Mitglieder und kirchenpädagogisch Interessierten vom 24. bis 8.5.2017 beim nächsten Deutschen Evangelischen Kirchentag nach Berlin und Wittenberg zu kommen!

Im andern Licht – Kirchen in Backnang“ - Vernissage mit Kirchenpädagogik: Leon Sieber, Jannis Griem und Tom Bartsch, drei Hobbyfotografen zwischen 16 und 17 Jahren, haben anlässlich des 20jährigen ACK Jubiläums zu allen möglichen und unmöglichen Uhrzeiten im Kirchenbezirk Backnang Kirchengebäude von außen wie innen fotografisch erfasst. In der Vernissage wies die Kirchenpädagogin Nicole Huber erstaunliche Vergleichspunkte zwischen der fotografischen und der kirchenpädagogischen Annäherung an den Kirchenraum auf. Die zuweilen unüblichen Positionen beim Fotografieren griff Nicole Huber in einer Bewegungsperformance auf. Die Besucher der Ausstellung durften schließlich bei manchem Bild rätseln, wo und wie das Bild gemacht wurde. Bilder der Ausstellung können www.defibig.de/bk betrachtet werden.

Die „Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland“ (Stiftung KiBa) lobt den PREIS DER STIFTUNG KIBA 2018 KIRCHEN IN SZENE SETZEN aus, um den sich Evangelische Kirchengemeinden in Deutschland – gegebenenfalls auch gemeinsam mit kooperierenden Schulen oder Kindertagesstätten -  bewerben können. Der Preis würdigt fundierte Modelle, die Stadt- und Dorfkirchen gerade auch kirchendistanzierten Besuchern überzeugend und zeitgemäß erschließen. Ausgezeichnet werden bereits erfolgreich umgesetzte Konzepte ebenso wie ausgereifte und erfolgversprechende Entwürfe. Der Preis ist mit zweckgebundenen Förderbeträgen der Stiftung KiBa für Sanierungsmaßnahmen an den Kirchengebäuden der ausgezeichneten Gemeinden dotiert:  1. Preis: eine KiBa-Förderung von 25.000 Euro; 2. Preis: eine KiBa-Förderung von 15.000 Euro; 3. Preis: eine KiBa-Förderung von 10.000 Euro. Erfolgreiche Kirchengemeinden erhalten Urkunden über die Auszeichnung. Der Jury gehören an: Dr. Johann Hinrich Claussen, Kulturbeauftragter des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Berlin. Mitglied des Vorstandes der Stiftung KiBa ; Gudrun Gotthardt, Leiterin der Bauamtsleiterkonferenz der Gliedkirchen der EKD, Düsseldorf; Prof. Dr. Katja Lembke, Direktorin des Niedersächsischen Landesmuseums, Hannover; Rolf Meister, Landesbischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, Hannover. Schirmherr des Bundesverbandes Kirchenpädagogik e.V.; Dr. Heidrun Schnell, Leiterin der Finanzabteilung des Kirchenamtes der EKD. Geschäftsführerin der Stiftung KiBa, Hannover; Dr. Dr. h.c. Eckhart von Vietinghoff, Vorsitzender des Vorstands der Stiftung KiBa, Hannover; Dr. Ulrike Wendland, Landeskonservatorin Sachsen-Anhalt, Halle/Saale. Mitglied des Vorstandes der Stiftung KiBa. Bewerbungszeitraum 1. April 2017 bis 31. Juli 2017. Ein Bewerbungsformularsteht zum 1. April 2017 unter www.stiftung-kiba.de abrufbar bereit.

(2)       Mitgeteilt …

Zur Zeit des Kirchentags in Berlin: Kirchenentdeckung für Neugierige: Begegnungen mit Zeichen und Symbolen in der Friedenskirche Potsdam unter dem Motto „Höher denn alle Vernunft“ (Philipper 4,7).      
Freitag, 26.05.2017, 14:30 bis 16.30 Uhr. Ein offenes Angebot, auch ohne Kirchentagsausweis zu nutzen. Aber: Begrenzte Teilnehmerzahl. Zu dieser Veranstaltung lädt die Friedensgemeinde Potsdam in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband Kirchenpädagogik (Maria von Fransecky, Gisela Donath und Team) ein. Kontakt und weitere Informationen über Renate Schmidt-Reichstein schmidt-rei@evkirchepotsdam.de, 0178 5 66 66 72 .

Im Sommersemester 2017 bietet der Lehrstuhl von Prof. Katja Boehme (PH Heidelberg) ein Seminar zum Thema „Kirchenräume mit dem Handy entdecken“ an; Katja Boehme kooperiert mit Barbara Grom. Das Seminar wird organisiert für den Schwerpunkt ‚Digitale Medien in den Schulen‘. Die Idee ist, Räume durch GPS-Rallyes erfahren zu können. Hilfreiche Internetseiten zum Aspekt „Mediennutzung im Kirchenraum“ finden sich unter http://www.lmz-bw.de/medienbildung.html, ebenso ist interessant das Dokument der Bischofskonferenz; ein Beispiel einer Kirchenerkundung mit dem Smartphone als Projekt der  Fachseminarleiterin für katholische Religion in Hamburg, Friederike Mizdalski). Beispiele sind die Apps zum Freiburger Münster (Kooperationsprojekt mit Straßburg – ZDF, Arte), die Kirchen-App der Evangelische Landeskirche und Diomira.de (Katholische Kirchen und Gottesdienste, Norddeutschland). Ein wesentlicher Punkt wird auch das Kennenlernen der entsprechenden technischen und rechtlichen Voraussetzungen sein.

Einen „Grundkurs Kirchenpädagogik - Kirchenräume erleben und vermitteln“ im Bildungshaus St. Hippolyt, St. Pölten bietet zwischen Mai und September 2017 das Katholische Bildungswerk der Diözese St. Pölten mit dem Katholischen Bildungswerk der Erzdiözese Wien an. Der Kurs vermittelt ein Basiswissen in Kunstgeschichte und Theologie und stellt verschiedene Typen von Kirchenführungen vor. In gemeinsamer Reflexion der Beispiele werden geeignete Methoden der Vermittlung erarbeitet. Praktische Übungen sind ein wichtiger Bestandteil des Kurses. Ziel ist es, für eine Kirche freier Wahl eigenständig eine Kirchenführung zu entwickeln und umzusetzen. Es kann ein diözesanes Zertifikat erworben werden. Referent_in: Sr. Mag. Ruth Pucher MC (Kunsthistorikerin, Restauratorin,  Fremdenführerin) und Mag. Christian Jordan (Religionspädagoge, Studium der Kunstgeschichte). (Termine: Einführungswochenende Fr 5.-6.5., Kurswoche 10.-14.7., Abschlusskurstage 29.9.-30.9.2017). Info und Anmeldung unter +43 2742 324 2352 / charisma@kirche.at.

Die österreichische Jahrestagung Kirchenpädagogik, veranstaltet von der Arbeitsgemeinschaft Kirchenpädagogik findet vom 11. bis 12. Mai im Kardinal König Haus in Wien statt. (Informationen bei Sr. Ruth Pucher, pucher@kardinal-koenig-haus.at oder bei Helga Penz helga.penz@ordensgemeinschaften.at). Das Thema lautet „Zentral oder marginal? Kapellen in Schule, Spital und Bildungshaus“. Solche Sakralräume als Teil einer Institution bilden eine geistliche Mitte und ihre Geschichte, ihr Bildschmuck und ihre Formensprache geben Auskunft über Identität und Selbstverständnis der sie tragenden Gemeinde. Kirchenpädagogik vermittelt zwischen der Kapelle und den hier Feiernden, Betenden, Lauschenden, Betrachtenden und Besuchenden. Drei unterschiedliche Räume werden an den Tagen in den Blick genommen: die Kapelle im Kardinal König Haus, die Kapelle der Albertus-Magnus-Schule in Wien 18 und die Kapelle im Krankenhaus Hietzing.

Die österreichischen Kolleginnen laden ein zu einem Praxistag Kirchenpädagogik: Kirchenerkundungen in Salzburg am 26. Mai 2017. Treffpunkt ist um 10:30 Uhr vor der Kirche von St. Peter, der Tag endet um ca. 17.30 Uhr. Am Vormittag sind Workshops vorgesehen in der mittelalterlichen Chorkapelle der Erzabtei St. Peter, Marienkapelle (Ein Herz und eine Seele; Helga Penz, Daniela Sommer-Neustifter) und in der Franziskanerkirche (Zum Haus des Herrn wollen wir pilgern; Ingeborg Apoloner, Hilde Netter). Nach der Mittagspause geht es um 14 Uhr weiter mit Workshops in der Stiftskirche Nonnberg (Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei; Johanna und Wolfgang Mandl), in der Domkirche (Gemeinschaft der Lebenden und der Toten; Hannelore Jäggle) und in der Kollegienkirche (Weil ich kein Mozart sein muss; Christian Jordan). Anmeldung über Helga Penz helga.penz@ordensgemeinschaften.at (Begrenzte Teilnehmerzahl!)

Der Fachbereich Kirchenpädagogik im Pädagogisch-Theologischen Institut der Nordkirche lädt ein zu Kurstagen: 10.06.2017, 10 bis 17 Uhr findet das Jahrestreffen der Kirchenpädagogik in der Nordkirche statt und im Blickpunkt sind Rostocker Kirchen. Eingeladen sind Aktive, angehende, haupt- und ehrenamtliche Kirchenpädagog_innen, Kir-chenführer_innen, Kirchenhüter_innen, Mitarbeiter_innen im Bereich „geöffnete Kirche“. Anmeldung bis 29.5.2017 über pti.nordkirche.de/veranstaltungen.           
Ein Seminartag zum Thema Glocken findet am 22.06.2017 (10 bis 17 Uhr) in der Michaeliskirche in Eutin statt. Es geht um die Bedeutung von Glocken in Geschichte und Gegenwart, um das Erproben der Glockenwerkstatt vor Ort. Anmeldung bis 2.6.2017 über pti.nordkirche.de/veranstaltungen.

Das Zentrum Kirchlicher Dienste im Kirchenkreis Mecklenburg lädt zu einer Kooperationsveranstaltung mit den Staatl. Museen Schwerin-Ludwigslust-Güstrow unter dem Titel „Gesicht zeigen. Die Bedeutung der Luther-Porträts für die Reformation“ ein. Die Veranstaltung findet im Güstrower Schloss am 30.06.2017 (14 bis 18 Uhr) statt. Kirchenführer_innen und Kirchenhüter_innen sowie andere Interessierte sind eingeladen, in der Ausstellung „Cranachs Luther“ der Staatlichen Museen in Güstrow einige der berühmten Luther-Bildnisse im Original zu betrachten und sich mit ihrer Bedeutung für die Reformation und die lebendige Vermittlung heute zu beschäftigen. Dazu wird auch das phantasievoll entwickelte Vermittlungsprogramm „Pop up Cranach“ integriert. Anmeldung und Information: verwaltung-zentrum@elkm.de, 0381-37798720

 (3)      Aufgelesen …

Kirchen erleben! Kirchenpädagogik in Württemberg. Hg.  Missionarische Dienste, Fachbereich Kirche in Freizeit und Tourismus (Evangelische Landeskirche in Württemberg): online unter Broschüre

Als Teil eines Projektberichtes hat der Fachbereich eine Broschüre „Kirchenpädagogik praktisch“ herausgegeben, die erste Informationen über die Kirchenpädagogik und Beispiele ihrer Praxis zeigt – insgesamt eine komplett ausgearbeitete Vorlage und 11 Methoden zur Anregung.

Klaus Krüger, Grazia. Religiöse Erfahrung und ästhetische Evidenz, (=Figura. Ästhetik, Geschichte, Literatur; 5), Göttingen : Wallstein Verlag 2016. 205 S. 5 Farbtafel. ISBN 978-3-8353-1788-8.

Klaus Krüger, Professor für Kunstgeschichte an der FU Berlin, legt mit dem Band eine historisch orientiere philosophische Reflexion vor, die in vier Kapiteln dem Begriff der grazia nachgeht. Das erste bettet die Fragestellung in unterschiedliche Kontexte der religiösen und ästhetischen Erfahrung ein, da auch im Christentum und seiner Glaubenslehre die religiöse Kunst eine Form ästhetischer Gotteserfahrung sei und in jüngerer Zeit die religiöse Aufladung von ‚Ästhetischem (und das im Kontext einer postsäkularen Wiederkehr des Religiösen) zu beobachten sei. Religiöses bzw. Unschaubares wird durch Bildlichkeit in der religiösen Erfahrung immanent gemacht und Kunst trägt den Modus von Entgrenzung bzw. Grenzerweiterung in sich, und ermöglicht also Transzendenzerfahrung in der ästhetischen Erfahrung. Der Beitrag setzt im Italien der frühen Neuzeit ein (bes. 16. Jhdt.) und liefert eine kunsttheoretischen Beitrag zur Entwicklung der ästhetischen Theoriebildung, die im 18. Jhdt. Zur philosophischen Disziplin der Ästhetik führte. Hierbei wird als Protagonist Giorgio Vasari fokussiert betrachtet. Die frühe Neuzeit will mit ihrer kunsttheoretischen Betrachtung sowohl die im religiösen Bild zum Ausdruck gebrachte Wirklichkeit anschaulich evident werden lassen wie sie auch die Evidenz der unschaubaren Natur des Dargestellten zusammendenken möchte. Seit der Renaissance wird in der Kunst eine „Sakralisierung des Ästhetischen erkennbar […die ] als zunehmende Divinisierung des Kunstschönen zutage tritt“, so dass sie auch eine ‚bildliche Offenbarungs- und Verkündigungskraft‘ reklamieren kann. Der Begriff der grazia, der u.a. aus dem christlichen Kontexten (u.a. die gratia ‚Gnade‘) herauswächst, findet eine Bedeutungsverschiebung im Sinne einer charismatischen Veranlagung mit den Folgerungen von Ausstrahlung, Schönheit, Anmut, Grazie und Liebreiz. Es zeigt sich, dass dieser Begriff gebraucht werden kann, um die ästhetische Ganzheit eins Kunstwerks zu erfassen. Der Begriff erweist sich somit nicht als analytische konkrete Beschreibungskategorie, sondern er verweise ‚aufgrund seiner künstlerischen Absolutheit‘ auf das, was sich der begrifflichen Definition entziehe (S. 24). Grazia kann so zu einer „Leitkategorie für die Frage nach der Rolle und dem Stellenwert der Kunst“ innerhalb des Gefüges von Naturordnung und Transzendenz, himmlischer Gnade und irdischer Schönheit werden. Deutlich wird dies an Vasaris Künstlerbiographien, denn sie begründen die Qualität derart, dass Werke nicht verstanden werden können, als seien sie Auswirkungen einer himmlischen Instanz durch einen Künstler, sondern die Qualität des Werkes es ist dem persönlichen Charakter und der individuellen Begabung geschuldet. Vasari profiliere die religiöse Erfahrung ‚als ein Sediment, das der ästhetischen Erfahrung eingelagert‘ sei und das sich Werken religiöser Art erst durch die Kunst wirkungsvoll zur Entfaltung bringen lasse. Der Künstler verleihe der Bildfigur in der Gestaltung ihre grazia, „die sich dem Betrachter durch ihre ästhetische Erscheinung und ihre Gegebenheit im und als Bild offenbart“ (S. 36). Grazia werde zu einer Autorität einer neuen Unverfügbarkeit; damit werde der Kunst die eigentümliche  Paradoxie beigelegt, einerseits als menschliches Schaffensprodukt innerweltlich und historisch zu sein, andererseits im Sinne eines ästhetischen Wertebegriffs eine übernatürliche und transhistorische Dimension anzuzeigen. Sowohl einen Werkbezug als auch einen Bezug auf den Künstler spreche sich in der grazia aus. Die Verschränkung mit der perfezione (Vollkommenheit) gehe einher und zeige sich im Vollzug des Kunstwerkerstellens wie in seiner Vollendetheit. Die Unverfügbarkeit der Kunst gegenüber begriffstheoretischen Bestimmungen und Kategorien wird zugleich als Gestaltungs- und Wirkungspotential gezeigt, in der die Malerei ihren Mehrwert aus der Nichtbegrifflichkeit zieht (so bei Borghini) und das Bild somit als eine kohärente Einheit der Darstellung zu verstehen ist. Die Unschärfe als Mittel des Malens bringe den Betrachtenden in eine Spannung zwischen Sehen und Nichtsehen und aktiviere die eigene Imagination des sehenden Subjekts, das in die Wirklichkeitskonstitution eingebunden sei. Es läuft darauf hinaus, dass ein Wahrheitsbezug zwischen dem verstehenden mit Kunst umgehenden Subjekt und dem künstlerischen Gebilde, das als wenigstens mögliches hervorgebrachtes Stück Wirklichkeit gesehen wird.  Mit Blumenberg bedeutet dies: „in seinen Kulturwerken konkurriert der Mensch mit der Unmittelbarkeit, in der Gott mit seinen Werken als Urheber und Betrachter umzugehen vermag“ (S. 60).

Die Denkweise der grazia erhält in der Kunsttheorie der Renaissance und der frühen Neuzeit eine zentrale Bedeutung, weil sie eine theoretische Rede- und Ausdrucksform der Unbegrifflichkeit darstellt: „Sie verweist auf eine Evidenz, über die sich begrifflich nicht verfügen lässt und deren Erfahrungswirklichkeit einer sprachlichen Aussage … entzogen bleibt und entzogen bleiben soll“ (62). Je mehr die Bedeutung des Bildes in seiner ästhetischen Ganzheit konstituiert wird, umso weniger lässt sich auf das Kunstwerk analytisches, begriffspräzises Sprechen anwenden und das heißt, es gibt keine ‚eindeutig‘ beurteilende Erfassung. Diese neu erfasste Qualität des Kunstwerks in seiner Ganzheit wird quasi-religiöse betrachtet und begründet die divinita eines Kunstwerks, also seine entrückte und zugleich weltimmanente Aura.

Im dritten Kapitel erläutert Krüger, wie der Begriff der Evidenz und die grazia konzeptionell zueinander passen; denn auch der Begriff der Evidenz zeigt nach Krüger eine Auffächerung seiner Bedeutung, die einer strengen und strikten Definition widersteht und die als eine „paradoxe Erfahrung einer vermittelten Unmittelbarkeit, einer anschaulichen Unanschaubarkeit“ (104); „als Erfahrungs- bzw. Wahrnehmungsbegriff bestimmt sich Evidenz … als eine Relationskategorie, die … stets einen Erfahrungsinhalt mit einem Erfahrungserlebnis verklammert“ (S. 104) und sie entfaltet sich in einem Zwischenraum, als Prozess des Augenscheinlichwerden von etwas als etwas. Gleichwohl stellt Krüger fest, dass der Begriff der Evidenz in der Kunsttheorie und in der Anwendung auf künstlerische Bilder keinen Eingang gefunden habe. Mit Blick auf Leonardo aber finde der Begriff eine Verwendungsweise, die nahe dem der grazia sei, um die bildliche Strahlkraft eines Werkes zu benennen. Bildlich gefasste Evidenz zeichne sich dadurch aus, „dass die materiale Gestalt bzw. die mediale Darstellungsleistung und der Gegenstand der Darstellung unlöslich miteinander verschränkt“ (117) seien. Krüger verweist darauf, dass in der frühen Neuzeit der Begriff der grazia das leistete, was der Begriff der evidenzia nicht leisten konnte, weil diese noch nicht als ästhetische Kategorie qualifiziert war. Der Begriff „löst die charismatische Autorität einer Verheißung des Unbegreiflichen und Wunderbaren aus ihrer religiösen Bestimmung, um sie in einem neuen, ästhetischen Wertbegriff der Kunst aufzuheben und bewahrt ihr gleichwohl den Charakter einer sakralen Deduktion“ (S. 121f.).

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