Kirchenpädagogische Themen, die heute diskutiert werden

Veränderte Rahmenbedingungen, neue Zielgruppen unterschiedlichen Alters und religiöser Vorprägung fordern auch neue Angebotsformate zur Erschließung von Kirchen. Auf evangelischer Seite werden gottesdienstliche Formen der Kirchenpädagogik weiterentwickelt; damit wird die Frage nach dem Verbund wie der Grenze zwischen Kirchenführung und Gottesdienst behandelt. Auch im katholischen Bereich werden neue niederschwellige Angebote als ‚präliturgische Kirchenführungsformen‘ angedacht, die einladend auch religiöses Erleben in einer Kirchenführung ermöglichen.  Diese in beiden Konfessionen aktuellen Überlegungen stellen eine große Herausforderung für die zukünftige Arbeit der Kirchenpädagogik dar, die auch die Frage nach den Qualitäts- und Ausbildungsstandards der Kirchenführerausbildung betreffen.  

Die Aktualität der Kirchenpädagogik bemisst sich an der  Bedeutung ihres ‚Formalobjekts’, indem sie mit den Pfunden des öffentlichkeitswirksamsten Faktors der christlichen Konfessionen wuchert: den Kirchenräumen. Seit Jahren übertrifft die Besucherzahl von Kirchen und Kapellen die der Gottesdienstbesucher um ein Vielfaches, zugleich geht das Grundwissen über religiöse Symbole, Bibel und Kirchengeschichte zurück. Paradoxerweise kommen Kirchen zu einem Zeitpunkt in Mode, an dem sie durch Profanierung verloren zu gehen drohen. Offensichtlich schafft unsere heutige Zeit in einer zunehmend entchristlichten Gesellschaft – mit einer Erosion des Grundwissens über religiöse Symbole, Bibelkunde und Kirchengeschichte – diejenigen Umstände, die ein neues oder verstärktes Interesse an den christlichen Kirchen wachrufen. Und im Blick auf die Aufgabe, Schließung und Umnutzung von Kirchen mag man sogar überspitzt beklagen, die Kirche ziehe sich aus der Gesellschaft zurück in dem Moment, in dem das Interesse für die auffälligsten Schnittstellen von Kirche und Öffentlichkeit – die Kirchengebäude – erwacht ist.