Kirchenpädagogik aktuell Infobrief März 2021

Sehr geehrte Damen und Herrn, 

Liebe Mitglieder des Bundesverbandes, 

 

vielleicht erinnern Sie sich, sofern Sie in Hannover dabei sein konnten, an die Diskussion eines erweiterten Logos des Bundesverbandes? Das im Vorstand des Bundesverbandes aus Diskussion und Entscheidung hervorgegangene Ergebnis sehen Sie nun in der Kopfzeile des Newsletters. Es verdeutlicht die in den Thesen und im Positionspapier aufgezeigten und durch die Entwicklung in der Praxis sich konkretisierenden Richtungen kirchenpädagogisches Handeln: die Orientierung am Raum und seiner für kirchenpädagogisches Erfahren relevanten Wahrnehmung der Atmosphären als Sinndimensionen, die rezeptive wie kreative Begegnung mit Kunst und die Zielrichtung, Erfahrungsmöglichkeiten für spirituelle Erfahrungen zu schaffen. Ich wünsche Ihnen, dass Sie auch weiterhin mit „Herz, Hand und Verstand“ diese Entdeckungsfelder bei Ihrer kirchenpädagogischen Arbeit erfahrbar machen können und hoffe, dass auch der Newsletter seinen kleinen inspirativen Beitrag dazu leistet.

 

Frühlingshafte Grüße 

Ihr Christoph Schmitt

Ein Blick durchs Land …

(1) Ein Blick durchs Land …

Das Team der Ökumenischen Kirchenführerausbildung in Württemberg hat aufgrund der Pandemiebedingungen seinen geplanten Basiskurs in wesentlichen Teil als digitales Lernangebot durchgeführt. Da die Entscheidung vergleichsweise kurzzeitig fallen musste, war es eine intensive Zeit der Vorbereitung. Insbesondere die Herstellung von zwei kurzen Videobeiträgen (eine historisch-genetische und eine kirchenpädagogische Führung in der Markuskirche Stuttgart, die als Vergleichsmaterial im Kurs analysiert wurden) war eine zeit- und kostenintensive Aufwendung, die sich aber lohnte. Eine besondere Herausforderung bestand darin, dass die Teilnehmenden nicht nur ‚vor der Glotze‘ sitzen, sondern in ihrem Umfeld entsprechende Raumerfahrungen und Übungen praktizieren können – herausfordernd, weil mancher Erfahrungsraum nicht zugänglich war. Dennoch gelang es allen, ihre im Voraus zu erledigenden Aufgaben zu meistern. Ein positiver Effekt war damit verbunden: konnten Teilnehmende bislang diese Erfahrung nur an vorgegebenen Orten machen, gab es nun ein breiteres Spektrum, verbunden mit einer größeren persönlichen Affinität zur Lösung der Aufgaben. Die Erfahrungen des Teams aus anderen digitalen Lernangeboten lohnte sich: sowohl, was die Entwicklung der Zeitstruktur des Kurses angeht (mit Arbeitszeiten im ‚home office‘ der Teilnehmenden, mit Präsenzzeiten im Netz im Plenum und in Kleingruppen) als auch die Nutzung der Technik (bes. zu erwähnen die Nutzung der landeskirchlichen Lernplattform mit eingestellten Lernmaterialien und -modulen dient der Vor- und Nachbereitung). Um die Lerneffizienz zu fördern, wurden die 20 Teilnehmenden in zwei Lerngruppen tageweise wechselnd unterrichtet. Als Vorteil stellte sich heraus, dass die meisten über die Teilnahme an früheren Präsenzmodulen eine gewisse Vertrautheit miteinander hatten. Als relevant für die Förderung der Aufmerksamkeit am Bildschirm waren die ‚Unterbrechungen‘ mit Anleitungen zu verschiedenen Körperübungen – was eine sehr positive Resonanz bei den Teilnehmenden fand. Mit der digitalen Vermittlung gelang die Wissensvermittlung und die digitalen Konferenzen schufen eine Plattform zum reflektierenden Austausch, besonders auch zu den eigenen Erfahrungen in der Vorbereitungsphase. Die technische Seite war eine der großen Herausforderungen – und dennoch teilten viele mit, dass sie durch den Kurs nun auch mit dieser Form des Lernens eine gute Erfahrung gemacht haben. Da digitale Zugänge zu kirchenpädagogischem Tun nur die halbe Miete sind, folgen in den nächsten Monaten auch Präsenzveranstaltungen, die kirchenpädagogisches Erleben persönlich konkreter werden. lassen. Das Angebot so durchzuführen war allemal besser als den Kurs wieder abzusagen – darin waren sich Teilnehmende und Team einig. 

Abschied in die Freiheit der Kirchenpädagogin:

Am 24. Januar 2021 wurde die Kirchenpädagogin Marion Wrede im Rahmen der Sonntagsvesper von Stadtsuperintendent Rainer Müller-Brandes und Marktkirchenpastorin Hanna Kreisel-Liebermann nach rund 17 Jahren Dienst an der Marktkirche in den Ruhestand verabschiedet. In einem Interview des Stadtkirchenverbandes wirft Marion Wrede einige Augenblicke auf ihre Tätigkeit. Begonnen hat sie mit der kirchenpädagogischen Arbeit 1995 in Celle an der Stadtkirche, damals als Ehrenamtliche in einem Team von Frauen. Es folgte eine ehrenamtliche Zeit am Münster in Hameln (7 Jahre) und 2002 begann sie an der Marktkirche – auch hier zuerst ehren-amtlich. 2003 sollte daraus eine Anstellung werden, bis dahin war sie als Physiotherapeutin aktiv. In den vielen Jahren, so stellt Marion Wrede fest, hat sie 80 bis 100 Klassen pro Jahr der Marktkirche oder Kreuzkirche bei Projekttagen begrüßt, als gut 35.000 Schülerinnen und Schülern insgesamt. Es gab auch die „normalen“ Kirchenführungen mit 800 bis 1.000 Menschen pro Jahr, also rund 15.000 Personen haben daran teilgenommen. In den ganzen Jahren hat sich für Marion Wrede kein Lieblingsort herauskristallisiert, sie liebt einfach die ganze Marktkirche. Die intensivste Ausleuchtung hat in den Jahren das Portal erfahren: „Dort gibt es so viele unterschiedliche Dinge zu entdecken. Erwachsene sind immer wieder erstaunt, dass man Konrad Adenauer und Charles de Gaulle an unserer Tür erkennen kann. Die andere Stelle, die ich wahrscheinlich mindestens 40.000-mal angeleuchtet habe, ist die, wo am Altar zu sehen ist, wie Jesus dem Teufel in den Arsch tritt. Und so deutlich habe ich das immer gesagt!“ Auch die Turmstufen hat sie gut 500mal bestiegen, so an die 355 Stufen jedes Mal (wer es genauer wissen will: selbst hochsteigen und zählen). Auf die Frage, warum Menschen gerade in Corona-Zeiten einmal die Perspektive wechseln und über die Dächer Hannovers blicken sollten meinte Marion Wrede: „Es ist natürlich immer eine gute Übung auf den Turm zu steigen, sowohl für die Beine als auch für die Lunge. Außerdem gibt es unterwegs viel Interessantes zu entdecken, … die Aussicht ist einzigartig spektakulär. Bei klarer Sicht ist der Brocken zu erkennen. … Der Blick vom Turm ermöglicht es, die Stadt so zu sehen, wie sonst nicht. Überhaupt erweitert ein Turmaufstieg den Blick in jeder Hinsicht.“ Mit Blick auf die Begegnungen mit den Menschen der Führungen äußerte M. Wrede, dass „die Rückmeldungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer […] mich jedes Mal sehr berührt“ haben dies zeige, „wie gut es ist, auf anschauliche Weise über den christlichen Glauben nachzudenken und zu diskutieren. Deshalb hätte ich zu gern noch den Einbau des Reformations-Fensters erlebt und wäre sehr gern mit den BesucherInnen darüber ins Gespräch gekommen“.

Wer die Verabschiedung (ca. 60 min) nachsehen möchte kann das unter www.youtube.com/watch;

Zum Treffpunkt Kirchenpädagogik – Friedhofspädagogik und Erinnerungskultur lädt das Religionspädagogische Institut Loccum kirchenpädagogische Fachkräfte, haupt- und ehren-amtliche Mitarbeiter*innen in Kirchengemeinden, Religionslehrkräfte und Interessierte nach Loccum ein. Unter Leitung von Matthias Hülsmann befassen sich die Teilnehmenden mit Impulsen und Workshops aus der Praxis und für die Praxis mit dem Friedhof als einem zentralen Ort religiöser Erfahrungen und Erinnerungen neben dem Kirchenraum; Methoden, Bausteine und neue Ideen zur Friedhofspädagogik und Erinnerungskultur werden dabei zur Sprache kommen. Der Beauftragte für Kunst und Kultur im Haus kirchlicher Dienste, Pastor Dr. Matthias Surall wird eine Einführung in dieses Themenfeld geben. Termin: 28.05.2021, 15:30 Uhr, bis 29.05.2021, 13:00 Uhr, in Rehburg-Loccum.

 

Die Akademie Franz Hitze Haus in Münster bietet in Kooperation mit LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster am 16. und 17.06.2021 ein Seminar an zum Thema "KUNST UND SPIELE. Wie Kinder im Museum die Welt entdecken". Thematisiert werden Kunst als frühkindliches Bildungsangebot, Selbstbildnisse in der Kunst und die Hospitation und praktische Übungen im Atelier des LWL-Museums. Nähere Informationen unter www.franz-hitze-haus.de/programm/anmeldung/21-666.

 

Das Katholische Bildungswerk Rhein-Sieg-Kreis bietet eine Fortbildung an unter dem Titel "KinderKirchenKunstGeschichte. Kirchenraum und religionspädagogische Methoden für einen Besuch mit Kindern in Sakralräumen und Heiligen Orten". Die Veranstaltung findet in Siegburg im St. Servatius-haus (Mühlenstr. 14) am 4.06.2021 statt. Informationen unter bildung.erzbistum-koeln.de/bw-rhein-sieg-kreis/orte/siegburg/index.html. 

 

Eine Qualifizierung zur Kirchenführung als modulares Kursangebot mit dem Schwerpunkt „Sakralräume der Gotik“ bietet die KEB im Bistum Limburg an. Die Qualifizierung zum Kirchenführenden erfolgt als modulares und zugleich internetgestütztes Angebot. Referent*innen sind Roland Büskens, Dr. Simone Husemann und Dr. Kornelia Siedlaczek sowie Paula Martin. Die Veranstaltung findet in Frankfurt an drei Terminen statt: 10.07.20210 (9:30 bis 17:00 Uhr), 13.08.2021 (16:30 bis 19:30 Uhr), 09.10.2021 (9:30 bis 17:00 Uhr). Information und Anmeldung über KEB Wiesbaden, keb.wiesbaden@bistumlimburg.de. Anmeldeschluss ist der 28.06.2021.

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Mitgeteilt

Der Bremer Erwachsenenbildner und Kirchenpädagoge Ottmar Hinz ist nach kurzer, schwerer Krankheit am 9. Februar 2021 im Alter von nur 67 Jahren verstorben. Mit ihm ist ein begnadeter Kirchen-Pädagoge von uns gegangen, denn neben der Literatur waren Kirchen eines seiner Steckenpferde. Seit 1997 hat Ottmar Hinz regelmäßig für das Evangelische Bildungswerk Bremen in Kooperation mit dem Katholischen Bildungswerk Bremen ökumenische Bildungsurlaube unter dem Motto „Räume der Stille zum Sprechen bringen“ durchgeführt. In diesen Wochen wurden Kirchenräume in Bremen und dem Bremer Umland besucht und erschlossen. Diese Bildungsurlaube erfreuten sich stets einer großen Beliebtheit. Ottmar leitete diese Wochen mit großem Sachverstand, mit großer Freude an den Kirchenräumen und immer nah an den Teilnehmer*innen.

Aus diesen Bildungsurlauben heraus entstand schließlich die Idee, einen Kurs zur Ausbildung von Kirchenführer*innen aufzulegen. Ottmar legte großen Wert darauf, dieses Projekt von Anfang an ökumenisch auszurichten und auch über den Tellerrand der kleinen bremischen Landeskirche zu schauen. Gemeinsam wurde vom evangelischen und katholischen Bildungswerk und von der Evangelischen Erwachsenenbildung in den Kirchenkreisen Osterholz-Scharmbeck, Rotenburg und Verden ein Konzept für eine solche Ausbildung entwickelt. 2007 startete dann die erste ökumenische Ausbildung zu Kirchenführer*innen in Bremen. Das Besondere: jeder Seminartag fand in einer anderen Kirche statt, so dass die Teilnehmer*innen viele verschiedene Kirchen kennenlernten und immer auch „ihre“ Kirche mit dabei war. Fünf weitere Ausbildungskurse folgten in den nächsten Jahren und etliche Menschen aus Bremen und dem Bremer Umland konnten diese Ausbildungskurse mit einem Zertifikat des BV Kirchenpädagogik abschließen.

Mit seiner zugewandten und geistreichen Art hatte Ottmar einen großen Anteil an dem Erfolg dieser Ausbildung und sorgte so dafür, dass die Kirchenpädagogik als eine Form der Bildungsarbeit immer mehr Bedeutung erlangte.

Die Freude an Kirchen und auch die Liebe zu „seiner“ Kirche „Unser Lieben Frauen“ in der Bremer Stadtmitte, bewegte ihn, den Bildband „Licht, das singt“ über die Kirchenfenster von Alfred Manessier in eben dieser Kirche herausbringen. Im letzten Sommer konnte er noch eine Neuauflage dieses Bildbandes präsentieren. Durch seine Kreativität und seine Ideen hat er viele Impulse in der kirchlichen Bildungsarbeit in Bremen gesetzt. Eng verbunden mit ihm bleibt auch die Ökumenische Staffel der Gastfreundschaft, die 2015 im Vorfeld des Ökumenischen Stadtkirchentages in Bremen startete und 2017 sogar den Ökumenepreis der ACK Deutschland gewann. Wir werden ihn sehr vermissen.

 

Johannes Gebbe

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Aufgelesen

Biblia Sacra. Der unbekannte Dali. Künstler – Werk – Rezeption. Hrsg. vom Diözesanmuseum Rottenburg durch Daniela Blum und Melanie Prange, (=Participare. Schriften des Diözesanmuseums Rottenburg; 9), Ostfildern : Thorbecke 2020. 176 S. 45 Abb. ISBN 978 3 7995 1481 1. – 25 €. 

Der Katalog zur Ausstellung Biblia Sacra, die bis Februar 2020 in Rottenburg zu sehen war, wurde schon an dieser Stelle vorgestellt. Nun liegen verdienstvollerweise auch die Beiträge der Begleitveranstaltungen vor. In vier Abschnitten sind Le-sende eingeladen, sich den Bibelillustrationen Dalis und den mitausgestellten Moses-Bildern anzunähern: Zugänge – Biblisch – Künstlerisch – Epilog. Peter Lahr führt durch exemplarische Beispiele aus Dalis Werk heran, wie sich das Werk er-schließen lässt. Dazu passt auch Matthias Scherbaums Beitrag über die von Dali entwickelte „paranoisch-kritische Methode“ und er zeigt die Wechselwirkung, die bei Dali aus der Rezeption und Produktion vielschichtige Bezüge herstellt, durch die sich bei Betrachtenden die Vielfältigkeit der Wahrnehmung entfaltet. Hans Ulrich führt aus der Sicht eines Druckers in die spannende technische Seite der Illustrationen ein und Judith Welch-Körntgen stellt die über die Ausstellung hinausreichende Frage, was es bedeutet, moderne Kunst im christlichen Kontext zu vermitteln und hebt dabei hervor, dass Kunst bei der Suche nach spirituellen oder menschlich-ganzheitlichen Erfahrungen durch ihre Wirkweisen besonders wertvoll ist. Wilfried Eisele nimmt ausgewählte Beispiele aus der Biblia Sacra und zeigt, dass Dalis Werk assoziative Netzwerke zwischen Bild und biblischen Texten herstellt, die auf ihre Weise eine geistliche Bibellektüre sind. Besonders beachtet werden darf Mathias Winklers Beitrag zu den ausgestellten Mose-Bildern, deren Darstellung sich nicht an der biblischen, sondern an Freuds Mose-Buch orientiert. Den ‚künstlerischen‘ Beitragsblock eröffnet Nathalie Frensch, die in der Befassung mit Dalis Biblia Sacra ein Desiderat sieht, durch das auch die komplexe religiöse Ausprägung Dalis beleuchtet werde. Mela-nie Prange führt an die Bildsprache der Biblia sacra heran und Dali zeigt sich als Kenner der Tradition wie auch als produktiver Geist, der etwa durch die Art des Farbauftrags verbildlicht, was emotionale Tiefe hat. Dalis Interpretation lebt davon, dass „er die Vielfalt von künstlerischen Einflüssen und Bezügen mit theologischen Inhalten und Metaphern, aber auch mit wissenschaftlichen Erkenntnissen vermengt“ (S. 140). Daniela Blum lenkt den Blick auf die Signaturen der Bilder / Druckbogen, die Ausdruck der Selbststilisierung ist, aber auch Verweis auf den Tod Jesu. Der Band wird mit einer bildmeditativen Betrachtung (Daniela Blum) und Aufnahmen einer Tanzchoreographie mit Clemens Fröhlich bei der ‚Blauen Finissage‘ beschlossen.
Wer diesen Band immer wieder aus dem Regal ziehen kann, der hat damit einen Glücksfall getroffen!

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Beispiel für ein Hygienekonzept Kirchenführung und Selbstauskunftbogen

Der Arbeitsbereich Kirche und Tourismus in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern hat ein Hygienekonzept für Kirchenführungen im Arbeitsbereich sowie einen einfachen Selbstauskunftsbogen mit Hygieneregeln für Teilnehmer*innen an Kirchenführungen herausgegeben, das der Bundesverband in Absprache mit den Herausgebern auf seiner Homepage veröffentlicht. Es dient als Anregung für eigene Entwürfe, die mit den eigenen landeskirchlichen bzw. diözesanen resp. staatlichen Regelungen in Abstimmung gebracht werden müssen.

Hier finden Sie das Hygienekonzept 

und hier den Selbstauskunftbogen

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