Kirchenpädagogik aktuell Infobrief Mai 2022

 

Sehr geehrte Damen und Herrn, 

Liebe Mitglieder des Bundesverbandes, 

mit dem Wonnemonat Mai regen sich langsam, aber doch sicher wieder die kirchenpädagogischen Aktivitäten. Vielleicht sind wir noch ungewohnt mit diesen neuen oder wiedererlangten Möglichkeiten und doch freue ich mich als Redakteur des Infobriefes über Informationen und Angebote. Schreiben Sie einfach mal wieder (Mail-Adresse s. u.)

 

Ihr Christoph Schmitt

Redaktionsschluss für Mitteilungen und Informationen der nächsten Ausgabe (bitte notieren und gegebenenfalls Informationen an mich senden): Mittwoch, 15.06.2021 (erscheint Juli 2022) 

Ein Blick durchs Land …

SAVE THE DATE:

Die diesjährige Jahrestagung des Bundesverbandes findet in Münster statt, vom 22. bis 24.09.2022.

 

20 Jahre Kirchenführerausbildung - 26 neue Absolvent:innen erhalten Anfang April einen Abschluss mit Zertifikat. Mit einem feierlichen Gottesdienst in der Ev. Kirche in Hattingen / Winz-Baak endete der 9. Durchgang der Kirchenführerausbildung des Ev. Erwachsenenbildungswerkes Westfalen und Lippe e.V. (EBW). Coronabedingt wurden es in diesem Jahr-gang 24 Monate statt 14. Die Teilnehmenden aus Rheinland, Westfalen und Lippe waren nicht aufzuhalten: Am Ende hat-ten alle eine spannende einstündige Kirchenführung konzi-piert, schriftlich dargelegt und diese dann live in der Kirche ihrer Wahl durchgeführt. Thematisch schlägt der Kurs den weiten Bogen vom kunstgeschichtlichen Wissen über pädago-gische bis hin zu spirituellen Themen. „Angebote in offenen Kirchen wie Kirchenführungen sind eine große – bislang manchmal unterschätzte – Chance für unsere Gemeinden“, meint Antje Rösener. Deshalb wird es einen 10. Durchgang geben: im Herbst 2023. Voranmeldungen sind ab sofort möglich. info@ebwwest.de

 

Treffpunkt Kirchenpädagogik : Kirchenpädagogik in Zeiten der Digitalisierung. Für kirchenpädagogische Fachkräfte, haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter:innen in Kirchengemeinden sowie Religionslehrkräfte und Interessierte bietet Matthias Hülsmann beim diesjährigen Treffpunkt 2022 Impulse und Workshops aus der Praxis für die Praxis, die zum Aus-tausch anregen wollen: Methoden, Bausteine und Ideen für neue Entwicklungen und Herausforderungen in der Kirchenpädagogik. Die Referentin für Kirche und Tourismus und für Kirche unterwegs im Haus kirchlicher Dienste in Hannover, Pastorin Antje Wachtmann, wird eine Einführung in das The-menfeld geben. Zeit und Ort: 13.05.2022, 15:00 Uhr, bis 14.05.2022, 16:00 Uhr, im Religionspädagogischen Institut Loccum (Uhlhornweg 10-12; 31547 Rehburg-Loccum). Infos und Anmeldung unter www.religionsunterricht-in-niedersach-sen.de/praktisch/fortbildungen/kirchenpaedagogik/termin;

 

Das Zentrum Bildung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau hat auf ihrer Internetseite eine Zusammenstellung von Links, die für Kirchenpädagog:innen nützlich sein können: www.erwachsenenbildung-ekhn.de/arbeitshilfen/links/kirchenfuehrung/. 

 

Hamburg weiht erste Kinderkathedrale ein: Ende April wurde in der Bramfelder Simeonkirche in Hamburg die erste Kinderkathedrale eingeweiht. Statt Kirchenbänken sind jetzt klei-ne Stühle, Tische, Spielgeräte und ein Tipi angesagt. Künftig sollen Kinderaktivitäten und Gottesdienste für junge Familien angeboten werden. Erste Ideen wurden schon im vorigen Sommer ausprobiert: Erzählwerkstätten für Schulklassen etwa, bei dem einen Tag lang Klassen aus Bramfeld und anderen Stadtteilen die Kirche nutzen können. Jeden Mittwoch ist die Kirche drei Stunden für alle geöffnet. Die Kinderkathedrale möchte Freiraum bieten für Fragen, Ausprobieren und Erzählen, heißt es im Konzept der Gemeinde.
CS: Vielleicht ist es auch ein Ansatz für kirchenpädagogisches Tun.



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Mitgeteilt

Der Katholikentag rückt näher. In gut drei Wochen ist es so-weit und Stuttgart begrüßt einige Tausend Besucher:innen. Auf der Kirchenmeile wird der Stand des Bundesverbandes vertreten sein (DO 11 bis 19 Uhr, FR 10:30 bis 19 Uhr und SA 10:30 bis 18 Uhr; jeweils auf der Kirchenmeile im Bereich Ökumene: 1-LH-21). Von den württembergischen Kirchenpädagog:innen wird es ein Angebot geben am FR zwischen 14 und 15:30 in der evangelischen Johanneskirche (Gutenbergstraße 16) "Kirchenraum als Er-Lebensraum erfahren". Das zweite Angebot für den Samstag entfällt.

 

Das Netzwerk Kirchenführung Österreich lädt über die ARGE Kirchenpädagogik, Bereich Kultur und Dokumentation der Österreichischen Ordenskonferenz ein zur diesjährigen Kirchenpädagogischen Fachtagung vom Freitag, 20.05. bis Samstag, 21.05.2022 in Salzburg (Kapitelplatz 6, Kapitelsaal der Erzdiözese). Der Blick geht in diesem Jahr auf "Kunst  Glaube Jugend Pastoral" und die Veranstalter laden zum Aus-tausch ein über die Möglichkeiten, die Kunst und Glaube verbindet. Junge Erwachsene und Pastoral, Jugend, Kunst und Glaube, kann das gut gehen? Am Beispiel von „lebendige Steinen“, einer Gemeinschaft an jesuitischen Jugendgruppen in vielen Städten Europas und Amerikas wird eine Antwort auf diese Fragen versucht. „Wenn dich jemand fragt: 'Zeig mir deinen Glauben!', dann nimm ihn mit in eine Kirche, zeig ihm ihren Schmuck". - Anmeldung über www.katholisch.at/sprechensteine; Teilnahmebeitrag € 29. Übernachtungsmöglichkeiten gibt es im Johannes-Schlößl der Pallottiner (Mönchsberg 2, 5020 Salzburg, +43 662 846543 0; office-salzburg@pallottiner.at). Das Programm ist einsehbar unter: www.ordensgemeinschaften.at/kultur/images/aktuell/2022/2022_fachtagung_kirchenpaedagogik_programm_.pdf. 

 

Vom Durchschreiten der Welt (des Glaubens): Pilgerwege, Labyrinthe, Wallfahrten und Prozessionen. Tagesseminar für Liebhaber von Kunst und Kirchen. Was in früheren Zeiten für viele Menschen Notwendigkeit war, ist heute ein Freiraum für Fitness oder Selbstfindung. Das „Auf-dem-Weg sein“ ist eine mächtige Metapher für das Leben und den Glauben, der viele Menschen in kleinen und großen Pilgerzügen, manche sogar in einer lebenslangen Pilgerfahrt, nachgegangen sind. Auch kurze Wege im Rahmen der Gottesdienste oder im Kreuzgang eines Klosters, selbst das Durchschreiten eines Labyrinths dienen der gleichen meditativen Versenkung wie der weite, gefahrvolle Gang nach Santiago de Compostella. Im Seminar geht es um Beispiele vergangener Glaubenswege und um mögliche Potentiale für unsere Zeit. Leitung: Dr. Hildegard Erlemann (Kunst- und Kulturhistorikerin), Termin: 11.06.2022, 10.00 - 16.30 Uhr, Dortmund; Info und Anmeldung unter: https://www.ebwwest.de/e-b-w/produkt-detail/bildungsangebot//vom-durchschreiten-der-welt-des-glaubens-pilgerwege-labyrinthe-wallfahrt.html . 

 

 „Geschichten, die das Licht erzählt“ stehen im Fokus des Wochenendseminars vom Freitag, 8. bis Sonntag, 10. Juli 2022. Regina Ibanek und Doris Wimmer-Hempfling bietet diese kirchenpädagogische Fortbildung im CVJM-Tagungshaus in Kassel an. Es wird sich alles um alte und neue Kirchenfenster drehen. „Danach sehen Sie mehr als Striche und Risse im Fenster!“ versprechen die Referentinnen. Der Anmeldeschluss war Anfang April, aber es lohnt sich bei Interesse nachzufragen, ob es noch einen freien Platz gibt.  Kontakt Regi-na.Ibanek@ekkw.de; www.ekkw.de/erwachsenenbildung; Tel.: 0561  93 78 449. 

 

Kirche trifft Kunst - vom 17. bis 20.10.2022 in Bamberg: Kunst als Kraftwerke für Dialog und Verkündigung. Das Hauptreferat Kunst und Kultur in Bamberg lädt zusammen mit der Fort- und Weiterbildung Freising und der KEB im Erzbistum Bamberg zu einer besonderen Fortbildung ein. An vier dichten Tage wird die Möglichkeit bestehen, mit Kunst in all ihren Facetten, von der darstellenden Kunst (zB. Lüpertz Glasfenster) bis zur Perfomance (Kai Christian Moritz), von einer Lesung mit Nora Gomringer bis zur Entdeckungsfahrt in einem Austausch und in Auseinandersetzung zu kommen und dabei der Bedeutung für die Arbeit in der Seelsorge auf die Spur zu kommen. Das Bistum Bamberg bietet dazu zahlreiche Kunstschätze. Neben Einführungen in theologische und künstlerische Dimensionen wird Gelegenheit sein, mit Künstler*innen unmittelbar in Kontakt zu treten. Theologische Expertise, pastorale Praxis und künstlerische Vielfalt werden in dieser Fortbildung ein Netzwerk zeigen, das Kunst als Kraftwerk für den Glauben erfahrbar macht. Die Veranstaltung findet statt in Bamberg, Haus St. Otto (Heinrichsdamm 32, 96047 Bamberg). Anmeldung über www.fwb-freising.de. 

 

Die Fachstelle Kirchenpädagogik und Tourismus im Kirchenkreis Hamburg-Ost unter Leitung von Julia Mayer bietet ein interessantes Angebot: "Nacht der Kirchen". Dabei geht es um einen Online-Rundgang durch Hamburger Hauptkirchen: Pilotprojekt Online-Special „Raumgenuss“. Mit einem Klick dabei sein, Besucher*in der Nacht der Kirchen werden und Hamburger Hauptkirchen virtuell kennenlernen. Über Zoom einen Mix aus Raumbildern, Drohnenaufnahmen und Redebeiträgen mit spannendem Bildmaterial erleben. Eine Graphic Recorderin hält in Live-Zeichnungen die Erlebnisse und Ge-spräche des Abends fest. Termine sind 18.09., 19:30 bis 21:00 Uhr – Online-Special I: Hauptkirche St. Jacobi und  18.09., 21:30 bis 23:00 Uhr – Online-Special II: Hauptkirche St. Nikolai. Anmeldung (pro Special) über J. Mayer[at]Kirche-Hamburg-Ost.de.

 

 

Aufgelesen

Björn Hirsch, „Verströmt Wohlgeruch wie Weihrauch!“ (Sir 39,14). Die zap:aerothek beinhaltet Kirchendüfte für unterschiedliche Anlässe. In: Gottesdienst 56 (2022/Heft 10) 109ff. 

Dazu mehr unter zap-aero-thek.de zap:aerothek besteht aus vier Düften, die eigens zu ge-prägten Zeiten im Kirchenjahr kreiert worden sind. Eine kompakte und moderne Duftmaschine bringt die Düfte dezent in den Kirchenraum ein und sorgt für ein besonderes Duft-Erlebnis in spirituellen Räumen.“ Vier Düfte sind es, die eingesetzt werden: PHYSIS für Weihnachten, KENOSIS für Ostern, DYNAMIS für Pfingsten und PHRONESIS für den Alltag.

 

Körper und Kirche. Symbolische Verkörperung und protestantische Ekklesiologie, hrsg. von Philipp David, Thomas Erne, Malte Dominik Krüger, Thomas Wabel, (=Hermeneutik und Ästhetik; 1), Leipzig : Evangelische Verlagsanstalt 2021. 616 S. Paperback. ISBN 978-3-374-06331-4.  

Der Sammelband mit Beiträgen von Philipp David, Jörg Dierken, Katharina Eberlein-Braun, Thomas Erne, André Flimm, Alexandra Grund-Wittenberg, Marcus Held, Matthias Jung, Isolde Karle, Anton Friedrich Koch, André Munzinger, Magnus Schlette, Maike Schult, Malte van Spankeren, Thomas Wabel, Johannes Weth, Jonathan Wieder und Ruben Zimmermann geht auf eine Tagung „Körper und Kirche. Symbolische Ver-körperung und protestantische Ekklesiologie“ im Mai 2019 in Marburg zurück. 18 Beiträge aus verschiedenen theologischen Disziplinen entfalten das Thema unter den Hauptrubriken „(Ver)Körper(ung) und Religion“, „(Ver)Körper(ung) und Gemeinschaft“, „(Ver)Körper(ung) und Raum“ sowie unter „(Ver)Körper(ung) und Praxis“. Ich möchte die Bedeutung dieses Bandes an dieser Stelle beispielhaft mit Blick auf die Beiträge des Abschnittes „(Ver)Körper(ung) und Raum“ vor-stellen. Alexandra Grund-Wittenberg nimmt die Raumthematik in alttestamentlichen Texten in den Blick und zeigt an der Symbolik des Zentrums, dass biblische Texte Gott sowohl angesichts kosmischer wie sozialer Bedrohungen in einer ortsbezogenen Metapher vorgestellt wird (feste Burg), weil Gott letztlich alle Burgen überflüssig machen wolle. Beim ersten Schöpfungsbericht wird deutlich, dass der Mensch als Repräsentationsstatue Gottes (Bild Gottes) aufgefasst wird, nicht aber als Kult-Statue. Es zeige sich, dass die Körperlichkeit Gottes in der theologischen Entwicklung zur Präsenz im Wort führe, wobei die Tora-Rolle die körperliche Präsenz repräsentiere. Thomas Wabel führt auf eine nicht nur für evangelische Leser:innen lesenswerte Reise in die Kirchenraumwahrnehmung: Raum und Richtung. Wechselwirkungen von Kirche und Körper in der Erfahrung des Kirchenraums und bei Martin Luther. Er lenkt den Blick darauf, wie das Zusammenwirken räumlichen und geistlichen Sichausrichtens in der Erfahrung des Kirchenraums in physischer Präsenz aussieht. Nimmt man den Ausgangspunkt bei der Wirkung des Raumes vom anthropologischen Phänomen leibkörperlichen Sich-Ausrichtens her, wird in der leiblichen Verortung des Menschen bewusst, woran sich der Baumeister orientierte. Dieses Sich-Orientieren dient der Selbst-Verortung, denn für den Menschen als sym-bolverwandelndes Lebewesen sind geistige Vorgänge unhintergehbar verkörpert (vgl. S. 326). Der Raum als erlebter Raum wird durch Bewegung erschließbar und dazu gibt es die physiologischen Ursachen etwa in der optischen Wahrnehmung von Blickachsen. In ihnen zeigt sich das grundlegende Prinzip der Weltordnung und der Vorgang der Ordnung und Orientierung wird in ihrer kosmologischen wie religiösen Dimension körperbezogen (S. 331). Die „bauliche Gestaltung von Kirchenräumen in der christlichen Architekturgeschichte bearbeitet […] eine anthropologische Grundgegebenheit und bringt den Zusammenhang zwischen leiblichen Ausrichtungen und der inneren Haltung […] zum Ausdruck“ (S. 332). Eine religiöse Architektur suggeriere dann auch die Bewegungsrichtung als Überschreiten des diesseitigen Raumes (vgl. S. 333), womit eine eschatologische Perspektivierung gewonnen werde. Dass eine solche körperliche Ausrichtung des Menschen im Raum sich auf die geistige/geistliche Ausrichtung auswirkt, zeigt Thomas Wabel an Beispielen aus Luthers Predigten auf. Es zeigt sich, dass der Weg durch das Gebäude ein Weg von außen nach innen ist, also analog ein Weg ins Innere des Glaubens. Entlang der Gebäudeachsen entwickelt sich eine eschatologische Perspektivierung, die mit der Richtung des Blicks gegeben wird. Diese Wahrnehmung des Raumes spiegle sich in lebensbedeutsamen Szenen wider. Für Luther sei der Kirchenraum nicht unerheblich und er sei sich dieser Wirkung des Raumes bewusst gewesen. Die Bewegung durch den Raum und auch wieder heraus werde durch einen sinnenhaft dargestellt, wobei im Innenraum die zunehmende Annäherung an den Chorraum eine Intensivierung des geistlichen  Lebens abbilde. Der umgekehrte Weg führe vom Glauben in Lust und Liebe zu guten Werken. Die theologische Relevanz leiblicher Präsenz werde nicht durch den Raum an sich bestimmt, sondern weil der Mensch im Raum sei. „Das Erleben von Gottes Präsenz im Raum ist ein in ästhetischen Kategorien präzise beschreibbarer Vorgang, da mit dem Gerichtetsein akustisches [Wort Gottes] und visuelles Erleben […] koinzidiert“ (S. 344). Es bedürfe eines Zeichens für Gottes Gegenwart, da „die Begegnung mit Gott […] mehr [ist] als nur ein gedanklicher Vorgang oder eine Erinnerung“ (S. 347). So finden sich bei Luther richtungsbezogene Metaphern, die für den Blick auf Christus wichtig sind. Die Ausrichtung des Lebens im Gottesdienst sei auch räumlich, sinnfällig symbolisiert. Kirchengebäude tragen eine Verheißung eines Weges in sich, der im Hier und Jetzt beginnt und über die baulichen wie biographischen Grenzen hinausführt und damit eine „verändernde Kraft entfaltet, indem sich der Mensch auf den Horizont dieses Weges hin ausrichtet“ (S. 361). „Ungleich stärker als der bloße Inhalt des Gelesenen oder Gehörten haften das innere Bild des Kirchenraumes, die eigene Position im Raum und die Ausrichtung gegenüber dem geistlichen Inhalt, der sich in diesem Raum verkörpert, im Gedächtnis. Räumliche Szenarien und die Erinnerung daran haben Teil an der Verkörperung geistiger Gehalte“ (S. 361-362). „Der von Menschen aufgerichtete Kirchenbau ist […] gleichermaßen Ausdruck der Erfahrung von Gottes Gegenwart, wie er zum Anlass für die Gotteserfahrung anderer werden kann. Einerseits kann ein Gottesdienstraum den Menschen also zu Gott hinführen, andererseits kommt in ihm baulich zum Ausdruck, dass Gott alle leibräumlichen Zusammenhänge transzendiert“ (S. 363). Auch der Beitrag von Malte van Spankeren, „Der aufgeklärte Kirchenraum. Pastoraltheologische und architektonische Impulse der Aufklärungszeit“ führt in die Geschichte des Kirchenbaus und berührt dabei die Frage, welchen Grundgedanken ein Kirchenbau als „aufgeklärter Kirchenraum“ folgen muss, nämlich das Bestreben, Erleuchtung widerzuspiegeln und Andacht zu fördern, wozu die Räume würdig, hell und schlicht sein und „Freudigkeit“ aus-strahlen sollten. Thomas Erne skizziert im Beitrag „Kirchenbau der Moderne als Verkörperung von Kirche“ wichtige Beiträge der letzten beiden Jahrzehnte im protestantischen Kontext und stellt zwischen ihnen Korrelationen her, die die Fragestellung akzentuieren. Seine Ausgangsthese, dass „der menschliche Körper für den Kirchenbau […] operativ zentral, aber thematisch unauffällig sei“ (S. 386) bezieht er auf den protestantischen Kirchenbau, für den das Eisenacher Regulativ und das Wiesbadener Programm ebenso wichtig waren wie Gur-litts Satz, dass die Liturgie Bauherr der Kirche sei.  Er verweist darauf, dass die „Diskretheit des Körpers im modernen Kirch-bau zu einem Mangel an Aura und Atmosphäre [führe], Qualitäten, die das leibliche Erleben von Räumen betreffen“ (S. 389). Ausgehend von der Auseinandersetzung mit der raum-soziologischen Theorie Martina Löws unterstreicht Erne, dass Kirchengebäude „das Resultat der religiösen Kommunikation […] und nicht umgekehrt“ sind und dem Subjekt im Raum sei es eigen, das es sich selbst platzieren könne gegenüber anderen Körpern, die platziert werden. „In Kirchenräumen wird dieser Umschlag vom Positionieren des Selbst zum Positioniertseins des Selbst zum exklusiven Ziel der räumlichen Gestaltung“ (S. 395); Kirchen können Orte sein, „die das Zusammenspiel von symbolischer Weltordnung und subjektiver Selbstverortung kultivieren“ können (S. 397). Da menschliche Körper nicht einfach wie Sachen angesehen werden können, nimmt Erne Gedanken von John Dewey auf, durch den es möglich ist, auch verkörperlichte Gefühle zu bekunden. Das erweise sich als hilfreich, um die Reaktion von Besuchern eines Kirchenraums als Antwort auf die im Kirchbau verkörperlichten Gefühle zu verstehen, aber auch dem Verstehen „verkörperlichter Gefühle […] als Leitfaden für die Arbeit der Architekten“ (S. 398) zu dienen. Schließlich sei noch auf den umfangreichen Beitrag von Philipp David, „Kirche als corpus permixtum. Ikonische Verkörperungen einer negationsdialektischen Denkfigur“ hingewiesen. „Zu den erfahrbaren Erscheinungen von Kirche gehören nicht nur die sich leiblich versammelnde Glaubensgemeinschaft, sondern auch das Außen und Innen von Kirchengebäuden, die ‚über eine spezifische Öffentlichkeitsdimension [verfügen], die über die Gottesdienstgemeinde im engeren Sinne hinausreicht und in Spannung zu ihrem Verständnis als Funktionsorte für den gemeindekirchlichen Gottesdienst und eine mit den Kirchengebäuden in Beziehung stehende Kunstpraxis.“ (S. 412f.). An drei ikonografischen Beispielen illustriert David diese Spannung und es wird erkennbar, dass „in der Bildkunst […] das Wissen um die eigene Unverfügbarkeit und die Fragilität der Ordnungsgefüge zum Ausdruck“ kommt (S. 413). Bei den Beispielen handelt es sich um die Skulptur „Kristus“ von Bertel Thorvaldsen in Ko-penhagen, die eine erstaunliche Rezeption gefunden hat, deren Gründe Ph. David skizziert; die Erschließung der Skulptur öffnet die Augen, wie die Verbildlichung von Trost und Jesu Liebe und Demut sich verkörpert und den Menschen berührt. Ernst Barlachs Geistkämpfer vor der Kieler Universitätskirche ist das zweite Beispiel, das die Gefährdung der menschlichen Zivilisation, die Fragilität der Ordnung menschlichen Zusammenlebens verkörpert. Das letzte Beispiel entstammt dem 21. Jh. Und findet sich im Zürcher Grossmünster als Fenster von Sigmar Polke, das sog. Menschensohn-Fenster. Die drei Beispiele sind für David Ausdruck, dass „die Kirche nie anders denn als Mischkörper vorkommt und spannungs-voll mit der Welt verstrickt ist“ (S. 461); idealerweise setze sich Kirche mit den zeitgeschichtlichen Gegebenheiten auseinander und „schreibt sich die eigene Relativität in und an ihre eigenen Räume ein und hält auch eine nicht religiöse Deutungsoffenheit für ihre Inhalte bereit“ (S. 461). In der Konsequenz bedeutet die Anerkennung der eigenen Relativität, dass Kunst in der Kirche eine ideologiekritische Atmosphäre verkörpert, mit offenen Assoziationen und Mehrdeutigkeitswahrnehmung, „in dem in das Aushalten des Unangepassten und Unfassbaren, des Unverfügbaren, Ungewissen und Widerständigen eingeübt wird“ (S. 461). Religion brauche Bedeutungsvielfalt und Toleranz gegenüber Ambiguitäten und könne mit dieser Fähigkeit den Sinn für Komplexität und den Umgang mit Kontingenz fördern. Zu solchem Ambiguitätstraining gehöre die Kunst, denn deren Qualität zeige sich darin, dass beim wiederholten Anschauen sich diese immer wieder anders zeigen. Das komme gerade dem entgegen, dass Kunst und Kirche etwas Unfassbares darstellen wollen, was sich ins auch immer wieder ins Verborgene entziehe. „Mit dem in der Moderne vermehrt wahrgenommenen zunehmenden Entzug Gottes, Christi, des Geistes und des Menschen selber machen die drei […] vorgestellten Kunstwerke mit ihrer Ambiguitätserfahrung darauf aufmerksam, dass der Mensch angesichts der tiefgreifenden ‚Gott-ist-tot-Erfahrung‘ im Grunde allein ist und mit den gestellten Frage nach sich selbst noch am Anfang steht.“ (S. 463f.).

Heilige Räume: Tempel - Kirchen – Synagogen. Heft 1, 2022 der Zeitschrift Welt und Umwelt der Bibel (Nr. 103), Stutt-gart : Katholisches Bibelwerk e. V.

Das Heft befasst sich mit Orten, an denen „der Himmel die Erde berührt“. Unter den gut illustrierten Beiträgen werden sich u.a. folgende Themen behandelt: Katharina Heyden, Was Räume heilig macht. Spirituelle Erfahrung in architektonischer Form; Johannes Hahn, Räumungsklage gegen Götter. Heilig-tümer zerstören als Mittel der Kriegsführung; Michael Höl-scher, Zwischen Tempel, Synagoge und Haus. Heiliger Raum im Neuen Testament; Andreas Müller, Himmel auf Erden. Heiliger Raum in orthodoxen Kirchen; Georg Röwekamp, Einmal heilig – immer heilig? Übernahme, Umwandlung und gemeinsame Nutzung von heiligen Räumen; Annette M. Boeckler, Lernen – Leben – Loben. Die Synagoge als heiliger Raum?; Yves Porter, Ein Ort des „sich Niederwerfens“. Die Moschee – Ursprünge und Entwicklung; Susanne Gillmayr-Bucher, Raum schaffen. „Spatial Turn“ in der alttestamentlichen Bibelwissenschaft; Sven Sabary, Welche Kirche braucht die Kirche? Vielfalt und Bedeutung kirchlicher Räume; Herbert Fendrich, Heilige Orte – ganz profan! Überraschende Entdeckungen an Maas und Ruhr. 

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Beispiel für ein Hygienekonzept Kirchenführung und Selbstauskunftbogen

Der Arbeitsbereich Kirche und Tourismus in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern hat ein Hygienekonzept für Kirchenführungen im Arbeitsbereich sowie einen einfachen Selbstauskunftsbogen mit Hygieneregeln für Teilnehmer*innen an Kirchenführungen herausgegeben, das der Bundesverband in Absprache mit den Herausgebern auf seiner Homepage veröffentlicht. Es dient als Anregung für eigene Entwürfe, die mit den eigenen landeskirchlichen bzw. diözesanen resp. staatlichen Regelungen in Abstimmung gebracht werden müssen.

Hier finden Sie das Hygienekonzept 

und hier den Selbstauskunftbogen

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Ansprechperson für den Newsletter

Christoph Schmitt
E-Mail: Newsletter@bvkirchenpaedagogik.de