Kirchenpädagogik aktuell Infobrief November 2021

Sehr geehrte Damen und Herrn,
Liebe Mitglieder des Bundesverbandes,

in Kürze erhalten Sie die Ausgabe der Zeitschrift KirchenPädagogik, zuvor aber noch einige Informationen, die ich in den letzten Wochen erhalten bzw. aufgesammelt habe.

Herzliche Grüße
Ihr Christoph Schmitt

 

Redaktionsschluss für Mitteilungen und Informationen der nächsten Ausgabe (bitte notieren und gegebenenfalls Informationen an mich senden): 15.12.2021 (erscheint Januar 2022)

Ein Blick durchs Land …

(1) Ein Blick durchs Land …

Die Kirchenpädagogik in Württemberg hat in den letzten Tagen ihr Jahresprogramm 2022 online gestellt (https://www.kirche-raum-paedagogik.de). Ergänzend zum Basiskurs (23.3. – 26.3.2022 Diakonissenanstalt Stuttgart) finden sich 7 Seminare, teilweise präsent, teilweise hybrid, teilweise ganz als online-Angebot zu Arbeitsbereichen wie Erkundung mit Kindern, Baustilen (Romanik, Barock und Brutalismus), Lightpainting, ein Methodenseminar und ein online-Seminar zur Darstellung des Bösen. Nähere Informationen bei Kirche in Freizeit und Tourismus, Geschäftsstelle der Ökumenischen Kirchenführerausbildung, Grüninger Str. 25, 70599 Stuttgart, Michael Schock (michael.schock@elk-wue.de), Sekretariat: Michaela Krapf, 0711 45804-9414, michaela.krapf@elk-wue.de.

Leider nur gelesen, aber doch als interessant fand ich ein dreitägiges Veranstaltungsangebot Mitte Oktober zum Thema "Äußere und innere Räume – Perlen des Glaubens in Kirchenraum und Gottesdienst“, veranstaltet vom Christian Jensen Kolleg. In der Ausschreibung war zu lesen: "Mithilfe der „Perlen des Glaubens“ entdecken wir die Symbolik und Mystik kirchlicher Räume und das damit verbundene „Spiel“ von Andacht und Liturgie. Damit einher gehen Elemente der Kirchenpädagogik und die Gestaltung von Pilgerwegen. So ergeben sich neue Arbeitsformen für Glaubenskurse und die Erschließung von Lebensräumen in Stadt und Natur aus anderem Blickwinkel." Geleitet wurde das Seminar von Pastorin Kirstin Faupel-Drevs (Spiritualin der Perlen des Glaubens vgl. www.perlensuche.com) und Pastorin Katharina Gralla (Gottesdienstinstitut der Nordkirche).

Die evangelischen Schuldekane in Heilbronn und Öhringen werben für einen Zugang zum Thema "Die Weihnachtskrippe im Kirchenraum" und wollen sich im Workshop mit der Geschichte der Weihnachtskrippen und ihrer Verortung im Kirchenraum beschäftigen. "Dabei bedenken wir den eigenen Bezug zur Krippe und was diese Darstellung der biblischen Weihnachtsgeschichte für unsere Schüler*innen im Religionsunterricht bedeuten kann. Aus kirchenpädagogischer Sicht werfen wir einen Blick auf den Kirchenraum im Kirchenjahr." (https://www.schuldekane-hn-oe.de/website/de/veranstaltungen/veranstaltungen_allgemein#20-21-2-0K1).

Ein Touchtable ermöglicht seit September die evangelische Kirche in Oberstdorf im neuen Licht wahrzunehmen. Der multimediale Kirchenführer ist ein Pilotprojekt, die Erfahrungen mit ihm sollen ähnliche Projekte in touristisch geprägten Orten und Citykirchen zugutekommen. Das Touchtable bietet eine ganze Reihe von Features, u.a. Orgelstücke hören oder sich Choral-Karaoke probieren, Informationen über den Raum, ein bebilderter Zeitstrahl mit Augenzeugenberichten von der Zeit der ersten Protestanten im Allgäu bis zum heutigen Gemeindeleben. Ein besonderes Highlight sind die beiden Computerspiele, von Studierenden der Ludwig-Maximilians-Universität München in einem Informatik-Seminar für die Christuskirche entwickelt, mit der Kinder von der Kirchenelster Kira virtuell durch die Kirche geführt werden. Und noch etwas Spielerisch-Besonderes ist die Möglichkeit, den Kirchenraum in verschiedene Farben zu tauchen. Angestoßen hatte das Projekt Thomas Roßmerkel von der Abteilung Kirche und Tourismus.

Die Theologische Fakultät an der Universität Leipzig veranstaltete Ende September, organisiert vom Lehrstuhl Praktische Theologie, die interdisziplinäre Tagung "Diakonische Kirchen(um)nutzung". Die Tagung steht im Kontext eines Teilprojekts der DFG-Forschungsgruppe „Sakralraumtransformation. Funktion und Nutzung religiöser Orte in Deutschland“ (https://transara.de) und legt den Fokus auf hybride Nutzungsformen im ostdeutschen Kontext. Es gibt prominente Beispiele (Aachen und Leipzig) dafür, dass Kirchen(um)nutzung nicht nur kommerziell oder kulturell erfolgt, sondern auch diakonisch bzw. gemeinwesenorientiert erfolgen kann. Dabei soll auch die implizite Diakonizität von Kirchenräumen reflektiert werden, wie sie dort zeigt, wo Kirchenräume als offene Räume der Gastlichkeit, als Schutzräume, als Orte grenzüberschreitender Gemeinschaft etc. genutzt und erlebt werden – in Citykirchen, Gemeindezentren und Dorfkirchen. Forschungsansätze aus Liturgiewissenschaft und Kirchentheorie, Philosophie und Raumtheorie, Architektur, Immobilienwirtschaft, Denkmalschutz und Kunstgeschichte sollen eine praxisrelevante „Theorie des sakralen Raumes“ im 21. Jahrhundert erarbeiten. Vermutlich werden die Ergebnisse wie bei früheren Tagungen zu einem späteren Zeitpunkt publiziert. Ende November wird eine Tagung stattfinden mit dem Fokus: “Landliebe” – Potenziale ländlichen Kirchen(um)baus (29.11.2021, Schwerte).

Die Gemeinde der Königin-Luise-Kirche in Berlin veranstaltet im Rahmen ihrer Renovationsarbeiten an der Kirche eine Veranstaltungsreihe. Sie sollen in einem Prozess gemeinsamen Nachdenkens dazu beitragen, Grundfragen der Beziehungen zwischen Theologie und Kirchenraum zu klären: "Wodurch werden Kirchen zu sakralen Räumen? Welche Botschaften sendet ein Kirchenraum? Wie wird der Raum von Besuchenden bei Gottesdiensten, Veranstaltungen oder im Vorübergehen erlebt?" Durch die Beschäftigung soll die Kirche Zentrum des Gemeindelebens bleiben und neuen Herausforderungen entsprechen können. An den drei Abendveranstaltungen sind vorgesehen: "Der Kirchenraum, seine Sprache und was Menschen darin wahrnehmen" (Oberkonsistorialrat Dr. Clemens W. Bethge, EKBO, Berlin), "Was zeichnet einen Kirchenraum aus – und was macht er mit uns? Annäherungen aus der Praxis" (Kirchenoberbaurat i.R. Matthias Hoffmann-Tauschwitz) und "Wie erleben wir Kirchenräume? Welche Eindrücke hinterlässt die  Königin-Luise-Kirche? Welche Erwartungen sind da, welche künftigen Akzente sinnvoll?".

"Wie sakraler Raum gelingen kann" steht als Frage über einer Tagung, die für die ästhetische Gestaltung von Kirchenräumen sensibilisieren will und am 13.11.21 im Wilhelm-Kempf-Haus in Naurod stattfindet. VertreterInnen aus Theologie, Architektur und Phänomenologie kommen darüber ins Gespräch, wie „sakraler Raum gelingen kann“. der zweite Tagungsteil lenkt den Blick auf die „Glaubensästhetik!“. Beteiligt sind als ReferentInnen der Kulturwissenschaftler Prof. Jürgen Hasse (Frankfurt), der Architekt Prof. Ulrich Königs (Wuppertal), Pfarrer Markus Krauth (Aschaffenburg), die Künstlerin Sonja Meller aus Linz und Dr. Stefan Scholz, Theologe und Studienleiter der Akademie Rabanus Maurus. Weitere Informationen unter www.keb-wiesbaden.de.

https://www.br.de/radio/bayern2/nachmieter-im-gotteshaus-profanierung-von-kirchengebaeuden-100.html. Anja Bischof und Albrecht Rauh haben auf der Seite von Radio Bayern einen Artikel zum Thema "Profanierung von Kirchengebäuden" eingestellt. Sie stellen zwei Beispiele aus Franken vor, aus Coburg und Lohr am Main.

 

 

Nach oben

Mitgeteilt

Qualifizierungsangebot "Kooperationsmanager*in kulturelle Bildung: Viele Verbände und kulturelle Einrichtungen haben sich mehr Teilhabe junger Menschen an kulturellen Bildungsangeboten und eine bessere Vernetzung auf die Fahnen geschrieben. Um das zu erreichen braucht es qualifizierte Mitarbeiter:innen, die das vor Ort begleiten. Das neue Qualifizierungsangebot "Kooperationsmanager*in kulturelle Bildung" der Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung (LKJ) Baden-Württemberg und der KA*Kollektiv GbR setzt genau da an: „Kooperationsmanager*innen kulturelle Bildung“ vernetzen lokale Jugend-, Kultur- und Bildungseinrichtungen sowie die kommunale Bildungs- und Kulturverwaltung. Sie machen sich dafür stark, dass alle Kinder und Jugendlichen aktiv und nachhaltig an Kunst und Kultur teilhaben und sich in verschiedenen künstlerischen Sparten kreativ erproben können. Sie unterstützen und begleiten die Initiierung, Planung und Umsetzung von kulturellen Kooperationsprojekten und deren Sichtbarmachung in der Öffentlichkeit. Informationen vermitteln zwei digitale Info-Veranstaltungen mit den Hauptreferent:innen: 25.11.2021, 9.30-10.30 Uhr; 18.01.2022, 18.30-19.30 Uhr. Anmeldung zu diesen Terminen bei Anja Fuhrmann, fuhrmann@lkjbw.de per Mail. Der Link zur Teilnahme wird dann kurz vor der Veranstaltung verschickt. Detaillierte Infos unter: www.lkjbw.de/kooperationsmanagerin/. 

Personalia

NACHRUF: „Bald ist es ein Jahr her, dass unser lieber Kollege Rainer Zimmermann aus Wien verstorben ist. Am 12. November 2020 hatte er erfahren, dass er Bauspeicheldrüsenkrebs hat. Nach bereits drei Wochen, am 4. Dezember 2020, ist er gestorben. Es ging unheimlich schnell. Rainer hatte keine Zeit mehr, sich von allen seinen Freunden und Bekannten zu verabschieden. So erfuhren wir vom Bundesverband auch erst Monate später von seinem Tod. Rainer liegt begraben am Wiener Zentralfriedhof: Gruppe 31B, Reihe 11, Grabnummer 19. Nie hätten wir bei seiner Probeführung des „Grundkurs Kirchenführung“, für die er sich die Kirche eben jenes Friedhofs ausgesucht hatte, gedacht, dass er schon wenige Jahre später dort beerdigt werden würde. In den letzten Jahren nahm Rainer regelmäßig an den Tagungen des BV teil, manchmal sogar als einziger Vertreter von Österreich. Oft verband er die Tagung mit einer Deutschlandreise, denn er wollte immer neue Kirchenräume kennenlernen und noch mehr historische Details zusammenbringen. Er hatte ein so umfangreiches Wissen von Geschichte und Architektur und so viel Freude beim Recherchieren. Aber auch für die Kirchenpädagogik war er zu begeistern. Für seine oben genannte Probeführung stellte er mit Bauklötzen die Entstehung des Zentralfriedhofs nach. Am Ende der Führung beschenkte er alle Teilnehmenden mit „Kokoskuppeln“, einer Wiener Süßigkeit, die tatsächlich so ähnlich aussieht, wie die Kuppel der Friedhofskirche. Rainer war auch im Religiösen ein suchender und fragender Mensch, der sich nicht scheute, seine Zweifel auszusprechen. Möge er jetzt Antworten gefunden haben auf seine Fragen und beim Gott der Liebe ein Zuhause für immer.“ (Ruth Pucher)


 

Aufgelesen

Reiner Sörries, Der frühchristliche Kirchenraum. Ikonographie – Ausstattung – Liturgie, Wiesbaden : Reichert Verlag 2020. 208 S., 154 farb. Abb., 16 s/w Abb., Broschur. 29,90 € ISBN: 9783954904297

Reiner Sörries, Pfarrer der Evangelischen Landeskirche in Bayer und seit 1994 Professor für christliche Archäologie und Kunstgeschichte an der Theologischen Fakultät der Universität Erlangen-Nürnberg lebt und wirkt in Kröslin an der Ostsee. Mit dem vorliegenden Band gibt er einen Einblick in einen seiner Forschungsschwerpunkte. In sieben Kapiteln lenkt er den Blick auf eine Phase des Kirchbaus und des Kirchenraums, von dem wir heute im Wesentlichen nur auf Fragmentarisches schauen können. Die Lektüre des Buches machte mir klarer, dass das Bemühen um das Verstehen dieser Fragmente des ersten Jahrtausends einen wichtigen Beitrag dazu liefert, unsere heutigen Kirchenräume, ihre Wahrnehmung und Nutzung besser verstehen zu können, auch wenn dies durch viele Jahrhunderte transformiert wurde. Die archäologischen Funde zu verstehen und  sie mit literarischen Zeugnissen in Beziehung  zu bringen ist gewiss keine abgeschlossene Aufgabe. Sörries Buch aber gelingt es, auf gut lesbare Weise diese Inhalte den heutigen Lesenden nahe zu bringen. Dazu trägt auch ein Glossar bei, wo die Lesenden sich schnell über Fachbegriffe informieren können. Die Lesbarkeit wird auch unterstützt durch einen umfangreichen Abbildungsteil (118 Aufnahmen auf 79 Tafeln). Überdies fügt er drei Ausschnitte von Quellentexten bei (aus der syrischen Didaskalie, den Apostolischen Konstitutionen und aus der Kirchengeschichte des Eusebius) in klassischen Übersetzungen bei. Mit dem ersten Kapitel begibt sich der Vf. mit seinen Lesenden auf die Spur, wie aus der paganen Basilika ein Kirchenraum wurde, der konkurrenzfähig zu den zeitgenössischen Tempeln sein konnte. Dabei stellt sich die Frage, ob es auch vorkonstantinisch schon eine leitenden Bauform für Kirchen und ihren Raum gab, worauf es aufgrund der Materiallage keine eindeutige Antwort gibt, aber vielleicht doch Indizien zu finden sind. im zweiten Kapitel führt Vf. zu den Grundprinzipien des Kirchenraums. Er findet sie in einem ikonografischen Programm, das Boden, Wände und Decke betrifft. Das Programm spiegele die göttliche Ordnung wider und so verweise der Boden mit seinen ikonografischen Mustern, die auch im Profanen zu finden seien, auf den Lebensraum des Menschen. Die Wände mit ihren Darstellungen von Heiligen und Heilsgeschichte hingegen erzähle die Verbindung von Erde und Himmel und sachgemäß sei die Decke bzw. die Kuppel allein Gott bzw. Christus reserviert. In diesem Teil seines Buches wird deutlich, dass Sörries daran denkt, dass der frühe Kirchenbau die Sehgewohnheiten der (spät-)antiken Menschen aufgreift und nutzt. Das dritte Kapitel differenziert aber dann doch das Dekor des Raumes und Sörries stellt fest, dass lokale Anlässe und lokale Traditionen auf die Gestaltung ihren Einfluss nehmen konnten. In zwei separaten Kapiteln behandelt Vf. schließlich die Ausstattung des Kirchenraums. Das vierte Kapitel untersucht die Raumelemente, die im Bezug zu den Klerikern stehen. Hilfreich ist es dabei, dass er exkursmäßig die Vielfalt und die zahlenmäßige Größen von Klerikern deutlich macht. So wird das, was zu einzelnen Raumelemente (zB Presbyterium, Bema, Altar, Ambo und Kanzelweg) dargestellt wird verständlich - es entstehen aber auch offen bleibende Fragen nach den Gründen dieser Entwicklung (was von anderen Professionen zu lösen sein wird). Im fünften Kapitel kommen dann die Laien in den Blick und die ihnen bestimmten und gestalteten Orte im Kirchenraum. Wenn Vf. blitzlichtartig den enthusiastischen Charakter der Laien benennt, dann wird verständlich, welche Aufgaben Abschrankungen und Vorhänge einerseits als Ordnungshilfe haben, andererseits jedoch auch ihren Beitrag liefern, die Erlebniswelt des Mysteriums, den der Gottesdienst bot, gestalten zu können. Gestalt und Form von Atrium und Narthex werden vorgestellt und auch das Depot für die frommen Gaben bleibt nicht unerwähnt. Der Augenmerk wird auch auf die Türen und die unterschiedlichen Ebenen des Kirchenraums (soweit diese noch erforschbar sind) und die Sitzgelegenheiten gelenkt.  Das sechste Kapitel widmet sich dem beweglichen Inventar, so etwa auch den Lichtträgern, denen im christlichen Kult wie in der Formung der Raumatmosphäre eine besondere Bedeutung zukommt. Nicht nur der visuelle Sinn wurde aufgenommen, auch der olfaktorische Sinn kam etwa durch Räuchergefäße zu seinem Recht. Vf. bedauert, dass der akustische Sinn nicht mehr eruierbar sei, aber er könne aufgrund der literarischen Zeugnisse zur Kirchenmusik  nicht unterschätzt werden. Das Kapitel bietet des weiteren Informationen zu liturgisch genutzten Textilien, zu vasa sacra, Reliquien und Ikonen. "Da wir keine Zeitmaschine besitzen, die uns eine Teilnahme am Gottesdienst ermöglichen würde, ist unsere Phantasie gefragt, uns in ein lebendiges Geschehen zu versetzen, in dem nicht zuletzt die Kleriker und die Gläubigen die Hauptrolle spielen" (S. 102) und Sörries fragt sich, ob das, was uns überliefert wurde, nicht vermuten lässt, dass es eine gewisse Unordnung gab, sich Ungeduld breit machte und vielleicht Jubel aufbrandete, wenn die liturgischen Gefäße und die Heilige Schrift in den Kirchenraum getragen wurden, ja, ob nicht die Menschen angesichts des liturgischen Geschehens versuchte, möglichst nahe an die Ereignisorte heranzudrängen. So versucht Vf. im siebten Kapitel auf narrative Weise seine wissenschaftlichen Wahrnehmungen anschaulich zu machen, denn "der Raum und seine Einrichtung schaffen Strukturen, aber sie passen sich dieser Bewegung an. bzw. steuern sie" "und das hat Auswirkungen auf die Richtung des Raumes, die sich im Verlauf des Gottesdienstes ändert" (S. 103). Zu Ende fragt Sörries angesichts der Interpretation des Kirchenraums als Himmlisches Jerusalem, ob die Gläubigen seinerzeit den "Kirchenraum nicht vielmehr ganzheitlich und eindimensional als besonderen, als heiligen Ort wahrgenommen [haben]. Immerhin war dort alles anders als an den Orten, wo sie sich sonst aufhielten. Hier herrschte ein mystisches Spiel zwischen Dunkel und Hell, das Licht brach sich funkelnd in den Mosaiken und den Silberverkleidungen. Mit dem Weihrauch verbreitete sich ein stimulierender Duft. Gesprochene Worte und gesungene Psalmen erfüllten den Raum. Vor ihren Augen bewegte sich eine feierliche Prozession durch die Kirche, die Priester trugen heilige  Sachen mit sich, die ihnen gezeigt wurden und schließlich vollzog der Oberpriester am Altar das Opfer. Die Gläubigen wussten sich dem Sanctissimum nahe und doch von ihm getrennt. Erst durch das vermittelnde Handeln des Priesters erhielten sie daran ihren Anteil. Gegenüber dem heidnischen Kultus war nichts neu, lediglich in einen neuen Kontext gestellt. [...] Es reicht nicht aus, den Kirchenraum generalisierend als himmlisches Jerusalem zu interpretieren, denn er ist der irdischen Wirklichkeit mindestens genauso nahe" (S. 107). Sörries endet sein Buch, damit aber nicht das Nachdenken, mit einem Schlussgedanken, in dem er den Kirchenraum sowohl als Abbild des verheißenen Paradieses erkennen lässt wie auch darin ein Abbild der irdischen Welt zu finden ist und er nimmt an, dass den Verantwortlichen dies bewusst war, dass sie "nicht nur ein himmlisches, sondern auch ein irdisches Paradies entworfen und sich dabei eines dem antiken Menschen vertrauten ikonographischen Repertoires bediente" haben (S. 111). Die Lektüre des Buches ist eine Einladung, zu den frühesten Erfahrungsorten von Kirchenräumen zu folgen und sich anschaulich machen zu lassen. Dass die Bedeutung der Raumatmosphären dabei herausgestellt, nehmen Kirchenpädagog:innen gewiss positiv war. Dass Vf. über die Wahrnehmungsvoraussetzungen der Menschen von damals reflektiert und dabei das Erfordernis der Anschlussfähigkeit bei der Erschließung dessen, was der Kirchenraum mitteilen will, aufgreift macht im Transfer auf heute ebenfalls deutlich, dass die mitgebrachten 'Alltagserfahrungen' relevant sind, um im Kirchenraum die eigene Verortung als Besucher:in resp. Mitfeiernde zu finden. Als Buch zur christlichen Archäologie weckt es weitere Fragen (etwa nach den Gründen dieser spezifischen Entwicklung, die dann auch die damalige Zukunft von Kirche mitbeeinflusste); diese muss sie nicht beantworten, aber es motiviert sich mehr mit der Geschichte der Kirchen zu befassen, um mosaikstückkhaft nach und nach mehr zu verstehen, was unsere Gegenwart ausmacht.

 

In der Themenreihe des „Sonntagsblatt“s (Hrsg. vom Evangelischen bayerischen Presseverband) erschien als Heft 4/2021 ein 52seitiges Hefte „Christliche Kunst - Architektur und Malerei deuten und verstehen“. Eröffnet wird das Heft mit einer Tour d’Horizon durch Epochen der Kunstgeschichte von der antiken Kunst bis zur Pop-Art, jeweils mit dem knappen Aufweisen zentraler Trends des jeweiligen Baustils.

Der Beitrag von Markus Springer (Redakteur für Kultur, Medien und Netzwelten beim Sonntagsblatt) nimmt Giotto (+1337) in den Blick und versteht ihn als ‚Luther‘ der Malerei, der die Kunst aus dem Mittelalter in die Neuzeit führte. Er skizziert seine Kunst im biografischen Kontext und zeigt, worin er nachfolgende Künstler beeinflusste und die Renaissance vorbereitete. Der Mittelteil des Heftes (Judith Welsch-Körntgen; Kunstpädagogin, Theologin, Museumspädagogin, Stuttgart) greift einige Attribute bzw. Symbole auf (Apfel, Lilie, Lamm und Hund. Heiligensymbole und was sie bedeuten) und erklärt ihre Bedeutung wie auch ihre literarische Verortung. – Als „Frommes Vorbild der Modernen“ vermittelt Markus Springer den auf Kreta geborenen Künstler El Greco (1541-1614); Springer verbindet mit dem Beitrag zu diesem Künstler, der moderne Künstler wie van Gogh und Picasso inspirierte, auch die eine Betrachtung der Bildentstehung der Ikonen im christlichen Kontext, besonders des sog. Acheiropoieton, der „nicht von Menschenhand geschaffenen“ Bilder, und streift dabei auch den byzantinischen Bilderstreit, da ja El Grecos Heimat vom orthodoxen Glaubensverständnis geprägt wurde. Auf drei Seiten werden anschließend Baustile zwischen römischer Antike und Moderne mit je zwei Abbildungen von Bauwerken vorgestellt, um so erste Erkennungssignale für den jeweiligen Stil zu entdecken. Judith Welsch-Körntgen lädt mit ihrem Beitrag „Größer als alle Künstler“ ein, anhand der Künstler Max Beckmann, Albrecht Dürer und Vincent van Gogh zu entdecken, wie diese sich dem Christusbild verbunden fühlen und seinem Bild Gestalt geben. Der letzte Beitrag von Thomas Klatt (evangelischer Theologe und freier Journalist in Berlin) zeigt die „unrühmliche Rolle des Evangelischen Kunstdienstes“ in der NS-Zeit auf, der seine Offenheit für andere Konfessionen und Religionen aufgab und ein „williger Helfer“ wurde, auch indem er die Kunstwerke verfemter Künstler:innen zu veräußern half. – Die Beiträge können gewiss aufgrund des zur Verfügung stehenden Raumes nicht in die Tiefe gehen, aber das Heft leistet doch mit seinen Möglichkeiten („unterhaltsame Weise, Bilder und Bauwerke noch besser ‚lesen‘ zu können), Neugierige noch etwas neugieriger zu machen. Einen Einblick gibt es unter https://www.epv.de/sites/www.epv.de/files/leseprobe_2021-04_thema-christliche-kunst-copyright-epv.pdf; angeboten wird neben der Printversion auch eine digitale Fassung.

 

 

Nach oben

Beispiel für ein Hygienekonzept Kirchenführung und Selbstauskunftbogen

Der Arbeitsbereich Kirche und Tourismus in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern hat ein Hygienekonzept für Kirchenführungen im Arbeitsbereich sowie einen einfachen Selbstauskunftsbogen mit Hygieneregeln für Teilnehmer*innen an Kirchenführungen herausgegeben, das der Bundesverband in Absprache mit den Herausgebern auf seiner Homepage veröffentlicht. Es dient als Anregung für eigene Entwürfe, die mit den eigenen landeskirchlichen bzw. diözesanen resp. staatlichen Regelungen in Abstimmung gebracht werden müssen.

Hier finden Sie das Hygienekonzept 

und hier den Selbstauskunftbogen

Nach oben

Ansprechperson für den Newsletter

Christoph Schmitt
E-Mail: Newsletter@bvkirchenpaedagogik.de